Eishockey-Playoff

Eisbären verteilen Führungslast auf viele Schultern

Mit Ustorf und Pederson müssen die Eisbären Berlin wohl bis Saisonende auf zwei Führungsspieler verzichten. Beim 5:1-Playoff-Auftakt gegen Köln konnten die Berliner das kompensieren – indem sie die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilten.

Foto: Bongarts/Getty Images / Bongarts/Getty Images/Getty

Die Aufgabe danach war mindestens genauso intensiv wie die Arbeit davor. Ein Mitarbeiter des EHC Eisbären stupste André Rankel von einem Mirkofon zum nächsten. Ohne Pause musste der Stürmer erzählen, was am Ende so lange dauerte wie fünf Wechsel auf dem Eis. Genießen konnte er den Sieg der Berliner im ersten Viertelfinalspiel der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) gegen die Kölner Haie dabei genauso wenig wie seine beiden Tore. Er nahm das nicht schwer, sich an dem 5:1 ergötzen wollte er ohnehin nur ganz kurz. „Im Kopf ist man schon wieder weiter“, sagte Rankel. Beim nächsten Spiel am Donnerstag in Köln.

Es passt wirklich gut, dieses Bild. Rankel, der junge Mann, 26 Jahre alt, groß geworden im eigenen Hause, ging voran. Auf dem Eis, daneben auch. So hatten sie es sich immer vorstellt bei den Eisbären – und so ist es gekommen. Was nicht unbedingt überrascht, schließlich war der Angreifer schon im Vorjahr bester Scorer des Play-off in der DEL.

Ustorf und Pederson verletzt, Walker im Ruhestand

Seitdem aber liegen die Dinge etwas anders bei den Berlinern. In numerischen Dimensionen tat sich da zwar nicht mehr als sonst auch, also wenig. Nur sind es einst sehr entscheidende Personen gewesen, die nun nicht mehr auf dem Spielbericht zu finden sind.

„Uns fehlt natürlich die Erfahrung, über die Steve Walker, Stefan Ustorf und Denis Pederson verfügten“, sagt Manager Peter John Lee. Ustorf (38) und Pederson (36) sind verletzt, Rückkehr sehr ungewiss . Walkers Karriere ist schon vorüber. Wie sich dieser Verlust auswirken würde, das war die große Frage, die vor diesem Play-off stand.

Prototypen von Führungsspielern, wie diese drei sie verkörperten, gibt es nicht mehr im Kader. Zwar zählen die Eisbären weiter viele Ausnahmeathleten, nur an die Ausstrahlung der alten Helden kommen sie nicht heran. Obwohl sich Rankel darum bemüht, auch verbal. „Wir sind wir“, sagte er in Anlehnung an den FC Bayern.

„Wenn wir unser Eishockey spielen, sind wir schwer zu schlagen.“ An Selbstbewusstsein mangelt es Rankel nicht, er zeigt das auch nach außen. In der Kabine ist er dennoch kein großer Redner, die meisten der Kollegen sind es auch nicht.

Aufgabenteilung als Erfolgsrezept

Trotzdem funktioniert es bei den Eisbären. Sie wurden Erster der Hauptrunde und lieferten nun gegen die Haie ihr bestes Saisonspiel ab. „Als Mannschaft“, wie Rankel betont. Jeder brachte sich ein – und tat damit, was Trainer Don Jackson ohnehin erwartet. „Jeder muss Führungsqualitäten zeigen“, sagt der US-Amerikaner. Er ist gar kein so großer Freund starrer Strukturen, die nun auch verschwunden sind – viele teilen sich jetzt die Aufgaben. Für Köln war das einfach zu viel, die Haie brachen darunter zusammen. „Wir haben viel gelernt heute“, resümierte Haie-Trainer Uwe Krupp.

Auf diesen Effekt setzt auch Manager Lee bei den Eisbären stetig. Er hält seine Mannschaft in großen Teilen lange zusammen, da können die Jüngeren gut verfolgen, wie sich die Älteren, die etwas zu sagen haben, verhalten. Dabei durchlebten sie in der Vergangenheit viele gute Tage, aber auch schlechte. „Sie haben ihre Erfahrungen gemacht“, sagt Lee.

Nun profitiert der Klub von seiner konstanten Arbeit. Tiefe Spuren hat der Umbruch nicht hinterlassen. Jeder führt ein bisschen, und alle zusammen erzielen die Wirkung wie früher die Ustorf und Co.

Das sagt zwar noch nicht, wo dieses Play-off die Eisbären hinführt. Für Uwe Krupp lagen dennoch nach den ersten 60 Minuten der Serie, die maximal über sieben Spiele geht, schon einige Schlussfolgerungen auf der Hand. „Unsere Lernkurve muss steil nach oben gehen, wenn wir mitspielen wollen“, sagte er. Ansonsten nämlich wird es ein kurzes Viertelfinale für die Haie, vorausgesetzt, die Berliner halten ihr Niveau. Nicht nachzulassen, für Antrieb zu sorgen, das gehört zu den Aufgaben der Führungsspieler. Im Prinzip haben die Berliner davon ja gerade so viel wie noch nie.