EHC Eisbären

Für Stürmer Daniel Weiß ist Berlin das A und O

So oft wie in letzter Zeit wurde Eisbären-Stürmer Daniel Weiß selten eingesetzt. Der 21-Jährige ist gerade dabei, sich bei den Berlinern nach vorn zu spielen. NHL-Star Jonathan Sim durfte er sogar das Eisbären-System erklären.

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In den Ferien dürfen auch die Kinder mal mit zum Training. Nur Zuschauen wird allerdings schnell langweilig, wie Frank Hördler, Verteidiger des EHC Eisbären, nun weiß. Anfangs rief sein Sohn Eric nur ungeduldig: „Papa, Papa, wie lange noch?“, als die Spieler zu kleinen Trinkpausen an die Bank fuhren. Später verlieh er seinem Missfallen mit kräftigen Fußtritten gegen das Plexiglas etwas Nachdruck.

Mit solchen Problemen muss sich Daniel Weiß noch nicht herumschlagen, er ist erst 21 Jahre alt und ohne derartigen familiären Anhang. Verwandte hatte er allerdings schon sehr oft um sich beim Meister der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), ganz nah sogar, direkt auf dem Eis. Jahrelang spielte er mit Bruder Alexander gemeinsam beim EHC. Seit ein paar Monaten aber gehört nur noch er zum Aufgebot des Tabellenführers, der am Freitag zum Spitzenspiel gegen Wolfsburg antritt (19.05 Uhr, Sky live).

Weiß rückt auf

Inzwischen ist es nicht mehr ungewohnt, dem Bruder nicht mehr täglich über den Weg zu laufen. Überhaupt: „Verändert hat sich nicht viel“, sagt er. Das Umfeld ist gleich geblieben, die Bezugspersonen ebenso. Und Teil des täglichen Lebens ist Alex ja weiterhin. Per Telefon, „oder wir zocken Play Station online“. Wenn die Kraft noch reicht.

Gerade spielt der Stürmer nämlich so viel wie selten. Permanent fehlt den Eisbären mehr als ein halbes Dutzend Profis. „Das ist schon ein Unterschied, ich musste mich dran gewöhnen. Auch von der Kondition her“, sagt Weiß. Sonst kommt er eher in der vierten Reihe zum Einsatz, nun aber rückt er auf. Letztens durfte er sogar den neuen Angreifer, den die Berliner wegen der Verletztensituation geholt haben, auf das EHC-System einnorden. Und Jonathan Sim hat immerhin fast 500 Mal in der NHL gespielt. „Wir waren eben in einer Reihe, er brauchte Hilfe und hat mich gefragt“, erzählt Weiß.

Vergangene Woche entstand aus dieser Kooperation in Straubing (2:1) ein Tor, Weiß erzielte es, Sim war an der Vorbereitung beteiligt. Es sind wie die Berufung in den Kader der Perspektiv-Nationalmannschaft im Dezember wichtige Schritte für den jungen Profi, der bislang vor allem auf die Rolle des Unterzahlakteurs gebucht war. Dort beherrscht er seine Aufgabe schon ziemlich perfekt. Doch das genügt ihm nicht. „Jeder will nach vorn kommen, erste oder zweite Reihe spielen und Spiele entscheiden. Aber das liegt an mir selbst“, so Weiß. Er klagt nicht über fehlende Chancen, er ist ein Kämpfer und sieht sich in der Pflicht: „Ich muss beweisen, dass ich besser bin als andere.“

Das wäre anderswo etwas leichter, dort, wo die Talentdichte nicht so hoch ist wie in Berlin. Bruder Alex etwa zog es nach Köln. Der 25-Jährige war unzufrieden, konnte sich nicht durchsetzen beim EHC. „Er brauchte einen Tapetenwechsel“, erzählt Daniel. Ähnliche Gedanken weckte das nicht bei dem Stürmer. „Für mich ist Berlin das A und O, ich will es hier schaffen“, sagt er. Dort, wo man es leichter habe, fehle meist der Erfolg. Auf solche Teams verspürt Weiß keine Lust. Mit zehn Jahren kam er aus dem Schwarzwald nach Berlin, seitdem gehören die Eisbären zu seinem Leben. Das prägt eben.

Eine Weile wird er definitiv noch bleiben, sein Vertrag wurde um zwei Jahre bis 2014 verlängert. Eric Hördler wird derweil seinen Weg durch den Nachwuchs des EHC machen. Seinen Vater hält er schon ordentlich auf Trab, der musste nach dem Teamtraining noch eine lange Extraeinheit mit seinem Sohn schieben.