Eishockey

Bei den Eisbären Berlin stürmt die Jugend ins Rampenlicht

Daniel Weiß und Laurin Braun bestimmten das erste Halbfinale gegen Straubing. Von den Tigers können die Berliner aber noch lernen.

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Die Szene wirkte wie schon einmal erlebt, nur mit einer anderen Person. Vor zwei Wochen saß Uwe Krupp auf dem Podium nach dem ersten Spiel der Kölner Haie gegen den EHC Eisbären und sprach davon, dass seine Mannschaft viel gelernt habe an diesem Abend.

Unmittelbar konnte sie aber nichts damit anfangen, die Viertelfinalserie gegen den Titelverteidiger der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) war in der minimalen Anzahl an Spielen schnell vorbei. Am Gründonnerstag nach dem ersten Halbfinalduell hatte Dan Ratushny dort Platz genommen, wo kürzlich noch Krupp saß.

Aber er erzählte ziemlich genau das gleiche. „Wir können viel lernen aus diesem Spiel“, sagte der Trainer der Straubing Tigers nach dem 4:1 zum Auftakt der „Best of five“-Serie.

Beschleunigter Lernprozess

Ratushny, der die Niederbayern in seiner ersten Saison betreut, gilt als ziemlich clever. Es ist kein Zufall, dass er den Klub in das erste DEL-Play-off der Vereinsgeschichte führte.

Insofern dürfte den Tigers im Vergleich zu den Haien ein beschleunigter Lernprozess zuzutrauen sein. Obwohl der Nachholbedarf nicht gerade klein ist. „Berlin war in allen drei Zonen stark“, bekannte Ratushny.

Sein Team hatte dagegen wenig zu bieten. „Ich habe nie gedacht, dass wir das Ding verlieren können“, sagte Laurin Braun.

Sein Auftritt und auch der von Daniel Weiß waren wichtige Faktoren in dieser Partie. Die beiden Berliner Stürmer prägten sie, waren immer auffällig, aktiv und effektiv. Als guter Lernstoff für den Gegner taugt das trotzdem nicht viel.

Weil da keine großen Lehren zu ziehen sind, als Gegner bleibt nur die Anerkennung, dass die Eisbären über einen qualitativ so breiten Kader verfügen, dass jederzeit Dinge passieren können, die in dieser Form schwer vorhersehbar sind.

Erste Reihe kommt nicht zum Zug

Zu den Profis, die Spiele entscheiden, zählen Braun und Weiß nämlich eigentlich nicht, schon gar nicht im Play-off. Braun, 21 Jahre alt, wird überhaupt erst in seiner zweiten Saison im Titelkampf eingesetzt.

Der ein Jahr ältere Weiß hat schon deutlich mehr Erfahrung und war an drei Meistertiteln beteiligt. Aber zu seinen Aufgaben zählt eben nicht vordergründig das Schießen oder Vorbereiten von Toren. Dafür gibt es genug andere.

Die kamen gegen Straubing jedoch nicht zum Zug. „Die erste Reihe hat etwas zu viel mit der Scheibe gemacht, das war etwas frustrierend“, sagte Trainer Don Jackson. Aber er muss sich ja nicht allein auf diese Spieler verlassen.

Das ist ein Luxus, den nicht viele in der DEL genießen können. Genau deshalb dominieren die Berliner die Liga seit Jahren, es ist das, was sie den anderen voraus haben. Während Barry Tallackson, Florian Busch und Darin Olver versuchten, sich mehr ins Spiel zu tanzen, rannte ein aufgedrehter Laurin Braun von der einen Seite des Feldes zur anderen und erkämpfte sich den Puck so oft, dass er gefühlt am meisten von allen Akteuren mit dem Spielgerät am Schläger umherlief.

Unangenehmer Gegenspieler

„Wir machen das Beste, was man dem Trainer zurückgeben kann“, sagt Braun als Dank für das Vertrauen, das er bekommt. Für ein paar Minuten hatte er sogar sein erstes Play-off-Tor erzielt, später aber wurde der Torschütze korrigiert, Mads Christensen hatte noch abgefälscht. Aber es war trotzdem Brauns Spiel.

Natürlich auch das von Weiß. Er ist ein ähnlicher Typ wie Braun, kämpferisch, intensiv, ein unangenehmer Gegenspieler, der genau deswegen zu den Spezialisten in Unterzahl gehört.

Er erzielte das wichtige 1:0 gegen Straubing, das 3:1 von Travis James Mulock bereitete er mit hartnäckigem Einsatz vor dem Tor vor. Jackson bescheinigte ihm „ein großes Spiel“. Solches Lob hört Daniel Weiß nicht oft. Meist in der vierten Reihe zu spielen, bietet eben nicht häufig die Möglichkeit, sich mit Treffern und Vorlagen auszuzeichnen.

Beiden geht es jedoch nicht so sehr um sich selbst. Sie meckern nie über zu wenige Einsätze. In anderen Mannschaften würden beide wohl prominentere Rollen spielen. Selbst im Umfeld der Berliner ist ab und an zu hören, dass sie mehr auf dem Eis stehen sollten.

Kämpfen statt Klagen

„Unser Erfolg beruht darauf, dass wir alles so tun, wie wir es tun. Jeder hat seine Rolle“, sagt Don Jackson dazu nur. Dagegen ist wenig einzuwenden.

Braun und Weiß, die beide zum Perspektivkader der Nationalmannschaft gehören, arbeiten deshalb sehr viel an sich, um nach und nach aufzurücken. Nur für mehr Eiszeit anderswo würden sie das nicht eintauschen wollen.

Weil sie den Erfolg lieben, das Gefühl, Meister zu werden. Und die Chance, das erleben zu können, ist in Berlin nun mal am größten.

Sie ist auch jetzt wieder da. Doch die Euphorie der Straubinger, die wie die Berliner mit 4:0 Siegen (über Wolfsburg) ins Halbfinale eingezogen sind, dürfte unter der ersten Niederlage kaum leiden.

Die Atmosphäre am Sonnabend im zweiten Spiel in Niederbayern wird sehr intensiv sein. „Ich glaube, die ganze Stadt ist da“, sagt Daniel Weiß. Er lächelt. Weil Straubing nur 45.000 Einwohner hat.

In die Halle passen aber lediglich 6000. Doch auch die können die Nerven auf eine harte Probe stellen, genau wie das sehr körperbetonte Spiel der Tigers.

Besseres Powerplay könnte helfen

Davon hätten die Eisbären in Berlin gut profitieren können, es gab viele Strafzeiten gegen den Außenseiter. Braun nahm das locker, obwohl er viel abbekam. „Wir wussten ja, dass sie so spielen, ich stecke das weg und lache den aus, der eine Strafe kriegt“, sagt er.

Dass kein einziger Überzahltreffer gelang, wollte er auch nicht überbewerten. „Wenn es wichtig wird, dann steigt der Druck auf einige Spieler und dann denke ich, dass es auch wieder klappt.“

Eine bessere Quote im Powerplay dürfte den Eisbären in Straubing sehr helfen. Zumindest in dieser Hinsicht muss sich Dan Ratushy nichts von den Berlinern abschauen. Straubing spielt nämlich selbst ein ausgezeichnetes Powerplay, sogar das mit Abstand beste der Halbfinalisten.

Da können die Eisbären die Rollen tauschen und ausnahmsweise einmal nicht die sein, die anderen ein Beispiel geben, sondern durchaus selbst etwas vom Gegner lernen.