Eisbären Berlin

Selbstzweifel sind bei EHC-Goalie Zepp verboten

Endlich ist Play-off-Zeit: Am Dienstag treffen die Berliner Eisbären im ersten Viertelfinalspiel auf die Kölner Haie. Torwart Rob Zepp wird dabei besonders im Fokus stehen. Beeinflussen lässt er sich davon wenig.

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Jetzt beginnt sie wieder, die Zeit, die all jenen glänzende Augen macht, die davon erzählen. Weil es einfach nur der größte Spaß ist, im Play-off der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) dabei zu sein. Weil alle nur darauf hingearbeitet haben. Weil der Titel jetzt nicht mehr weit entfernt ist.

Damit beginnt genauso die Zeit, in der viel auf die Torhüter reduziert wird. „Die Leute sehen das oft so, dass du nur wegen eines Torhüters gewinnst, der viel hält oder nur deshalb verlierst, weil der Torhüter weniger hält“, sagt Rob Zepp. Diese Klischees begleiten ihn schon lange, er steht ja selbst zwischen den Pfosten. Auch am Dienstag wieder, wenn der EHC Eisbären in die entscheidende Phase seiner Titelverteidigungsmission geht und im ersten von maximal sieben Viertelfinalspielen auf die Kölner Haie trifft (19.30 Uhr, O2 World).

Zepp sieht sich nicht im Mittelpunkt

Gedankenspiele dieser Art führen Zepp zu weit. Klar, Torhüter genießen eine exponierte Rolle. „Aber auch im Play-off wird Eishockey noch von einer Mannschaft gespielt“, sagt der 30-jährige Deutsch-Kanadier. Er hält einfach nichts davon, den Goalie in den Mittelpunkt zu stellen. Ebenso wenig, wie er das Play-off zu sehr emporhebt. „Mein persönlicher Ansatz ist, das nicht zu sehr von der normalen Saison zu trennen“, erzählt er. Sehr nüchtern begegnet Zepp der jahreszeitbedingten Aufregung.

Es ist diese Art, die ihn ausmacht, ihn und auch seinen Erfolg. Wie ein Schutzmechanismus wirkt seine Unterkühltheit, die fast in Teilnahmslosigkeit übergehende Ruhe. Er lässt sich nicht darauf ein, der entscheidende Faktor zu sein, sondern sieht sich lediglich als Teil des Ganzen.

Kein Torwart hat mehr Meistertitel

Zepp negiert das traditionelle Denken ein wenig. Mit den Jahren hat ihn das zu einem der am üppigsten dekorierten Vertreter seiner Art gemacht, kein anderer Torwart sammelte mehr Meistertitel in der DEL als Zepp, der in nur vier Jahren drei Trophäen gewann.

Nun könnte also Nummer vier hinzukommen, es wäre die sechste Meisterschaft für den Klub, Rekord in der DEL. Dass ausgerechnet jetzt sein zweites Kind, eine Tochter, geboren wurde, mutet wie eine Ablenkung von den Plänen an. Bei den meisten wäre es wohl auch so, Schlaf gibt es ja nicht viel, und die Gedanken sind automatisch oft beim Kind. „Für mich ist es perfekt“, sagt Zepp. Ein neuer Reiz, etwas, das ihn aufleben und außerhalb der Halle nicht an den Sport denken lässt. Das gibt ihm den Abstand, den er braucht. An Spieltagen benötigt er besonders viel davon. Wegen der Konzentration. „Wenn ich den ganzen Tag an ein Spiel denken würde, fehlt mir im Spiel die Energie, dann werde ich leichter müde“, sagt Zepp. Das darf nicht passieren, denn Energie bedeutet Konzentration, und die ist das höchste Gut eines Torhüters. Alle anderen Fähigkeiten, die schnelle Fanghand, die flinken Beine, verlieren an Bedeutung, wenn der Kopf nicht mitmacht.

Viel Training für den klaren Kopf

Darum bemüht sich Zepp penibel um einen guten Geisteszustand. „Der Kopf ist letztlich genau wie der Körper, du musst ihn trainieren“, erzählt der Goalie. Viel mehr, als es bei Feldspielern nötig ist. Die haben nach kurzen Einsätzen immer ihre Pausen, sind normalerweise weniger als die Hälfte der Spielzeit auf dem Eis. Vom Torhüter wird über 60 Minuten oder mehr permanente Aufmerksamkeit verlangt, er muss dem Puck mit seinen Augen immer folgen. Sonst kann es dumm enden, wenn jemand etwa von der anderen Seite des Eises unvermittelt abzieht. „Das ist eine große Herausforderung“, sagt Zepp. Meist geht er gestresster vom Eis als die Kollegen, aber Zepp hat das alles im Griff.

Dabei hilft ihm Markus Flemming, der Sportpsychologe arbeitet schon lange für die Eisbären. Mit den jungen Spielern hat er viel zu tun, aber eben auch mit den Torhütern. „Wir machen viel Mentaltraining und Konzentrationsübungen“, erzählt Zepp. Dabei lernt er, sich nicht von negativen Gedanken beeinflussen zu lassen während eines Spiels, wie er sich positive Bilder ins Gedächtnis ruft. Oder wie er völlig abschaltet.

Bei Alleingängen etwa, die wegen der offensiven Spielweise der Eisbären weiß Gott nicht selten sind, braucht er das. „Würde ich daran denken, wohin der Spieler schießt, würde der Körper unbewusst reagieren“, sagt Zepp. Er würde dann eine Lücke anbieten. Aber nur wenige Alleingänge enden mit einem Tor gegen Zepp, er denkt an nichts und wartet einfach.

Keine Kollegenschelte bei schlechter Defensivarbeit

Seinen Kollegen nimmt er es nicht übel, dass er den Stürmern häufig allein gegenübersteht. „Ich bin ja darauf eingestellt“, erzählt Zepp und lächelt. Er beneidet seine Mitspieler auch nicht darum, dass sie mal Fehler machen dürfen, ohne gleich bestraft zu werden. Missgriffe, die bei ihm leicht mit einem Gegentor enden können, hebt Zepp nicht auf eine persönliche Ebene, er hält sich nicht lange damit auf. „Sonst wirst du verrückt“, sagt er. Viel dreht sich für ihn bei Torhütern um Vergessen und Verdrängen, denn ein Goalie muss sich gut fühlen.

„Was vor allem dann schwer ist, wenn Gegentreffer in kurzer Folge fallen.“ Aber dafür hat er Flemming, der selbst mal Torhüter war und weiß, was einem durch den Kopf geht in solchen Situationen. Manchmal helfe es, sich einfach ein Stoppschild vorzustellen, um die schlechten Gedanken zu vertreiben.

Wie viel Zeit beide miteinander verbringen, kann Zepp nicht beziffern: „Er ist ein Freund geworden.“ Sie reden schon lange nicht mehr nur über Eishockey.

Die Konzentration steht ium Spiel über Allem

An diesem Sport gibt es so gut wie nichts, dass Zepp nicht mag. Außer den Spielern, die mit Vorliebe Torhüter attackieren. „Dafür habe ich nichts übrig, wenn sie mit dem Stock schlagen und stechen“, sagt er. Es provoziert ihn aber auch nicht, Zepp gehört nicht zu den Torhütern, die irgendwann darauf reagieren und auch mal dazwischenhauen. Es würde ihn in seiner Konzentration stören. Das lässt er nicht zu, das lässt sein Ehrgeiz nicht zu. Denn Zepp lebt seine Maxime, sich immer verbessern zu wollen, sehr stark aus. Nur wenige sind so besessen von der Trainingsarbeit wie der Berliner, viele, die talentierter waren als er, hat er so überholt in seiner Karriere.

Als ein Mann mit einem solchen Charakter kennt Zepp natürlich auch keine Titelmüdigkeit. Bei ihm schlägt es genau ins Gegenteil um, er ist ein Titeljunkie. „Schon beim ersten Mal bin ich einen Tag später aufgewacht und wollte mehr davon. Das macht süchtig“, sagt Zepp. Favorit sind für ihn die Eisbären, wer sonst. Weil es die Mannschaft trotz vieler Probleme mit immer neuen Verletzten geschafft hat, sich in der Hauptrunde durchzusetzen. Ein Grund dafür war Rob Zepp, der oft stark hielt.

Wahrgenommen wird es nur selten so, weil er wenig spektakulär spielt. In Zeiten, in denen viel auf die Torhüter reduziert wird, führt das leicht zu einer negativen Bewertung. Aber darauf gibt Zepp ja nichts: „Ich gehe nicht raus und denke daran, unglaubliche Saves zu machen. Ich will nur den Puck stoppen.“