Verletzungssorgen

Personalsorgen bei Eisbären spitzen sich zu

Für die Partie gegen Wolfsburg fehlen den Berliner Eisbären im schlimmsten Fall zehn Akteure. Besonders ärgerlich: Sven Felski muss wegen seines Kopf-Checks mit einer längeren Strafe rechnen.

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Es macht ein kleiner Running Gag die Runde. Demnach kann sich in den nächsten Tagen per Probetraining ein jeder, der sich sicher auf Schlittschuhen fortbewegen kann, dafür bewerben, beim Deutschen Eishockeymeister auszuhelfen. Der hat nämlich langsam Probleme, seine Reihen zu füllen. Nach dem verlorenen Spitzenspiel bei den Adler Mannheim (2:5) stieg der Stand der Ausfälle beim EHC Eisbären auf neun Profis. Zeitpunkt der Rückkehr: ungewiss.

Die Situation zieht sich nun schon länger so hin, und sie hinterlässt langsam Spuren bei den Berlinern. Bisher ist der Titelverteidiger sehr gut umgegangen mit dem Handicap, hat sich sogar vorgeschoben auf den ersten Platz der Tabelle der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Aber jetzt „macht es sich bemerkbar, dass wir über Wochen nur wenige Spieler zur Verfügung hatten“, sagt Verteidiger Jens Baxmann. Es war ein wesentlicher Grund dafür, warum die Eisbären das Wochenende mit zwei Niederlagen abschlossen.

Das Einbringen vieler junger Spieler löst eben nur kurzfristig Probleme. Sie haben gezeigt, dass für sie eine Karriere in der DEL möglich ist. „Sie verdienen den größten Respekt, weil sie ihren Weg zu den Eisbären gefunden haben“, sagt Trainer Don Jackson. Doch alle lernen noch, und beim Lernen passieren oft auch Fehler, die dann wieder von den erfahrenen Profis ausgebügelt werden müssen. Das kostet Kraft. Zwar gingen die Berliner noch nicht auf dem Zahnfleisch, so Baxmann. So frisch wie sie sein sollten, sind sie allerdings auch nicht mehr. Denn in den wichtigen Situationen sinkt die Eiszeit der Talente, die der Routiniers steigt.

Für die Eisbären ist es daher sehr ärgerlich, dass sich einer der erfahrenen Akteure in Mannheim quasi selbst aus dem Spiel genommen hat. Nach einem Check gegen den Kopf erhielt Sven Felski, der gerade als zweiter Spieler der DEL die Marke von 900 Partien erreicht hat – und zufällig Rekordhalter bei den Strafminuten ist, eine Matchstrafe.

Wie lange er zuschauen muss, entscheidet bei Matchstrafen der DEL-Disziplinarausschuss. Für die Eisbären-Woche mit gleich drei Heimspielen, von denen das erste am Dienstag gegen die starken Wolfsburger stattfindet (19.30 Uhr, O2 World), wird der Stürmer wohl verhindert sein.

Es ist ein bisschen Ironie des Schicksals. Gerade die Eisbären forderten zuletzt in Person von Manager Peter John Lee, dass Checks gegen den Kopf härter bestraft werden bzw. dem Thema Prävention von Gehirnerschütterungen mehr Beachtung geschenkt wird. Bei den Eisbären leiden derzeit vier Spieler unter Gehirnerschütterungen (Ustorf, Braun, Tyson Mulock, Rankel). Oft wurden die Checks, die dazu führten, nicht einmal bestraft oder nur milde sanktioniert. Und nun lässt sich ausgerechnet ein Berliner zu so einer Aktion hinreißen. Nicht auszuschließen ist, dass man sich im Disziplinarausschuss an Lees Forderungen erinnert und das Strafmaß für Felski daran orientiert.

Kollege Baxmann wollte den Fehler dabei nicht unbedingt bei Felski suchen: „Die Frage ist, warum er in diese Situation kommt?“ Felski war der letzte Mann, weil Trainer Jackson beim Stand von 2:5 und nur noch wenigen Sekunden auf der Uhr erneut den Torhüter vom Eis nahm. Baxmann stellte die Notwendigkeit in Frage, da das Spiel ohnehin nicht mehr zu gewinnen war. Von den Eisbären hieß es, dass die Gelegenheit genutzt werden sollte, das Spiel ohne Torhüter zu üben. „Der Trainer trifft die Entscheidungen“, so Felski. Wahrscheinlich dürfte er etwa vier Partien gesperrt werden. Sollte der angeschlagene Julian Talbot auch noch ausfallen – er wäre Nummer zehn –, dürfte das den nun schon fünften Feldspieler von Drittliga-Kooperationspartner FASS in den DEL-Kader spülen.