Eishockey

Kölner Hai feiert auf Berliner Eis sein Jubiläum

Mirko Lüdemann bestreitet sein 1000. Erstligaspiel für Köln gegen die Eisbären. Die Titelverteidiger werden dem Hai jedoch nichts schenken, denn sie kämpfen um Platz eins.

Foto: picture-alliance / Gladys Chai v / picture-alliance / Gladys Chai v/Gladys Chai von der Laage

Wenn einer viel erlebt hat im Eishockey, dann Mirko Lüdemann. Deshalb ist das, was gerade mit den Kölner Haien passiert, nichts Neues für ihn. Es sah schon sehr schlecht für den achtfachen Meister aus, das Play-off war fast abgehakt. Dann begann eine Siegesserie, zufällig gegen den EHC Eisbären, bei dem die Haie auch an diesem Sonntag am letzten Spieltag der Hauptrunde der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) antreten (14.30 Uhr), und völlig überraschend können die Haie sich sogar noch als Sechster direkt für das Viertelfinale qualifizieren. „2002 hatten wir einen ähnlichen Endspurt. Damals wurden wir am Ende Meister“, sagt Lüdemann.

Blumen von Sven Felski

Weil er so viel erlebt hat, wird der Verteidiger am Sonntag in Berlin im Mittelpunkt stehen, zumindest vor der Partie. Es wird seine 1000. in der Ersten Liga für die Kölner Haie, bei denen er seine gesamte Profikarriere bestritt. Teil der Ehrung dieser grandiosen Leistung wird die Übergabe eines Trikots sein. Auch Blumen gibt es, überreicht von Sven Felski. Lüdemann lacht, als er das hört. Die beiden kennen sich gut, schon in Jugendtagen kreuzten sich die Wege des 37 Jahre alten Berliner Stürmers und des gebürtigen Weißwasseraners. „Das passt. Es gibt nicht viele, gegen die ich so oft gespielt habe“, sagt der 38-Jährige. Es passt aber auch deshalb, weil Sven Felski ja seinerseits seine gesamte Profikarriere bei den Eisbären verbracht hat und damit ebenfalls eine echte Rarität abgibt. Er ist gegen die Haie zum 979. Mal in einem Ligaspiel im Trikot des EHC unterwegs.

In der Anzahl der Spiele wird der Berliner den Kölner wohl nicht mehr einholen, da Lüdemann auch nächste Saison noch spielt. Neben den Titeln, Felski kommt auf fünf und damit auf drei mehr, hat der Angreifer dem Abwehrspieler aber noch etwas voraus. Er hat ein Buch geschrieben. Lüdemann trägt sich nicht mit solchen Gedanken. „Ich weiß gar nicht, was bei ihm drinsteht. Ich weiß auch nicht, ob ich mit 38 schon eine Biografie schreiben soll“, erzählt er. Obwohl, wie es sich für einen wie ihn angefühlt hat, der so viele gute Jahre in diesem erfolgreichen Traditionsverein mitmachen konnte, als es plötzlich bergab ging vor drei Jahren, das würden die Fans sicher gern einmal ausführlich lesen. „Es war bitter, als wir das Play-off verpassten“, sagt Lüdemann. Die damit einhergehenden finanziellen Schwierigkeiten, die die Haie fast kollabieren ließen, versuchte der frühere Nationalspieler immer auszublenden.

An einen Wechsel des Vereins dachte er da schon längst nicht mehr. Früher wollten ihn mal andere Klubs verpflichten, der rheinische Rivale aus Düsseldorf etwa, bei dem die Haie am Freitag 3:0 gewannen. „Aber es gab nie einen Grund zu wechseln. Wenn ich in einem guten Team bin, muss ich nicht weg“, erzählt Lüdemann. Diese Einstellung machte ihn zum Symbol für Identifikation bei den Haien.

Zwei Legenden in einem Team

Große Persönlichkeiten gab es jedoch auch andere bei den Rheinländern. Aus dem Nationalteam war Lüdemann bereits zurückgetreten, als eine Kölner Legende dort das Zepter übernahm. Zwar wollte Uwe Krupp, Deutschlands erster Stanley-Cup-Sieger in der NHL, den Verteidiger zu einem Comeback überreden, aber Lüdemann sagte ab. Spät fanden sie doch noch zusammen, Krupp trainiert seit dieser Saison die Haie. „Er ist ein Trainer wie jeder andere auch“, findet der Profi, der in seiner Karriere immer mit seinem großen läuferischen Potenzial und seiner Fitness bestochen hat.

Mit dem Aufbäumen der Haie in der Endphase der Hauptrunde hatte Mirko Lüdemann ehrlicherweise nicht mehr wirklich gerechnet. „Das kam wie Phönix aus der Asche“, sagt er. Rechnen darf er auch nicht damit, dass die Berliner ihm am Sonntag zu seinem großartigen Rekord mehr als Blumen schenken. Für den Titelverteidiger geht es nämlich um Platz eins in diesem Spiel.