Eishockey

Berliner Eisbären legen los wie aufgedreht

Play-off-Start geglückt: Die Berliner Eisbären haben das erste Viertelfinalspiel gegen die Kölner Haie 5:1 gewonnen. Für das Halbfinale fehlen den Berlinern noch drei weitere Erfolge.

Foto: Eisbären

Wer so viel in so kurzer Zeit erreicht hat, der kann sich natürlich nicht um die Favoritenrolle drücken. Fünf Meisterschaften in den vergangenen sieben Spielzeiten der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) stehen da für den EHC Eisbären. Dagegen fällt die eine Finalteilnahme, die die Kölner Haie in dieser Zeit erreicht haben, doch eher mager aus. Unterschwellig war das auch bei Peter John Lee, dem Manager des EHC, herauszuhören, als er vor dem Start über die Viertelfinalserie beider Klubs sprach. Zwar respektiert er die jüngsten Leistungen der Haie, als „schwere Aufgabe“ bezeichnete er das Duell, „aber vielleicht ist auch gut, so zu starten“. Hört sich an, als würde Lee die Haie dann doch nicht als mehr als eine Durchgangsstation betrachten.

Gefangen in der eigenen Zone

Genau jenes Selbstbewusstsein trugen die Berliner am Dienstag auf das Eis. Ungestüm kamen sie nach einer Woche Pause aus der Kabine und gönnten den Gästen kaum Zeit zum Durchatmen. Das führte zu einem 5:1 (1:0, 2:1, 2:0) vor 13.900 Zuschauern in der O* World. In der „Best of seven“-Serie, die am Donnerstag in Köln fortgesetzt wird, ist der Titelverteidiger nun noch drei Siege vom Halbfinale entfernt. Die weiteren Serien zwischen Wolfsburg und Straubing, Mannheim und Hamburg sowie Ingolstadt und Düsseldorf starten an diesem Mittwoch.

Natürlich beinhaltete Lees Ansicht zum Gegner nicht nur die Bilanz der zurückliegenden Jahre, auch die Hauptrunde floss mit ein. Da belegten die Berliner den ersten Platz, Köln wurde Neunter. Dies zwang die Haie in das Pre-Play-off, wo sie Augsburg ausschalteten. Es wirkte jedoch, als hätte das die Rheinländer viel Energie gekostet. Im ersten Drittel gegen die Eisbären schafften sie es kaum aus der eigenen Zone heraus. Sie wurden überrannt.

Dermaßen einseitige Angelegenheiten gab es in dieser Saison selten zu sehen. Wie aufgedreht stürmten die Berliner hin und her, ließen die Scheibe laufen, schossen viel. Erst in der 19. Minute gaben die Haie ihren ersten Torschuss ab, während ihr Torhüter Danny aus den Birken Arbeit für ein ganzes Spiel verrichtete. Am Ende des ersten Abschnitts lautete die Bilanz 29:2 Schüsse für den EHC. „Wir waren druckvoll, aggressiv und hinten trotzdem kontrolliert. So wollten wir spielen“, sagte Stürmer André Rankel. Allerdings hätten sie gern auch mehr Tore geschossen, als das eine, das Barry Tallackson in Überzahl erzielte (17.). Es war überfällig.

Köln hatte mit dem Tempo der Eisbären große Probleme, was sich in Strafzeiten manifestierte. Auch ihr abwartendes System funktionierte schlecht, dazu machten die Eisbären im Aufbau kaum Fehler. Doch die unbefriedigende Ausbeute der Mannschaft von Trainer Don Jackson hielt den Gegner im Spiel. Unterschätzen durften die Eisbären die Haie also nicht. Zumal diese als bestes Team der vergangenen drei Wochen mit sieben Siegen aus acht Partien selbstbewusst sind. „Wir werden ein unangenehmes Team sein, das man erst einmal besiegen muss. Wir setzen uns neue Ziele“, sagte Trainer Uwe Krupp. Wie effektiv die auf Konter ausgelegte Spielweise der Haie sein kann, davor warnte Jackson seine Profis. „Wir dürfen nicht zu viel Risiko gehen, sondern müssen schlau spielen“, so der US-Amerikaner. Die Mannschaft beherzigte das.

Dabei half den Eisbären, dass sie bis auf die drei Langzeitverletzten Ustorf, Pederson und Bielke auf niemanden verzichten mussten, alle, deren Einsatz zuletzt noch fraglich war, kehrten zurück. Wobei besonders Nationalspieler Constantin Braun in der Abwehr für Erleichterung sorgte. Köln hingegen hatte gegen Augsburg Top-Verteidiger Mirko Lüdemann mit einem Muskelriss im Oberschenkel verloren. Seine ordnende Hand fehlte den Haien sichtlich in der Defensive.

Weiß vergibt einen Penalty

Sie versuchten es dafür mit Härte, im Play-off der Deutschen Eishockey-Liga geht es ja nun mal rau zu. Aber anders als oft in der Hauptrunde ließen sich die Berliner davon nicht aus dem Konzept bringen. Sie spielten unbeirrt ihr Spiel, liefen und liefen, orientierten sich zum Tor. Rankel erzielte dann das 2:0 (32.). Zwar konnte Alexander Weiß, der zu dieser Saison von den Eisbären nach Köln gewechselt war, noch einmal etwas Spannung in die Partie bringen (33.). Erhalten blieb sie jedoch nicht lange, da Jim Sharrow (39.), Richie Regehr (48.) und Rankel (50.) das Resultat sehr klar gestalteten. Daran konnte auch Weiß nichts mehr ändern, der noch einen Penalty schießen durfte, aber an Rob Zepp scheiterte (51.).

Sich zu sehr an dem Ergebnis zu berauschen, ist den Berlinern dennoch nicht zu empfehlen. Schließlich geht es im Play-off nicht um die Höhe der Siege.