Eishockey

Eisbären verlieren Eis-Schach gegen Ingolstadt

Die Eisbären Berlin haben das Spitzenspiel gegen den direkten Verfolger Ingolstadt mit 1:2 verloren. Beide Teams gaben sich kaum Blößen - die Verlängerung musste entscheiden. Die Berliner bleiben dennoch auf dem ersten Tabellenplatz.

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Don Jackson war kaum wiederzuerkennen. Zuletzt reagierte der Trainer des EHC Eisbären oft angefressen, wenn ihm etwas nicht passte. Vor ein paar Tagen schnappte er sich nach einem Spiel sogar die Schiedsrichter und erzählte ihnen, was er von ihren Entscheidungen hielt. Am Sonntag aber plauschte er gelassen mit Kollege Rich Chernomaz. Dabei hatte Jackson gerade gegen Chernomaz und den ERC Ingolstadt 1:2 (0:0, 1:1, 0:0, 0:1) nach Verlängerung im Spitzenspiel der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) verloren. Dem entscheidenden Treffer ging ein Foul voraus. Der Berliner ließ sich nicht aus der Ruhe bringen: „Ich war ein bisschen sauer am Ende, aber so ist das Leben.“

Was genau ihn so sanftmütig werden ließ, blieb unbekannt. Vielleicht war es der Fakt, dass die Berliner trotz der Niederlage ihren ersten Platz in der Tabelle behaupteten. Sie sind nun punktgleich mit den Ingolstädtern. Andererseits war seine Mannschaft in der Defensive ordentlich aufgestellt gegen diesen starken Gegner. Zuletzt hatte das eher selten funktioniert, und es musste kein Großer kommen, um das zu zeigen. Es gab also durchaus einige Punkte, die einen nicht unzufrieden aus dem Spiel gehen lassen mussten.

Dennoch blieb es eine Niederlage. Damt gingen die Berliner auch kritisch um. Umkämpft war das Spiel und wurde durch etwas Glück entschieden. Als mildernder Umstand galt das nicht für André Rankel. „Wir wissen, dass wir es besser können“, sagte er. Bezüglich der Offensivleistung traf das zu. Dass sich die Berliner dort nicht richtig in Szene setzen konnten, lag an mehreren Faktoren.

Zum einen fehlte es an Durchsetzungsvermögen. „Wir müssen härter spielen“, sagte Jackson und sinnierte darüber, ob die zahlreichen Verletzungen bei den Eisbären dazu geführt haben könnten, dass die Spieler nun etwas zu vorsichtig agieren. Gefallen hatte ihm auch das Passspiel nicht, es dauerte ihm alles zu lange.

Andererseits boten die Ingolstädter den Eisbären wenig Raum. Sie setzten den puckführenden Spieler der Berliner schon in der Mittelzone unter Druck. Da sich aber die Eisbären auch nicht ungeschickt anstellten in der Abwehr, bekamen die Zuschauer ein sehr kontrolliert geführtes Spiel zu sehen, immer von dem Gedanken getragen, zuerst Gegentore zu vermeiden. Ganz anders also als beim Heimspiel zwei Tage zuvor gegen Krefeld (7:4), wo es viele Freiheiten gab, viel Tempo und sehr viele Torszenen. Am Sonntag hielten beide Mannschaften das Risiko gering. Sie neutralisierten sich so sehr, dass lange kaum nennenswerte Toraktionen herauskamen.

Irgendwann brach Tyson Mulock aus dem Schema der kontrollierten Offensive aus und spielte einen frechen Pass in die Tiefe, den Julian Talbot zum 1:0 für den EHC veredelte – wenn auch erst im dritten Nachstochern (31.). Dass diese Führung nur kurz hielt, lag daran, dass sich Laurin Braun zu einem schwachen Moment hinreißen ließ und im eigenen Drittel einen Zweikampf an der Bande verlor. So kam der Puck zu Jared Ross, der den Ausgleich erzielte (33.).

Zwar stellten die Berliner ihr Auftreten zum Ende hin um und entwickelten mehr Zug zum Tor. Das machte die Partie offener, schneller, aufregender und auch hübscher anzuschauen. Aber es machte die Berliner nicht zu Siegern, da Derek Hahn in der Verlängerung nach einem ungeahndeten Foul den Zusatzpunkt für die Gäste sicherte (64.).

Richtig aufregen wollten sich die Eisbären nicht darüber. Sie schauten mehr auf sich. „Wir waren oft einen Schritt langsamer“, sagte Rankel. Chernomaz fand das auch. Vielleicht sagte er deshalb, dass er sich freuen würde, im Play-off wieder gegen die Eisbären zu spielen. Nach jetzigem Stand könnte das nur im Finale sein. Seinen Kuschelkurs wird Don Jackson dann sicher nicht mehr fahren.