Eishockey

Eisbären gegen Adler - Duell erfolgloser Favoriten

Taumeln an der Spitze der Liga: Die Berliner Eishockey-Spieler ringen vor dem Spiel der Rekordmeister beharrlich um ihre Form - die Adler aus Mannheim aber auch.

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Zuerst die gute Nachricht: Der EHC Eisbären steht in jedem Fall im Play-off der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), dafür haben sich die Berliner gemeinsam mit dem ERC Ingolstadt als erste Mannschaften schon qualifiziert. Nur für den Fall, dass jemand darüber nachgedacht haben sollte. Die aktuelle Serie von acht Niederlagen aus zwölf Spielen böte dazu ja durchaus einen Anlass.

Erstaunlich ist, dass die Berliner trotz dieser unerquicklichen Bilanz die DEL noch immer anführen. „Wir sind momentan keine gute Mannschaft. Wir probieren zu viel, machen zu viele Fehler“, sagt Trainer Don Jackson. Doch die direkte Konkurrenz an der Spitze stellt sich selbst nicht viel besser an. Während die Eisbären am Freitag in Augsburg 1:5 verloren, unterlagen auch Ingolstadt, Wolfsburg und Mannheim. Aber immerhin einer aus dem Quartett wird am Sonntag wieder ein Sieger sein, denn der EHC empfängt die Adler (19.05 Uhr, Sky live). Es ist das Spiel Eins gegen Drei, das Duell der DEL-Rekordmeister mit jeweils fünf Titeln, das Match der Meisterfavoriten – und doch ist es auch eine Partie zweier Teams mit einer Menge von Problemen. Denn die Adler verzeichneten ihrerseits in den vergangenen zwölf Spielen sieben Niederlagen.

Hinter dem Schwächeln der Großen steckt etwas mehr als nur Pech oder Unvermögen. Zwar hört es sich nach einer altbekannten Floskel an, wenn EHC-Manager Peter John Lee sagt: „In der Liga ist es sehr eng geworden.“ Doch eine Tendenz in diese Richtung ist seit längerer Zeit belegbar. Bis 2010 etwa lag die Ligaspitze am Ende der Hauptrunde bei rund 70 Prozent gewonnener Spiele. Schon in der vergangenen Saison allerdings sank der Wert erheblich. So wie auch jetzt lag er nur bei rund 60 Prozent, der gestiegene Wettbewerb in der DEL ist also mehr als nur branchenübliches Gerede.

Kampf schon vor dem Play-off

Für die Liga ist das gut, es erhöht die Spannung. Den Spitzeklubs bietet es darüber hinaus auch die Gelegenheit, von den eigenen Versäumnissen ein wenig abzulenken. „Ich finde es gut, dass wir es nicht einfach haben“, sagt etwa Peter John Lee. Er begründet das damit, dass die Spieler schon vor dem Play-off, das in knapp drei Wochen mit der Qualifikation für das Viertelfinale beginnt, kämpfen müssen und später nichts auf die leichte Schulter nehmen. Die Wirksamkeit dieses Effekts ist allerdings kaum messbar.

Eigentlich, so predigt es Don Jackson immer, befinden sich die Berliner gerade in einer wichtigen Phase. Die Mannschaft soll sich einrollen für das Play-off, Schwung holen, um dann durchzustarten. „Wir müssen auf die richtige Bahn kommen und unsere guten Angewohnheiten hervorbringen“, sagt der Trainer. Welche das sein sollen, erschließt sich gerade allerdings nur sehr schwer. Denn es sind die schlechten Angewohnheiten, die zu oft durchkommen. Wie die mangelnde Zweikampfhärte, die fehlende Gradlinigkeit im Spiel nach vorn, die Anfälligkeiten in der Abwehr. Da hilft es dann auch nicht, wenn das Schussverhältnis wie in Augsburg mit 50:28 für die Eisbären ausfällt.

Was dem Titelverteidiger auch zu schaffen macht, ist ein Problem, das als solches zunächst gar nicht auffällt. Nach riesigen Verletzungssorgen über die gesamte Saison ist der Kader nun wieder halbwegs komplett. Darüber sind die Eisbären natürlich froh, nur hat die Rückkehr mehrerer Spieler auch Folgeerscheinungen. „Sie müssen erst wieder ins Spiel hineinfinden“, sagt Lee. Doch die Reintegration in den Spielfluss und das Erreichen der Bestform ist nur das eine. Auf der anderen Seite hat der Trainer nun wieder mehr Spieler als Plätze, für einige wird die Eiszeit wieder geringer. „Es ist einfacher für mich, wenn ein Spieler sich auf den nächsten Wechsel freut, als wenn er überlegt, wann er das nächste Mal zum Einsatz kommt“, sagt Jackson. Er müsse nun vermehrt Entscheidungen treffen, darüber, wen er wo einsetzt.

Das alles gibt den letzten Spielen bis zum Ende der Hauptrunde einen sehr ausgeprägten Testcharakter. Gegen Mannschaften, die schon voll im Play-off-Modus sind, weil sie verzweifelt darum kämpfen, überhaupt dabei sein zu können, wird es so natürlich schwer. Da die Berliner fast nur noch auf solche Teams treffen, ist Platz eins in großer Gefahr. Aber damit nimmt es der Trainer ohnehin nicht all zu eng. „Die Tabelle“, sagt Don Jackson, „ist doch immer nur eine Abbildung der Vergangenheit. Positive Menschen schauen nach vorn.“ Und da sieht er die Chance, mal wieder Meister zu werden. „Das ist doch das Aufregende“, findet Jackson. Das bleibt es allerdings nur so lange, wie die Berliner die richtigen Schlüsse ziehen aus dem, was nach den ausgeprägten Tests hinter ihnen liegt.