Eisbären Berlin

Hinweise auf Ustorfs Karriereende mehren sich

Eine umfangreiche Hirnuntersuchung im Unfallkrankenhaus Berlin soll klären, ob Eisbären-Kapitän Stefan Ustorf seine Eishockey-Karriere fortsetzen kann. Nach einem Kinn-Check ist der 38-Jährige seit drei Monaten außer Gefecht. Sein Neurologe ist skeptisch.

Foto: picture-alliance / City-Press Gm / picture-alliance / City-Press Gm/picture alliance

Dr. Ingo Schmehl hat nicht ständig mit Sportlern zu tun. Aber die, die zu ihm kommen, tun dies mit sehr ähnlichen Symptomen. Insofern sticht Stefan Ustorf nicht hervor, oder vielmehr das Ausmaß seines Schädel-Hirn-Traumas. Das Gute daran ist, dass die Sportler, die der Klinikdirektor der Neurologie am Unfallkrankenhaus Berlin behandelt, gute Heilungsaussichten haben. Der Kapitän des Eishockey-Meisters EHC Eisbären kann also hoffen, seine gesundheitlichen Probleme zu überwinden und wieder ein normales Leben zu führen.

In welchem zeitlichen Rahmen das ablaufen kann, „dass muss ich bei Herrn Ustorf offen lassen“, sagt Schmehl. Er kümmert sich um den Stürmer, dessen Gehirn vor drei Monaten durch einen Check stark erschüttert wurde. Eigentlich wäre jetzt die Zeit, dass die Symptome abklingen, zumindest bei einem leichten Trauma. Ustorfs Fortschritte sind allerdings nur gering. Wie genau sich seine Situation darstellt, wird Dr. Schmehl nächste Woche mit dem bei ihm entwickelten „Brain Check“ analysieren.

Gehrin wird kompeltt gescannt

Gut vier Stunden kann diese Testreihe dauern. „Wir scannen das Gehirn einmal komplett durch und beziehen dabei alle relevanten medizinischen Fachrichtungen mit ein“, erzählt Schmehl. Beim letzten Mal waren die Ergebnisse keine guten Nachrichten für Ustorf. Aufmerksamkeits- und Wortfindungsstörungen stellte der Arzt fest. „Die haben aber nichts mit dem aktuellen Trauma zu tun, die hatte er schon länger“, so Schmehl. Er entdeckte eine Narbe dort, wo sich das Sprachzentrum befindet. In normalen Gesprächen ließen sich die Probleme bei der Wortfindung allerdings kaum bemerken, da Worte auch leicht umschrieben werden können. Neben diesen älteren Verletzungen bestehe eine durch den Check akute Symptomatik mit verminderter Reaktionsschnelligkeit bedingt durch eine verlangsamte Aufmerksamkeit und einer gestörten Blickfixierung, die Schwindel und Übelkeit verursacht.

Gerade die vorhandenen Nachwirkungen älterer Verletzungen machen bei Ustorf genaue Vorhersagen schwierig. „Er hatte unterschiedlichste Verletzungen in seiner Karriere, Schädelprellungen, Schädel-Hirn-Trauma, mit und ohne Bewusstlosigkeit, aber er weiß nicht, wann was aufgetreten ist“, sagt Dr. Schmehl. Er geht von etwa 15 bis 20 Gehirnerschütterungen aus, viele davon weder erkannt noch auskuriert. Da bleibe ein Bereich des Ungewissen, vor allem hinsichtlich möglicher, noch gravierenderer Folgen bei erneuten Kopfverletzungen.

Auswertung dauert mindestens eine Woche

Mehr Aufschluss über den Zustand des 38-Jährigen soll die Testreihe in der nächsten Woche bringen. Mindestens eine Woche werden die Analysen der Ergebnisse dauern. „Wir machen eine Verlaufskontrolle und werden uns dann gemeinsam in einer größeren Runde hinsetzen und die medizinische Auswertung vornehmen“, sagt Dr. Schmehl. Auch Eisbären-Manager Peter John Lee soll dabei sein.

Vielleicht erfährt Ustorf dann auch schon, ob es mit seiner Karriere weitergeht. „Diese Entscheidung fällt letztlich der Sportler. Ich kann nur Argumente auf den Tisch legen und sagen, aus dem Grund würde ich oder ich würde nicht“, betont der Mediziner, der vor dem Test noch keine generellen Aussagen dazu treffen möchte. „Meine Meinung habe ich aber schon gefasst“, sagt er. Der Arzt verweist auf das Alter des Sportlers, das erhöhte Risiko aufgrund der Vorschädigungen. Was er Stefan Ustorf empfehlen wird, ist nicht schwer zu erraten.