Eishockey

Laurin Braun kommt bei den Eisbären groß raus

Eisbären-Stürmer Laurin Braun steht kurz vor seinem Durchbruch. Viel wichtiger als allgemeines Lob ist ihm das Vertrauen des Trainers, der ihn fast überall spielen lässt - mit Erfolg.

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Große Leistungen können ganz schön müde machen. Vielleicht benötigen junge Menschen aber manchmal auch einfach nur besonders viel Schlaf. Jedenfalls ist es an freien Tagen nie eine richtig gute Idee, Laurin Braun schon vor dem Mittag sprechen zu wollen. Er hat dann gern etwas Ruhe.

Das einer wie er überhaupt solche Momente der Muße genießt, wirkt überraschend. Weil er in seinem Beruf genau das Gegenteil verkörpert. Laurin Braun ist ein rastloser Eishockeyprofi, einer, der so viel Energie hat, dass er sich ständig bewegen muss und damit im Spiel des EHC Eisbären, immerhin Meister der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), mehr und mehr zu einer wichtigen Figur wird. Ein Tor und zwei Vorlagen beim 5:2 gegen Iserlohn am Dienstag machten ihn zu einem der Besten des Abends. Vielleicht sogar zum besten Spieler auf dem Eis.

Braun lächelt. Das allgemeine Lob freut ihn, aber zuviel davon braucht er auch nicht. „Ich bekomme das Vertrauen des Trainers. Wenn du dann noch punktest, steigt auch das Selbstvertrauen“, sagt der Stürmer. Derzeit hat er davon so viel angehäuft, dass Coach Don Jackson ihn fast überall und in jeder Situation spielen lässt. Denn Braun passt überall rein. „Er hilft anderen Spielern und Reihen“, sagt Jackson. Dabei ist er so erfolgreich wie noch nie. Das hilft vor allem ihm selbst.

Als letzter vom Eis

Vielleicht sogar dabei, als jüngster deutscher Spieler der vergangenen Jahre den Durchbruch zu schaffen im Kader der Berliner. Frühere Talente wie Busch und Rankel waren erst mit 22 Jahren soweit, Braun wird in wenigen Wochen 21 Jahre alt. Erstaunlich dabei wäre, dass die Bedingungen für ihn etwas ungünstiger waren. Braun fehlt viel von der Spielpraxis, die die anderen einst in der Oberliga sammeln konnten. Die Eisbären hatten ihr Team dort aufgelöst, als er es gebraucht hätte. Stattdessen wurde er in die Zweite Liga nach Dresden geschickt.

Das hätte besser sein können. Doch es war schlechter, er wurde kaum eingesetzt und später von verärgerten Berlinern zurückgeholt. „Das war nicht glücklich, aber meinen Charakter hat es trotzdem geprägt“, sagt Braun. Die Episode lehrte ihn, nicht aufzugeben, sie „hat mich hart gemacht“. In diesen Momenten offenbarte Laurin Braun an sich Züge, die vor allem Manager Peter John Lee sehr hoch bewertet, weil er genug Spieler kennt, die andere Wege eingeschlagen haben. „Er hat nie gemeckert, dass er keine Chance bekommt. Er hat einfach zugehört und wollte etwas lernen“, erzählt Lee. Er hatte aber auch Hilfe aus der eigenen Familie, um die Situation gut zu überstehen. Verteidiger Constantin Braun, sein drei Jahre ältere Bruder, spielt ebenso beim EHC. „Das ist schon ein Vorteil. Er hat auch alles durchgemacht“, sagt Laurin.

Die vergangene Saison brachte ihn noch nicht wesentlich weiter, jetzt aber bescheinigt ihm Jackson, dass „er einen großen Schritt gemacht hat“. Daran werkelte Braun sehr intensiv. Und er tut es immer noch. Er gehört zu denen, die nach dem Training als letzte vom Eis kommen. Kleinigkeiten übe er da. „Im Endeffekt willst du ja besser werden, da musst du was tun“, sagt Braun. Außerdem muss er sich etwas einfallen lassen, um seinen Größennachteil – mit 1,78 besitzt Braun kein Eishockey-Gardemaß – zu kompensieren. Mit seiner Energie und Schnelligkeit wurde er dennoch zu einem der besten Zweikämpfer. Einen guten Schuss hat er sich ebenso antrainiert wie die Fähigkeit, den Puck schnell zu bewegen.

Der Ehrgeiz, der dazu nötig ist, ist bei ihm sehr präsent. Und geht manchmal über in Verbissenheit. Anfangs war er nach jedem Wechsel unzufrieden, wenn nicht alles klappte, und musste wieder aufgebaut werden. Das kommt nun nicht mehr oft vor, ihm gelingt ja auch viel. Besonders seit Mitte Dezember. Da wurde er in den Perspektivkader der Nationalmannschaft berufen. „Ein Kick“, sagt Braun. Acht seiner 18 Punkte sammelte er seitdem. Da muss sich auch ein Energiebündel mal ausruhen dürfen.