Gegen München

Verpatztes Sim-Debüt - Eisbären verlieren 1:2

Der neue Stürmer Jonathan Sim konnte den Eisbären noch keinen entscheidenden Impuls geben. Der EHC unterlag mit dem ehemaligen NHL-Profi daheim dem EHC München mit 1:2.

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Jakob Kölliker war schon fast ein bisschen spät dran. Schließlich plagen den EHC Eisbären bereits seit geraumer Zeit einige Probleme. Die arrivierten Spieler fallen dem Tabellenführer der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) nach und nach aus, deshalb kommt ein Talent ums andere zum Zug. Und genau Kölliker dürfte sich mit am meisten darüber freuen. Der ist nämlich der Bundestrainer, und er könnte, sofern er noch länger das Amt bekleidet, bald ordentlich davon profitieren. Ein Besuch in Berlin bot sich also mal an für den Schweizer. Am Freitag gegen den EHC München war er nun da und konnte nicht nur sehen, wie die Eisbären ihre Talente aufbauen, er konnte es sich auch erzählen lassen, denn er saß neben Manager Peter John Lee in der Vip-Loge der Berliner. Hoffentlich führte er sein Jugendgespräch während der Partie, denn nach Matchende dürfte Lee nicht mehr so viel Lust aufs Plaudern verspürt haben. Denn die Eisbären unterlagen den Münchnern 1:2 (0:0, 0:1, 1:1).

Sich allein darauf verlassen, dass die Jungen ihre Sache gut machen, was sie bisher ja meist taten, wollte Lee trotzdem nicht. Selbst wenn später irgendwann die Eisbären oder die Nationalmannschaft davon großen Nutzen haben können. Das Risiko wäre einfach zu groß, dass die Kräfte der Spieler zu sehr darunter leiden, die Lücken zu füllen. Daher entschloss sich der Manager, den Kader mit einem neuen Mann aufzufüllen. Er wählte den Kanadier Jonathan Sim aus, der in der Tschechischen Republik nicht glücklich geworden ist. Sim wiederum verfügt nicht nur über viel Erfahrung mit seinen 34 Jahren, sondern auch über eine Vita, die in der DEL nicht alltäglich ist.

Über zehn Jahre verbrachte der Flügelstürmer in der nordamerikanischen Profiliga NHL, er gewann den Stanley Cup, bestritt 484 Spiele dort und erzielte 76 Tore. Damit führt er nun die interne Meritenliste der Eisbären an. Vielleicht erweist sich seine Verpflichtung auch als Glück für die Berliner. In der jüngeren Vergangenheit des Klubs lag Manager Lee zumindest nie wirklich daneben, wenn er Profis mit einem ähnlichen Lebenslauf zu den Eisbären lotste.

Seit 2003 waren durchaus einige Spieler mit viel Erfahrung in der NHL in Berlin. Erinnert sei an Ricard Persson, der die Mannschaft als Kapitän zur ersten Meisterschaft führte. Unterstützt in der NHL-Lockout-Saison von Kollegen wie Torhüter Olaf Kölzig und Stürmer Erik Cole. Der blieb mit seinen unnachahmlichen Flügelläufen und harten Checks in besonderer Erinnerung. Kurz nach seinem Engagement in Berlin gewann Cole den Stanley Cup, die Meisterschaft in der NHL. Die Liste lässt sich noch fortsetzen.

Fehlende Bindung zum Team

Deron Quint gehört ebenfalls in diese Kategorie. Als einer der besten Verteidiger führte er die Berliner zu drei Titeln. Auch Jeff Friesen wurde mit dem EHC Meister, der Mann mit gut 1000 NHL-Spielen, Stanley-Cup-Ring und zwei WM-Titeln. Zwar hatte er nicht ganz den Einfluss, den mancher sich angesichts seines Lebenslaufes erhofft hatte, Punkte sammelte er dennoch reichlich. An den Status eines Denis Pederson, der gegen München erneut nicht mitwirken konnte aufgrund seiner Knieprobleme, kam allerdings niemand der Genannten heran.

Das wird auch Sim nicht gelingen, wertvoll kann er dennoch werden. Gegen die Bayern lief er in der dritten Reihe auf, und er führte sich gleich mit einem krachenden Check in Cole-Manier ein. Sim erhielt gleich viel Eiszeit, durfte sogar in Überzahl ran. Noch fehlte zwar etwas die Anbindung ans Spiel, die Umgebung ist ja auch noch sehr neu, gerade einmal trainierte er mit den Eisbären. Seine NHL-Schule war dennoch zu sehen, sobald sich eine Lücke bot, zog er unmittelbar ab.

Das gab den Eisbären jedoch keinen entscheidenden Impuls. Überhaupt wirkte die Mannschaft etwas ausgelaugt nach fünf Spielen in elf Tagen und all den Personalproblemen, noch immer fehlen acht Profis. So fanden die Berliner nur selten zu ihrem Spiel, ließen sich stattdessen oft ohne große Gegenwehr ins eigene Drittel drängen. Für die Gäste ergaben sich dadurch viele Chancen, und nur ein großartiger Rob Zepp war dafür verantwortlich, dass nach der Münchner Führung durch Martin Buchwieser (29.) nicht alles schnell vorbei war. Kurz durften die Eisbären sogar noch hoffen, als Richi Regehr in Überzahl ausglich (53.). Doch ein Missgeschick von Vincent Schlenker, der einen Schuss von Sören Sturm ins eigene Tor lenkte (54.) besiegelte die Niederlage. Für Schlenker, eines dieser Berliner Talente, war das sicherlich nicht die Aktion, die er sich vor den Augen des Bundestrainers gewünscht hatte.