Eishockey kurios

Eisbären-Meistercoach Don Jackson muss zur Trainerschule

Weil er keine deutsche Trainerlizenz hat, muss der Berliner Coach im Sommer an einen Lehrgang teilnehmen. Das interessiert ihn aber wenig.

Er liebt seine Auszeiten. Don Jackson, Trainer des EHC Eisbären, zählt nicht zu den Eishockey-Übungsleitern mit leicht fanatischen Tendenzen, zu jenen, die ohne ihren Sport nicht leben können. Nein, Jackson hat gern auch mal über längere Perioden seinen Abstand davon. Dann ist er den Sommer über in den USA und kümmert sich um seine Familie, die er sonst nur selten sieht.

Den bevorstehenden Sommer wird er allerdings nicht ohne Unterbrechungen genießen können. Im Mai und im Juli muss der 55-Jährige jeweils für ein paar Tage an einem Trainerlehrgang des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) teilnehmen. Weil er keine deutsche Trainerlizenz hat.

Am Donnerstag im Halbfinale gegen Straubing

Darauf angesprochen wird sein Gesicht schnell ernst. Was wohl mehr an dem Moment liegt, in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) läuft das Play-off, die Eisbären empfangen im Halbfinale am Donnerstag den Außenseiter Straubing Tigers (19.35 Uhr, O2 World und Sky live). Jackson hat einfach anderes zu tun. „Sie haben ihre Regeln“, sagt er trocken.

Ganz erschließen ihm sich diese Vorschriften wohl nicht. Der Mann war dreimal Meister mit den Eisbären, jahrelang Assistenztrainer in der nordamerikanischen Profiliga NHL. Genau von dort ist er geprägt, in der NHL braucht niemand einen Trainerschein. In vielen anderen europäischen Ländern auch nicht. Nur Deutschland bildet die Ausnahme. Hier muss mindestens ein Verantwortlicher hinter der Bande stehen, der einen deutschen A-Schein besitzt. Bei den Eisbären ist das Hartmut Nickel.

Familienurlaub in Wichita muss warten

Lange wird der dafür nicht mehr zur Verfügung stehen, Nickel ist 67 Jahr alt. „Wir müssen uns auf die Zeit nach ihm vorbereiten“, erzählt Jackson. Es sei keine große Sache für ihn, verkündet er noch, dann reicht es. Er will nicht mehr darüber reden. Vielleicht nervt ihn der erste Termin Mitte Mai einfach zu sehr. Normalerweise besucht er nicht mal die Weltmeisterschaften nach der Saison, weil er lieber daheim in Wichita ist. Nun muss er seine freie Zeit auf diese Weise verbringen. Wenigstens der zweite Termin Ende Juli liegt so, dass er gleich in Deutschland bleiben und die Saisonvorbereitung mit den Eisbären starten kann.

Aber es lohnt sich ja auch. Zum einen für Jackson, er darf sich nach dem Lehrgang als richtiger Trainer auf dem Spielberichtsbogen eintragen lassen. Ohne eine Prüfung zu absolvieren. „Er ist als Dozent dort“, sagt Jörg von Ameln, Spielbetriebsleiter der DEL. Für die Teilnahme an der Ausbildungsmaßnahme erhält er eine Gastlizenz, die mit dem neuen Kooperationsvertrag zwischen DEL und DEB als gleichwertig dem deutschen A-Trainerschein betrachtet wird. Bislang coachte Jackson mit einer Ausnahmegenehmigung in der DEL – so wie viele andere auch.

Hinter der Regelung steckt der Gedanke, dem deutschen Eishockey etwas Nachhilfe zu erteilen. Es gab immer viele vor allem nordamerikanische Übungsleiter in der DEL. „Von denen blieb wenig, wenn sie wieder weg waren“, sagt von Ameln. Wenig sinnvoll wäre es nun, erfahrene Coaches mit Anfängern auf eine Schulbank zu setzen und sie dazu zu zwingen, den Schein nachzuholen. Im gewählten Modell ist der Ansatz, dass „junge deutsche Trainer vom ausländischen Wissen profitieren“, sagt von Ameln. Es wird auf diese Weise an sie weitervermittelt. „Das ist eine gute Sache“, sagt Eisbären-Manager Peter John Lee. Er engagiert sich ohnehin seit Jahren für das deutsche Eishockey. Insofern findet er es nicht verkehrt, wenn Jackson in dieser Form etwas zurückgibt für viele gute Jahre in Deutschland.

Ob Jackson das genauso sieht, ist eher fraglich. Wenigstens ist er nicht ganz allein bei den Sommerkursen. Auch der Trainer der Krefeld Pinguine, Rick Adduono, wird dabei sein. Demnächst könnten sogar weitere namhafte Übungsleiter als Referenten teilnehmen, Uwe Krupp von den Kölner Haien etwa oder Doug Mason von den Iserlohn Roosters. Vielleicht auch Dan Ratushny vom Berliner Halbfinalgegner Straubing. Nun muss sich Jackson noch überlegen, worüber er referiert. Das wird er aber erst nach dem Play-off tun.