Playoff-Niederlage

Berliner Eisbären müssen in Straubing nachsitzen

Die Berliner Eisbären haben den Finaleinzug vor heimischem Publikum verpasst. Am Mittwoch müssen sie wieder gegen Straubing ran.

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Auf der einen Seite wurde nach Erklärungen gesucht. Mit leeren Gesichtern standen die Brüder Constantin und Laurin Braun vor der Kabine der Eisbären und rangen um Formulierungen. Ein paar Meter weiter stießen durch die Türen immer wieder spitze Jubelschreie. Die beiden registrierten das, es tat auch sicher weh, denn eigentlich hatte das Halbfinalduell gegen die Straubing Tigers mit dem dritten Sieg in der dritten Partie der „Best of five“-Serie am frühen Montagabend beendet sein sollen. Stattdessen verlor der Titelverteidiger der Deutschen Eishockey-Liga 1:3 (0:0, 1:1, 0:2), dazu noch vor dem eigenen Publikum und mit einer Leistung, die wenig Spielraum ließ für wohlwollende Analysen.

Dessen waren sich auch die Braun-Brüder bewusst. „Keiner hat seine Leistung gebracht“, sagte Verteidiger Constantin. Stürmer Laurin fand, dass „wir zu leicht gespielt haben“. Als Konsequenz daraus muss der Erste der Hauptrunde, der jetzt nur noch 2:1 in der Serie führt, Mittwoch noch einmal beim Sechsten antreten (19.35 Uhr, Sky live) und dort erneut um den Finaleinzug kämpfen.

Weder hart, noch schlau gespielt

Der Unterschied im Auftreten des Meisters zu den Duellen (je 4:1) zuvor war gravierend. Fast ein wenig unerklärlich. Zumal die Eisbären wussten, was auf sie zukommen würde. „Straubing ist nicht umsonst im Halbfinale, die wollten hier nicht nur noch einmal die Atmosphäre genießen“, sagte Constantin Braun. Dafür aber ließ es der Meister etwas arg sorglos angehen. „Wir hatten nicht genug Ehrgeiz“, konstatierte sein Bruder. Ihm gelang immerhin mit einem verwandelten Penaltyschuss der Treffer zum 1:1 (36.). Ansonsten funktionierte an diesem Tag nicht viel bei den Eisbären.

Das merkte auch Trainer Don Jackson an. „Unser Motto ist, hart und schlau zu spielen. Das haben wir nicht gemacht.“ Jackson hatte erstmals in diesem Play-off einige Veränderungen vornehmen müssen. Die Matchstrafe von André Rankel in Straubing, wegen der er vorläufig gesperrt ist, zwang ihn dazu. Das wirkte sich auf gleich drei Angriffsreihen aus. Für Rankel rückte Mads Christensen in die zweite Formation, für Christensen beorderte Jackson nun Tyson Mulock in die dritte Reihe und dort kam dafür Vincent Schlenker zum Einsatz. Der 19-Jährige war nach dem vierten Spiel gegen Köln im Viertelfinale erst zum zweiten Mal dabei.

Das war sicher ein Grund dafür, dass der Titelverteidiger einige Schwierigkeiten hatte, in die Partie zu kommen. „Wir hatten anfangs auch Probleme mit ihrer läuferischen Leistung“, sagte Constantin Braun. Das Pensum der Niederbayern in dieser Hinsicht war tatsächlich enorm. Was an sich keine Überraschung hätte darstellen dürfen, denn die Straubinger wehrten sich mit allen Kräften gegen das drohende Saisonende. Das brachte die Eisbären von ihrem gradlinigen Spiel ab, weitgehend waren es daher Einzelaktionen, mit denen sie vor das Tor der Gäste gelangten. Wobei dennoch einige gefährliche Situationen entstanden, doch Christensen (10.), Travis Mulock (12.) und Barry Tallackson (13.) konnten sie nicht nutzen.

Rankels Ausfall sorgte für Probleme

Offenbar spürten die Straubinger, dass die Mannschaft der Berliner nicht mit dem Selbstverständnis der beiden vorherigen Partien auftrat. „Wir hatten zu wenig Biss, haben die Scheibe nicht tief gespielt und uns zu viel verzockt“, monierte Verteidiger Braun. Das ließ den Gegner noch mutiger werden, die Tigers drängten die Eisbären weit zurück und zwangen sie zu Fehlern. So ergab es sich, dass die Berliner erstmals in der Serie die Kontrolle verloren, sie spielten unter dem hohen Druck unorganisiert und bescherten Torhüter Rob Zepp immer mehr Arbeit. Teilweise musste er vier Schüsse in Folge abwehren und konnte einmal nur mit ausgestrecktem Schläger parieren. Als wenig später Richie Regehr einen Schuss von Bernhard Keil abfälschte, war Zepp geschlagen, und die Berliner lagen erstmals in der Serie gegen Straubing zurück (34.).

Es war eine Parallele zum zweiten Heimspiel gegen die Kölner Haie, doch genau wie dort lagen die Berliner nicht lange zurück. In Unterzahl erkämpfte sich Laurin Braun den Puck und wurde allein vor dem Tor unfair gestoppt, sein verwandelter Penalty beruhigte die bis dahin hektischer werdenden Partie, die dabei nie an Tempo einbüßte. Zusammen mit dem intensiven Körpereinsatz ergab das ein sehr packendes Play-off-Duell. Eines, wie es die Eisbären in den bisherigen Spielen nicht erlebt hatten, weil sie es da nicht zuließen, dass der Gegner mit ihnen auf Augenhöhe mitmachen darf.

Diesmal taten sie es, und es wirkte, als ob der Ausfall von Rankel zu viel durcheinander gebracht hat bei den Eisbären. Sie entwickelten nicht die Ruhe, mit der sie sonst ihr Spiel durchziehen. Viele Aktionen waren überhastet, etwa als Regehr in Überzahl im eigenen Drittel einen riskanten Pass spielte. Er kam beim Falschen an, und Dustin Whitecotton nutzte das zum 2:1 für die Gäste (49.). Als Rob Zepp dann für einen weiteren Feldspieler vom Eis ging, fiel noch der dritte Treffer für die Straubinger, deren zahlreicher und euphorisierter Anhang nun in Ekstase geriet. Für die Niederbayern ergab sich plötzlich das Gefühl, dem Favoriten noch böse wehtun zu können. Davon gehen die Berliner trotz ihrer schwachen Darbietung nicht aus. „Das wird uns nicht nochmal passieren“, sagte Constantin Braun mit inzwischen wieder sehr entschlossenem Blick.