EHC Eisbären

"Berlin ist eine große Chance für mich"

Die Zahlen des Neuen lesen sich gut. Jonathan Sim absolvierte in der nordamerikanischen Profiliga NHL 484 Spiele und damit mehr als jeder andere Profi des EHC Eisbären. Für acht verschiedene Klubs erzielte der 34-Jährige 76 Tore und bereitete 64 Treffer vor, 1999 gewann er mit den Dallas Stars den Stanley Cup.

Heute soll der Kanadier nach seinem kurzfristigen Wechsel aus Tschechien gegen München sein erstes Spiel in der DEL bestreiten (19.30 Uhr, O2 World). Morgenpost-Mitarbeiter Marcel Stein unterhielt sich mit dem Flügelstürmer.

Berliner Morgenpost: Sie mussten früh los aus Prag, um rechtzeitig zum Training in Berlin zu sein. Noch ein bisschen müde?

Jonathan Sim: Es war schon sehr früh, aber ich freue mich mehr, mit den neuen Kollegen auf dem Eis zu stehen. Fürs erste war es ganz gut. Ich muss mir jetzt zunächst einmal viele Gesichter, Nummern und Namen merken und mich an das Spiel gewöhnen. Aber das wird schon, hier herrscht eine gute Atmosphäre.

Berliner Morgenpost: Was hat Sie zu den Eisbären gebracht?

Jonathan Sim: Vor allem die vielen Verletzen hier. Als mein Agent mir am Montag oder Dienstag davon erzählte, dass es die Möglichkeit geben würde, war die Entscheidung schnell gefallen. Denn ein guter Freund von mir, Derrick Walser, hat mir viel von den Eisbären erzählt. Wir kommen aus demselben Ort und sind über viele Jahre zusammen aufgewachsen. Derrick hat dann ja lange hier gespielt und viel Spaß gehabt. Deshalb was es wirklich sehr leicht für mich, das Angebot anzunehmen.

Berliner Morgenpost: Kennen Sie auch jemanden aus dem aktuellen Team?

Jonathan Sim: Gegen Barry Tallackson habe ich in der NHL schon gespielt, ebenso gegen Denis Pederson. Im ersten Training wurde ich auch gut aufgenommen. Die Sprache wird definitiv kein Problem sein hier, es ist außerdem eine sehr optimistische, euphorische Gruppe, also genau das, was gut zu mir passt. Hier wird viel gelacht. Das macht mehr Spaß als das, was ich in den vergangenen fünf Monaten erlebt habe.

Berliner Morgenpost: Was ist Ihnen denn passiert in der Tschechischen Republik?

Jonathan Sim: Ich habe lange in der NHL gespielt und dachte, es wäre eine gute Erfahrung, nach Europa zu gehen. Ich wollte es einfach mal versuchen. Aber richtig funktioniert hat es nicht. Die vergangenen Monate waren für mich und meine Familie nicht leicht.

Berliner Morgenpost: Sie haben die Saison in Pardubice begonnen und wurden dann zu Slavia nach Prag ausgeliehen. Wo lagen die Probleme?

Jonathan Sim: Überall, angefangen bei meinen drei Kindern. Der Klub hat mir nicht bei der Suche nach einem Heim geholfen, mit dem Coaching funktionierte es auch nicht. Es gab Probleme mit der Sprache, weil viele nicht in der Lage sind, englisch zu sprechen. Ich musste dort mit einigem zurechtkommen.

Berliner Morgenpost: Welchen Einfluss hatte das auf Ihr Spiel?

Jonathan Sim: Wenn du dir immer Sorgen machst um deine Kinder, die nicht mit anderen Kindern reden können, wenn sie in der Schule sind, dann lässt dich das nicht los. Das hat mir wirklich wehgetan, das merke ich erst jetzt richtig, wenn ich auf die Zeit zurückblicke. Da kam viel zusammen. Ich möchte das alles jetzt vergessen. Deshalb ist Berlin eine große Chance für mich. In Pardubice gab es noch zwei andere Nordamerikaner, die waren neidisch, dass ich diese Möglichkeit bekommen habe.

Berliner Morgenpost: Konnten Sie schon mit Trainer Don Jackson über die Rolle reden, die er für sie vorgesehen hat?

Jonathan Sim: Noch nicht. Aber mein Spiel ist an sich offensiv, ich bin schon ein Torjäger. Ich kann jedoch auch nach hinten arbeiten, das habe ich in der NHL gelernt. Aber es wird sicher ein bisschen dauern, bis ich mich an die Spielweise hier angepasst habe.

Berliner Morgenpost: Ihr Vertrag läuft bis zum Saisonende. Wie sehen Ihre Pläne aus?

Jonathan Sim: Derrick hat mir erzählt, dass das hier ein Gewinnerteam ist. Ich habe auf meinem Weg auch Titel gewonnen. Insofern möchte ich der Mannschaft helfen, das zu tun, was sie immer tut. Ansonsten sehe ich mich selbst als jungen 34-Jährigen, ich will also noch eine Weile spielen. Gern auch hier. Wobei das zunächst egal ist. Für mich zählt jetzt vor allem, wieder an einem Ort zu sein, an dem ich mich wohl fühle.