Eishockey

Berliner Eisbären setzen auf den Nachwuchs

Das wird ein Kraftakt: In den nächsten 13 Tagen stehen sechs Ligaspiele auf dem Spielplan der Berliner Eisbären. Wegen der vielen Verletzten soll der eigene Nachwuchs jetzt in die Bresche springen.

Foto: Bongarts/Getty Images / Bongarts/Getty Images/Getty

Es gab viel Standzeit am Montag. Denn Trainer Don Jackson beobachtete alles ganz genau. Ein paar Minuten schaute er der einen Gruppe zu, wie sie penibel das Über- und Unterzahlspiel übte, ein paar Minuten widmete er sich ganz der Gruppe auf der anderen Seite des Spielfeldes. Das führte zu einer ganzen Menge Pausen. Die meisten aber genossen diesen kleinen Leerlauf, die nächsten beiden Wochen werden nämlich sehr stressig: Die Eisbären müssen in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) innerhalb von 13 Tagen sechs Spiele absolvieren. Zunächst drei auswärts, danach drei in Berlin.

Tabelle als Inspiration

Fast ein bisschen Play-off-Charakter werden also die nächsten Tage bieten. „Das stellt uns vor eine neue Herausforderung in dieser Saison“, sagt Jackson. Vor allem vor die, sich auf dem gerade erworbenen Platz an der Spitze der DEL etwas gemütlicher einzurichten. Derzeit beträgt der Vorsprung auf die Adler Mannheim nur einen Punkt , der Spielplan hält jedoch die Option bereit, dass es am Ende der Woche durchaus sieben oder mehr Zähler sein können. Die Idee gefällt dem Trainer ganz offenbar. „Wir schauen ab und zu auf die Tabelle. Das motiviert uns“, erzählt Jackson. Um sich gleich zu berichtigen. Motivation würden er und seine Mannschaft immer noch allein finden. „Das inspiriert uns“, so der US-Amerikaner.

Die Konstellation der kommenden Tage ist wirklich interessant. Am Dienstag sind die Berliner zu Gast beim Vorletzten in Hannover und am Freitag beim Letzten in Nürnberg. Ausgerechnet das Schlusslicht ermöglichte den Eisbären gerade mit einem Sieg über Mannheim den Sprung auf Platz eins. „Nürnberg hat zuletzt gut gespielt und den großen Abstand aufgeholt“, sagt Kapitän André Rankel. Zwar gebe es nichts blöderes, als gegen Teams aus dem Keller zu verlieren. Aber auszuschließen sei das eben auch nicht. Zuletzt ohne Punkt blieben die Berliner übrigens vor elf Spielen – es war eine Heimniederlage gegen, genau, die Hannover Scorpions. „Das habe ich immer noch im Kopf“, erzählt Rankel. Für Mannheim ist deshalb gerade kein Platz bei ihm. Die Adler bilden am Sonntag den Abschluss der Auswärtswoche – und das Gipfeltreffen der Spitzenteams der DEL (19.05 Uhr, Sky live).

Felski wird Verteidiger

Dass mit der Herausforderung trifft aber auch auf andere Dinge zu. Zum Beispiel darauf, die Intensität trotz der schnellen Abfolge der Partien hoch zu halten. Zumal in der Heimwoche mit Wolfsburg und Hamburg zwei weitere Topmannschaften zu den Gegnern gehören. Andererseits besteht die Herausforderung darin, den Verschleiß nicht zu groß werden zu lassen, der auch dadurch entsteht, dass der Verlust so vieler Mitspieler kompensiert werden muss. „Die Situation ist unglaublich“, sagt Jackson. Ein Ausfall jagt den nächsten.

Lediglich drei Stammverteidiger stehen gerade zur Verfügung. So muss Sven Felski vorerst hinten aushelfen. Stürmer Stefan Ustorf wird aufgrund seiner Gehirnerschütterung mindestens weitere vier Wochen pausieren. Bei dem 38-jährigen etatmäßigen Kapitän wird nun sogar über das Karriereende spekuliert. „Es ist nicht leicht, auf Dauer so viele Spieler zu ersetzen“, sagt André Rankel, „aber wir reduzieren jetzt auch das Training, um einer Überlastung vorzubeugen.“ Schließlich soll es nicht so enden wie vor zwei Jahren, als sich die Eisbären trotz akuten Personalmangels in der Endphase der Hauptrunde von Sieg zu Sieg kämpften, aber im Play-off keine Kraft mehr hatten und im Viertelfinale ausschieden.

Chance für den Nachwuchs

Eine ganz normale Woche mit zwei Partien wäre den Berlinern angesichts der Lage schon lieber gewesen. Doch Spielverlegungen führten zum aktuellen Plan. Der hat in gewisser Hinsicht ja nicht einmal Nachteile. „Das Gute ist, dass wir gerade unseren Kader verbreitern“, sagt Manager Peter John Lee. Drei Nachwuchsspieler, die sonst nur wenige Chancen erhalten, stehen jetzt oft auf dem Eis und lernen. Dem Teamgeist schadet es auch nicht. „Die Mannschaft ist enger zusammengerückt“, sagt Rankel.

Durch die Auswärtsspiele kann sie das noch vertiefen, von Freitagfrüh bis Montagmittag ist der Meister geschlossen unterwegs durch die Republik. Und bereitet sich auf die Woche mit den drei Heimspielen vor.