Play-off-Halbfinale

Eisbären brauchen nur noch einen Sieg

Nach dem zweiten 4:1-Erfolg gegen Straubing können die Berliner am Ostermontag vor eigenem Publikum ins Finale der DEL einziehen.

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Halbfinale, das kennt man gar nicht in Straubing. Zumindest nicht auf dem höchsten Niveau, also in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Dort ist der Klub aus Niederbayern ganz neu, und dementsprechend aufgeregt geht es in dem Örtchen gerade zu. Um Karten für das erste Halbfinalheimspiel in der Geschichte der Tigers zu bekommen, war schon Glück notwendig. Gerade einmal 86 Minuten dauerte die Verkaufsphase, dann waren die fast 6000 Tickets weg.

Das erste könnte allerdings auch schon vorläufig das letzte Halbfinalheimspiel für die Straubing Tigers gewesen sein. Denn die Eisbären aus Berlin erweisen sich als eine Nummer zu groß für den kleinen Klub aus Bayern. Der Meister setzte sich nach dem 4:1 im ersten Spiel der „Best of five“-Serie nun auch in Straubing mit 4:1 (2:1, 1:0, 1:0) durch. Damit können die Berliner bereits am Montag daheim in der dritten Partie ins Finale einziehen (14.35 Uhr, O2 World und Sky live).

Mit einem warmen Empfang durften die Eisbären in Straubing nicht rechnen, Berliner sind dort nicht sonderlich beliebt. Außerdem stehen Fans und Mannschaft der Tigers nach einer für sie sensationellen Saison enorm unter Strom, sie sind voll Adrenalin, was sich in der Spielweise des Teams auch manifestiert. Die Tigers setzen ihren Körper stark ein, am Ostersonnabend auch öfter mal den Schläger, um die Berliner mit nicht immer fairen Mitteln aus dem Konzept zu bringen. Aber das ist kein Geheimnis, deshalb traf es die Eisbären nicht unerwartet.

Wille der Tigers genügt nicht

Auch nicht das sehr aufdringliche und frühe Angreifen der Straubinger. Sie wollten die Berliner nicht in ihren Spielfluss kommen lassen und möglichst schon in der Zone der Eisbären deren Aufbau unterbinden. Das verdeutlichte den großen Willen des Außenseiters, der erstmals überhaupt im Play-off der DEL dabei ist. Gegen das große Talent der Eisbären, das zeigte sich schon bald, genügte das jedoch nicht.

Denn dank ihrer individuellen Fähigkeiten fanden die Spieler von Trainer Don Jackson auch unter den gegeben Umständen, also mit wenig Raum zur Entfaltung, immer Wege, um sich durchzusetzen. So spielte Barry Tallackson einen Pass aus dem eigenen Drittel, mit dem er seinen Sturmpartner Darin Olver perfekt in Szene brachte. Olver konnte anschließend allein auf das Tor der Straubinger laufen und schoss den Puck zwischen den Beinen von Torhüter Barry Brust hindurch zum 1:0 ins Netz (11.). Diese Führung baute Constantin Braun kurz darauf aus, in Überzahl traf er zum 2:0 (13.).

Für die Berliner war das ein perfekter Start, der Druck auf den Gastgeber wurde noch mehr erhöht. Allerdings gingen die Straubinger damit recht gut um, was dazu führte, dass die Tigers in Überzahl den Anschlusstreffer erzielten. Schütze war ausgerechnet René Röthke (18.), ein gebürtiger Berliner und ehemaliger Profi der Eisbären.

Die Partie wurde dadurch enger, aber die Berliner behielten weiterhin die Kontrolle. Sie spielten gut defensiv, dosiert aber wirkungsvoll nach vorn. Eine große Gelegenheit verpasste André Rankel dabei jedoch, als die Eisbären mit vier Spielern auf einen Straubinger Verteidiger zufuhren. Dafür machte es Jim Sharrow später besser, ein Querpass von Travis Mulock bescherte ihm eine freie Schussbahn, und Sharrow erzielte das 3:1 (33.). „Das war wichtig, da Straubing direkt davor eine große Chance hatte“, sagte Verteidiger Jens Baxmann.

Letztlich war das Tor eine gewisse Vorentscheidung, unter normalen Umständen wäre es das zumindest gewesen. Denn Straubing verfügt nicht über das Potenzial, so einen Vorsprung gegen den Titelverteidiger aufzuholen. Doch André Rankel handelte sich eine Matchstrafe ein mit einem Check gegen Daniel Sparre (48.), damit ist er zum einen vorläufig gesperrt, zum anderen brachte es den Straubingern eine fünfminütige Überzahl.

Und das Powerplay ist die Spezialität der Tigers, kein Play-off-Team ist darin besser. Als Sharrow auch noch auf die Strafbank musste, waren die Berliner sogar zwei Spieler weniger. Doch im wohl wichtigsten Powerplay all ihrer Play-off-Spiele versagten die Straubinger, scheiterten an der guten Abwehr des EHC und an Torhüter Rob Zepp. „Wir haben definitiv zu viele Strafen genommen. Ansonsten können wir im Großen und Ganzen zufrieden sein“, sagte Stürmer Florian Busch, der in Überzahl noch zum 4:1 traf (57.).

Wie lange Rankel ausfällt, hängt nun davon ab, wie der Disziplinarausschuss der DEL die Situation bewertet. Es könnte sogar sein, dass die Saison für ihn beendet ist. Das beschäftigt die Berliner derweil aber nicht vordergründig. Sie arbeiten mehr daran, dass am Montag die Saison für die Straubing Tigers in jedem Fall beendet sein wird.