Eishockey

Eisbären wollen ins Halbfinale durchmarschieren

Die Berliner Eisbären wollen Köln im Viertelfinale ausschalten. Dabei ist die größte Herausforderung der Kampf im eigenen Kopf.

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Denis Pederson stand wieder auf dem Eis. Er spielte ein bisschen mit dem Puck, lief mal hierhin und mal dorthin, setzte zu einer schnellen Bewegung an, wie er sie so viele Jahre im Trikot des EHC Eisbären getan hat.

Eine Hoffnung, dass er im Play-off der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) noch einmal in ein Spiel eingreifen wird, besteht deshalb aber nicht. Pederson (Knieverletzung) trug einen Trainingsanzug, alles war mehr ein netter Zeitvertreib, um dem Team nah zu sein. Bis auf eines, für ein paar Minuten betätigte er sich als Assistenztrainer: Er übte das Bullyspiel mit den anderen.

In der Viertelfinalserie gegen die Kölner Haie hatte Trainer Don Jackson dort Probleme ausgemacht. Die Berliner verlieren mehr Anspiele, als sie gewinnen. „Besonders in Spiel zwei in Köln war das so“, sagt Jackson.

Am Mittwoch steht in Köln Spiel vier der „Best of seven“-Serie auf dem Programm. Ein bisschen Nachhilfe von einem, der lange zu den Besten der Liga in dieser Disziplin gehörte, kann da nicht schaden. Zumal der Titelverteidiger gern mit dem vierten Sieg gegen die Haie ins Halbfinale einziehen würde.

Das wäre der Durchmarsch in der kürzesten Zeit. Genau der schwebt den Berlinern vor. „Wir würden gern eine Pause haben, es ist wichtig, sich auszuruhen“, sagt Stürmer Tyson Mulock. Aus ihm spricht auch die Gewissheit, dass Köln nicht in der Lage ist, die Serie doch noch für sich zu entscheiden. Genau wie aus Jackson: „Ich erwarte, dass wir gewinnen.“

Kampf im eigenen Kopf

Ganz einfach wird das aber kaum werden. Eine dieser ewigen Play-off-Weisheiten lautet, dass der letzte Sieg in einer Serie der schwierigste ist. „Köln kämpft gegen die Eliminierung. Das wird sie zusätzlich motivieren“, sagt Angreifer Florian Busch. Dass die Berliner sich gern etwas abwertend über das rustikale Auftreten äußern, wird bei den Haien auch eine gewisse Wut erzeugen.

Es sind andere Dinge als in einer ausgeglichenen Serie, die die Aufgabe für die Berliner komplizierter macht, als sie es zu sein scheint. Köln war bislang nicht die Mannschaft, um die Berliner wirklich herauszufordern. Sie haben es auf verschienen Wegen versucht, wurden aber immer wieder von den Eisbären ausgebremst.

„Manchmal ist die Frage, ob man hart spielen soll oder schlau“, sagt Jackson. Die richtige Antwort darauf haben die Haie seiner Ansicht nach nie gefunden. Was durchaus dazu verleitet, den Gegner irgendwann nicht mehr ganz so ernst zu nehmen wie noch zum Beginn der Serie.

Eine solche Einstellung endete schon öfter mit einer Niederlage des Favoriten, weil der nicht mehr mit letzter Konsequenz arbeitete. Zwar sagt Busch, dass die Kölner nun wohl noch besser sein müssten, weil sie sich in jedem Spiel gesteigert hätten. Doch er bleibt im Konjunktiv, was darauf schließen lässt, dass er von dieser These nicht restlos überzeugt ist.

Das Spiel gegen die Haie ist vor allem ein Kampf, den die Berliner in ihren eigenen Köpfen austragen. Mit der gleichen Routine wie sonst auch soll gegen die Tendenzen, den Gegner zu unterschätzen, vorgegangen werden.

"Krupp holt viel aus der Mannschaft heraus"

„Wir versuchen, alles so zu machen wie immer und auch das Spiel genauso anzugehen“, sagt Stürmer Julian Talbot. Sie blödeln jetzt nicht herum im Training, beschäftigen sich stattdessen mit den Defiziten, die der Trainer erkannt hat.

Wie dem Bullyspiel etwa. Allerdings schon im Hinblick darauf, dass diese Maßnahmen vor allem gegen den Halbfinalgegner greifen, der den Eisbären mehr abverlangen wird, als es bislang die Haie taten.

Köln wird trotzdem alles probieren, die Saison nicht mit einer Niederlage vor eigenem Publikum zu beenden. Und Trainer Uwe Krupp hat schon einiges geschafft, was vorher unmöglich schien.

„Krupp holt viel aus der Mannschaft heraus. Ich habe auch viel Respekt davor, was er mit der Nationalmannschaft gemacht hat, er hat sie nach oben geführt“, sagt Don Jackson. Das will Krupp auch mit den Haien tun, doch die Zeit, die er dafür braucht, wollen die Eisbären ihm in diesem Viertelfinale nicht mehr geben.