Eishockey

Die Eisbären setzen auf Tallackson und Olver

Die Eisbären-Stürmer Tallackson und Olver sind wie Zwillinge auf dem Eis. Gegen Straubing wollen sie ihre Position in Berlin festigen.

Foto: City-Press

Diese Parallele zu ziehen, liegt nah. Straubing, das erinnert einfach zu sehr an die Situation von vor zwei Jahren.

Auf der einen Seite steht der EHC Eisbären, der beherrschende Klub in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL); auf der anderen kommt ein kleiner Niemand aus der bayrischen Provinz daher, der sich aus Versehen irgendwie ins Play-off verirrt hat.

Die Kräfteverhältnisse könnten klarer nicht sein. Damals war es Augsburg, und es war das Viertelfinale. Da entstand seinerzeit diese unglaubliche Geschichte, der Niemand brachte den Riesen zu Fall. Nun kommt Straubing, als absoluter Neuling im Play-off, und stellt sich frech den Berlinern in den Weg.

Richtig zu vergleichen sei das nicht, findet Darin Olver. Er muss es wissen, der Stürmer der Eisbären gehörte damals zum Augsburger Team, das letztlich bis ins Finale zog. „Anders als wir hat Straubing die ganze Saison über schon gut gespielt, das überrascht jetzt niemanden mehr“, sagt der 27-Jährige.

Außerdem begegnen sich die Mannschaften ab Donnerstag (19.35 Uhr O2 World und Skylive) jetzt im Halbfinale. „Da denkt doch kein Spieler mehr darüber nach, wer nun Favorit ist oder nicht“, erzählt Barry Tallackson (28).

Wie Zwillinge auf dem Eis

Auch Tallackson war in Augsburg, allerdings nur in der vergangenen Saison. Die verlief nicht mehr so erfolgreich für die Schwaben, sie wurden Letzter. Allerdings mit zwei der besten Angreifer der Liga.

Es war die Saison, in der sich zwischen den beiden eine phänomenale Chemie entwickelte. Sie kannten sich nicht, obwohl sie in den USA nur etwa 20 Minuten voneinander entfernt in Minnesota wohnen.

Aber auf dem Eis wirkte es sofort, als wären die beiden Zwillinge, die einfach instinktiv genau tun, was gut für den anderen ist. Eine faszinierende Harmonie prägte ihr Spiel vom ersten Moment an.

„So kompliziert ist das gar nicht, wenn man ähnlich denkt“, sagt Olver. Er baut das Spiel auf, Tallackson trifft. Wenn nicht, schießt Olver einfach selbst die Tore.

Es wäre schade gewesen, diese perfekte Zweisamkeit, die längst auch ins Private geht, zu trennen. Deswegen holte Manager Peter John Lee sie gleich im Doppelpack nach Berlin.

Anfang mit Skepsis

Begleitet wurde das auch ein wenig skeptisch. Augsburg und Berlin, das sind andere Welten. Von den Orten her, von den Klubs, auch vom Spiel. „Anfangs war das schon ein Schock“, sagt Tallackson. Ein halbes Jahr haben sie gebraucht, um sich an alles zu gewöhnen.

Obwohl das an ihrer Punktebilanz kaum abzulesen ist. Natürlich entsprechen die Zahlen nicht mehr denen wie in Augsburg, aber damit hatten sie auch nicht gerechnet in diesem ausgeglichenen Team.

Beide waren trotzdem die besten Punktesammler des EHC in der Hauptrunde, schossen als einzige jeder über 20 Tore. Dennoch entstand nie eine echte Abhängigkeit der Mannschaft von ihrer Reihe, so wie es in Augsburg war.

Sie vermissen das auch nicht. „Was hilft dir das, wenn du dann am Ende nur Letzter wirst?“, erzählt Tallackson, „gegen einen Titel tausche ich das gern ein.“ Die richtige Richtung dorthin haben die beiden eingeschlagen.

Dass es gleich im ersten Jahr so gut für sie läuft, kommt für beide nicht unerwartet. Olver und Tallackson betrachten alles recht realistisch, fast schon nüchtern.

Ungewohnte Aufgaben in der Defensive

Ihr Selbstvertrauen ist gut ausgeprägt. „Von uns wurden große Dinge erhofft und wir haben die Möglichkeit erhalten, diese auch zu leisten“, sagt Olver. Florian Busch als dritter Spieler in ihrer Reihe half ihnen dabei.

Anfangs erschien es schwierig, jemanden für die beiden zu finden, der zu ihnen passt. „Aber letztlich hast du hier so viele Leute, die miteinander spielen können. Und Buschi gehört sicher zu den Besten in der Liga“, sagt Tallackson.

Nur gehe nicht alles von heute auf morgen. Zumal sie nicht nur mit Busch den richtigen Draht finden mussten, sondern auch noch den Anforderungen des EHC-Systems und denen von Trainer Don Jackson nachzukommen hatten.

Das beinhaltete für sie ungewohnte Defensivaufgaben, weil sie damit anfangs nicht gut umgehen konnten, brachte ihnen das Kritik ein, vor allem in der Öffentlichkeit. „

Da ist es schon ganz gut, wenn man kaum deutsch versteht und das nicht mitbekommt“, sagt Olver. Inzwischen schwärmt selbst der verletzte Kapitän Stefan Ustorf, wie sehr sich beide in den Dienst der Mannschaft stellen und auch nach hinten arbeiten. „Das zu lernen, hat uns zu besseren Spielern gemacht“, erzählt Tallackson.

Fast wie eine Familie

Nicht allein lernen zu müssen, sondern im jeweils anderen jemanden zu haben, den sie gut kennen, machte es ihnen leichter. „Gerade wenn du in so eine Mannschaft wie diese kommst, muss das nicht unbedingt ein großer Spaß sein“, sagt Olver.

Kein anderes Team in der Liga ist so organisch gewachsen wie die Eisbären. Die meisten Spieler kennen sich seit vielen Jahren, wissen, was sie zu tun haben, kennen sich mit allem aus.

Neulinge können da schnell an den Rand geraten. Olver und Tallackson taten es nicht. Dafür haben sie erfahren, was den Berliner Klub ausmacht, was ihn abhebt unter all den Konkurrenten.

„Das ist eine Gruppe, die sich über die Zeit sehr nahe gekommen ist. Das fühlt sich fast an wie eine Familie. Im Eishockey ist das schon speziell“, sagt Tallackson.

Er weiß, dass nordamerikanische Spieler wie Mark Beaufait, Steve Walker oder auch Denis Pederson, die alle Schlüsselspieler für den Klub waren, ihre Karriere in Berlin verbrachten, nachdem sie zu den Eisbären kamen. „So was geht die schon durch den Kopf, wenn du hier unterschreibst“, sagt er. Diese Loyalität hat Tallackson beeindruckt, auch Olver.

Endlich sesshaft werden

Für ihn war der Wechsel auch ein Sprung in ein anderes Leben. Bisher blieb Olver nie lange an einem Ort, dabei hält er an sich nicht viel vom ständigen Unterwegssein. Eine Karriere in unterklassigen nordamerikanischen Ligen lehnte er daher ab, nachdem es mit der NHL nichts geworden ist.

„Ich möchte nicht mehr herumziehen“, sagt Olver. Er will sesshaft werden. Außerdem hat sich für ihn ohnehin ein lang gehegter Wunsch erfüllt.

Als er nach Deutschland kam, spielte er zunächst in der Zweiten Liga in Bremerhaven. Mit dem Klub war er mal in Berlin und sah ein Training der Eisbären. Von da an wollte er zu diesem Verein.

Aber zu den Eisbären zu kommen, ist so leicht eben nicht. „Hier werden die Spieler nicht oft gewechselt. Deshalb bekommen nicht viele die Chance, für diesen Klub zu arbeiten“, sagt Darin Olver.

Er hat sie bekommen. Gemeinsam mit Tallackson verfügt er auch über das Potenzial, den Klub noch viele Jahre mitzuprägen, zu einem der Gesichter der Eisbären zu werden.