Vor Play-off-Start

Berliner Eisbären suchen ein Alphatier

Wer kann die Berliner Eisbären aus ihrer schwierigen Lage führen? Denis Pederson und Stefan Ustorf sind verletzt, Darin Olver und Barry Tallackson keine echten Leader. Die Hoffnungen ruhen jetzt auf André Rankel.

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Wird er spielen, wird er draußen sitzen, wenn die Eisbären am Freitag in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) die DEG Metro Stars (19.30 Uhr, O2 World) empfangen? Don Jackson weiß noch nicht genau, was er mit Jonathan Sim macht. Als der Trainer ihn fragte, wie es ihm gehe, sagte der Stürmer, dass alles okay sei. „Aber in seinen Augen habe ich Fragen gesehen“, sagte Jackson. Und es wundert einen nicht mal, dass mit den Fragen liegt beim Tabellenführer ja gerade im Trend.

Es gibt wirklich einige, hier nur die wichtigsten: Ist die derzeit schwache Phase lediglich eine Momentaufnahme? Kostet sie den Titelverteidiger noch Platz eins? Was soll dann im Play-off kommen? Worin haben die Probleme ihren Ursprung? Welche Spieler können jetzt vorangehen und die Mannschaft antreiben?

Die, von denen das automatisch erwartet wird, werden es diesmal nicht sein. Denis Pederson und Stefan Ustorf sind verletzt. Darin Olver und Barry Tallackson schießen zwar kontinuierlich ihre Tore, aber sie kommen noch nicht als Spieler rüber, die ihre Kollegen wirklich mitreißen. André Rankel wäre einer, der das könnte. Noch allerdings ist er mehr damit beschäftigt, wieder den Anschluss herzustellen. Wegen einer Gehirnerschütterung hatte er zuletzt sechs Wochen der Saison verpasst, fünf davon überhaupt nicht trainiert. Die vergangenen beiden Partien, in denen er jeweils traf, deuteten jedoch an, dass es bei ihm vorwärts geht.

Trainer Jackson will Rankel nicht in diese Rolle drängen. „Wir brauchen die Führungsqualitäten von jedem im Team“, sagt er. Rankel aber paart Kampfgeist, Engagement und Torinstinkt in besonderer Weise. Im Play-off des Vorjahres wurde er zum punktbesten aller DEL-Spieler, als erst zweiter deutscher Profi in den vergangenen zehn Jahren. Noch aber fehlt dem 26-Jährigen einiges bis zu einer solchen Form, mit der er die Eisbären zum fünften Titel führte. „Ich bin noch nicht da, wo ich hin will. Ich möchte fitter werden nach der langen Pause. Aber es wird mit jedem Spiel besser“, sagt Rankel. Dass die Saison für ihn bislang nicht nach Plan verlief, muss nicht unbedingt ein schlechtes Zeichen sein. Seine Statistiken in der vergangenen Hauptrunde waren sehr ähnlich den jetzigen.

Neben Rankel könnte noch ein anderer Spieler zu einem wichtigen Faktor werden. Sven Felski ist mit 37 Jahren der erfahrenste in der Mannschaft und befindet sich in einer Form wie lange nicht. Die Aussicht auf eine Vertragsverlängerung um ein weiteres Jahr bei einer guten Darbietung im Play-off dürfte ihn reizen. Auch wenn Jackson kein großer Fan des Angreifers ist, er kann derzeit jeden sehr gut gebrauchen, der die Mannschaft zusammenbringt, ihr hilft, zu einer Einheit zu werden und gemeinsam daran zu arbeiten, die Defizite zu überwinden.