Eishockey

Verteidiger Angell twittert für die Eisbären-Fans

Nick Angell lässt via Twitter die Berliner Eisbären-Fans an seinem Sportlerleben teilhaben. Den Verein freut das.

Der Kölner wollte das sogar noch boxtechnisch auskämpfen, doch er hatte dabei keine Chance gegen Angell, so wie die Haie bisher in der Viertelfinalserie auch nicht gegen den Titelverteidiger der Deutschen Eishockey-Liga (DEL).

Was Angell in dieser Situation am Sonntag beim 3:1, dem dritten Erfolg in der "Best of seven"-Serie, durch den Kopf ging, würde viele Fans der Berliner sicher interessieren. Eigentlich verfügt er auch über das richtige Medium, um darüber zu berichten. Er twittert recht gern. (@Nicholas_Angell)"Aber Eishockey stelle ich da nicht unbedingt in den Vordergrund", sagt Nick Angell. Er erzählt dort lieber aus dem Alltag, teilt mit, was ihm so passiert.

Sportklubs haben oft ihre Schwierigkeiten damit, wenn Spieler sehr mitteilsam sind und ihre Gedanken über Twitter in die Welt hinaus zwitschern. Im Eifer der Emotionen fallen da schnell Worte, die später Erklärungen oder Entschuldigungen erforderlich machen. Zuletzt beklagte sich etwa Fußballprofi Breno über seinen Klub, den FC Bayern. Auch in der nordamerikanischen Eishockeyliga NHL gab es schon einige Probleme, weshalb ein paar Regeln erlassen worden sind. Zwei Stunden vor und nach einem Spiel darf kein Profi twittern.

Bei den Eisbären existieren keine Vorgaben, die Berliner begrüßen dieses Mitteilungsbedürfnis sogar. Weil es die Fans näher an die Spieler bringt, als Privatpersonen. "Die Fans leben und atmen Eisbären. Aber zwischen den Spielen liegen oft viele Tage, da interessiert es sie auch, was die Jungs machen", sagt Angell. Wie verbringen Profis ihre Zeit? Welche Filme sehen sie? Wo gehen sie in Cafés? Über solche Dinge berichtet der 32-Jährige bei Twitter. "Ich will aus dem normalen Leben erzählen. Die Fans mögen es zu sehen, dass wir nicht anders sind, dass wir dieselben Probleme haben wie sie", sagt Nick Angell.

Angefangen damit hat er vor ein paar Monaten. Ein Kumpel, Jeff Ulmer von den DEG Metro Stars, war der Auslöser. Da Angell ein offener Mensch ist, machte er mit, gut 400 Leute folgen ihm jetzt. Sie bekommen dann mit, wenn ein Fahrradfahrer den kräftigen Abwehrspieler in den Wahnsinn treibt. "Fahrradfahrer are killing me", twitterte er mal. "Die sind so verrückt hier, als gelten keine Regeln für sie." Letztens schnauzte ihn ein Radfahrer minutenlang an, obwohl er sich höflich entschuldigt hat, als er ganz langsam aus einer Parklücke fuhr und das Fahrrad nicht bemerkte. Er kommentiert Modesünden über Twitter, tadelt Drängler am Bankautomaten oder stellt am Beispiel der verstorbenen Whitney Houston fest, dass bei Kokainmissbrauch auch in der Badewanne Rettungswesten hilfreich sein können. Er denkt nicht groß darüber nach, was er von sich gibt. Doch ihm ist klar: "Du musst aufpassen, dass du keine Leute angreifst oder ärgerst, als Spieler hast du auch eine Verantwortung."

Er kommt seiner als Profi gern nach, will ein Typ zum Anfassen sein. Andere Kollegen ziehen sich gern in die Familie zurück, er sucht den Kontakt zu den Fans. "Die sind in Deutschland ja auch besonders. In Schweden spielst du vor 10.000 Trainern, die sind nicht entspannt. Hier sind alle nur verrückt nach dem Sport", sagt der Amerikaner, der schon in Schweden, Finnland und Russland spielte.

Manche seiner Tweets sind auf Deutsch. Er kann das ganz gut, seine Freundin, die er am College in Minnesota kennenlernte, kommt zufällig aus Hohenschönhausen. Das war natürlich ein Grund, vergangenen Sommer in Berlin zu unterschreiben. Dafür gibt es jetzt öfter Familientreffen bei ihren Eltern, dort wird nur deutsch gesprochen. "Manchmal brauche ich dann nach ein paar Stunden ein Bier, weil mir der Kopf raucht", sagt Angell. Er muss sich sehr konzentrieren dabei, das ist fast anstrengender als ein Spiel. Aber so lernt er viele Sprichwörter. Die bereiten ihm viel Spaß, vor allem, wenn sie im Wortlaut ins Englische übersetzt werden und absoluten Unsinn ergeben. "Ich glaub, ich spinne", gefällt ihm mit am besten. "Die Leute schätzen das, wenn du so etwas lernst, glaube ich", sagt Nick Angell. Was er twittert, wenn die Eisbären Deutscher Meister werden, darüber hat er noch nicht nachgedacht. Es wäre der erste Titel als Profi für ihn, in Schweden stand er einmal im Finale. Bislang sind die Berliner noch im Viertelfinale, am Mittwoch in Köln kann immerhin schon der Einzug in die Vorschlussrunde erreicht werden.