Zehn Spiele gesperrt

Berliner Eisbär Rankel erhält Rekordstrafe

In Straubing wollen die Eisbären am Mittwoch endlich ihren Einzug ins DEL-Finale perfekt machen. Einer wird bei dem Spiel allerdings fehlen.

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Alles war ruhig. Nur Jonathan Sim verlor kurz einmal die Contenance, weil irgendetwas mit seinem Schläger nicht stimmte und er ausrutschte. Als Geste des Missfallens flog der Stock zur Strafe dann quer übers Eis. Aber sonst war alles unaufgeregt, so als wäre nichts vorgefallen. Nach dem Verständnis der Eisbären Berlin ist ja auch nichts passiert. „Im Play-off geht eben nicht immer alles gut“, sagte Don Jackson, der Trainer. Soll heißen: Da verliert man auch mal. Wie am Ostermontag gegen Straubing, als der Titelverteidiger der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) den Anschluss in der „Best of five“-Serie (2:1) hinnehmen musste.

Dafür allerdings, dass nichts passiert war, gingen sie beim Titelverteidiger sehr selbstkritisch mit sich um. Ganz sicher, weil sie sich über sich selbst ärgerten. Denn vieles erschien einfach unnötig beim 1:3 gegen den Außenseiter. Sechs Partien hatten die Berliner im Viertel- und Halbfinale kompromisslos bestimmt und sechs Mal in Folge gewonnen.

Doch als der Finaleinzug bevorstand, wichen sie von ihrer Linie ab, spielten so, als hätten sie schon gewonnen. „Es kann sein, dass der eine oder andere im Unterbewusstsein so gedacht hat“, sagt Stürmer Sven Felski. Dass sie mit solchen Flausen im Kopf nicht weit kommen, sollte nun klar sein.

Trotzdem haben die Berliner ihrem Kontrahenten nun wieder Leben eingehaucht. „Es ist gefährlich, wenn man solchen Teams noch einmal Hoffnung gibt“, sagt Manager Peter John Lee. Straubing, erstmals überhaupt im Play-off, hat nichts zu verlieren, dafür aber jetzt das Gefühl, die Eisbären bezwingen zu können. Einfacher wird die Aufgabe der Berliner dadurch nicht, wenn sie am Mittwoch zum vierten Spiel der Serie in Niederbayern antreten (19.30 Uhr, Sky live).

Bei den Profis ist für solche Gedanken kein Platz. „Wer weiß, wozu das gut war“, sagt Sven Felski. Niederlagen bieten ja nicht nur Anlass zu Kritik, sondern auch die Möglichkeit, daraus zu lernen. Über Potenzial, über Talent, über die Tiefe des Kaders muss niemand diskutieren, von allem besitzen die Eisbären im Verhältnis zu den Straubing Tigers deutlich mehr.

Nur muss jeder der Vorteile in die richtige Bahn gelenkt werden. Das missglückte in Spiel drei. Vielleicht gerade deshalb, weil vorher alles so problemlos ablief. Das jedenfalls hält Lee für eine Erklärung. „Wenn du viel gewinnst und scheinbar alles richtig machst, nimmst du irgendwann nicht mehr alles so genau“, sagt der Manager. Korrekturen des Trainers, der trotz der Siege immer auch Ansätze zur Verbesserung sieht, verhallen etwa nach der fünften oder sechsten Partie ohne Niederlage leicht in der Kabine, ohne wirklich aufgenommen zu werden. Ein kleiner Misserfolg kann die verstopften Ohren da öffnen helfen. „Nach solchen Erlebnissen hören alle wieder besser hin“, sagt Lee. Als er noch spielte, war das bei ihm genauso.

Gezielte Videoschulungen

Die neue Aufnahmebereitschaft wollte Jackson wohl gleich ganz gezielt nutzen. Er bat einzelne Spieler zu sich ins Trainerzimmer, um ein paar Dinge auf Video durchzugehen. Unter anderem Kapitän Richie Regehr, dem dumme Fehler unterlaufen waren. Aber auch die erste Reihe, die keine Effizienz zeigte. Viele der Defizite hatten damit zu tun, dass alles gut aussehen sollte. Die wichtigen Kleinigkeiten wie der kurze, schnelle Pass blieben dabei auf der Strecke. Das wird im Play-off bestraft. Wolfsburg – von den individuellen Fähigkeiten her klar besser als Straubing, aber in der Viertelfinalserie mit 0:4 Niederlagen ebenso klar unterlegen – dient als warnendes Beispiel.

Neue taktische Winkelzüge offerierte Jackson seiner Mannschaft nach der Niederlage jedoch nicht. Seine Botschaft ist recht einfach: „Wir müssen wieder so spielen wie vorher.“ Einfach, schnell, direkt und mit hohem Laufpensum den Gegner früh unter Druck setzen, Eisbären-Eishockey nennen sie das bei den Berlinern gern. Sie wollen schlicht zu ihrem Stil zurückfinden. Dass das erste schlechte Spiel im Play-off bei den Eisbären etwas ausgelöst haben könnte, das diese Rückkehr verhindern könnte, glaubt Verteidiger Constantin Braun nicht: „Wir haben eine so erfahrene Mannschaft, dass uns das nicht zurückwirft“, sagt er. Auf dem Eis sind insgesamt 43 DEL-Titel versammelt, viele der Berliner haben schon etliche schwere Play-off-Serien erlebt. „Damit musst du umgehen können, sonst gewinnst du kein Finale“, sagt Lee.

Er war ganz ruhig dabei, unaufgeregt. So als wäre am Tag zuvor nichts passiert.