Eishockey

Berliner Eisbären überzeugen trotz Verletzungspech

Obwohl die Berliner Eisbären viele Ausfälle verkraften müssen, gewinnen sie Spiel um Spiel. Das 6:2 gegen Düsseldorf war bereits der siebte Sieg in Serie. Berlins Erfolgsrezept: Das einfache Spiel.

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Julian Talbot stand vor der Kabine und konnte gar nicht mehr aufhören zu grinsen. Drei Tore hatte er kurz zuvor erzielt. „Es ist schon ein bisschen her, dass mir das geglückt ist“, sagte er. Für den EHC Eisbären, für den er seit dieser Saison spielt, gelang ihm beim 6:2 gegen Düsseldorf zum ersten Mal ein Hattrick. Der ließ den sonst eher schüchternen, zurückhaltenden Profi locker werden, sogar ein bisschen scherzen. Das zeigte vor allem eines, Talbot geht es nach anfänglichen Schwierigkeiten sehr gut beim Meister der Deutschen Eishockey-Liga (DEL).

Sieben Sieg in Folge

Das Schicksal des Kanadiers lässt sich auch auf seinen Klub übertragen. Zwar hatte der zu Beginn der Saison wie auch nun schon mal eine Serie mit sieben Siegen, meist aber wechselten sich gute und schlechte Tage ab. So regelmäßig, dass etwas schlechte Stimmung aufkam und Kritik seitens des Trainers Don Jackson und des Managers Peter John Lee nicht ausblieb. „Es war alles etwas unkonstant“, sagt Verteidiger Constantin Braun.

Sie konnten es inzwischen ablegen, dieses Manko. Braun, ebenfalls Torschütze gegen Düsseldorf, erzählt in fast schon euphorischem Ton, wie gut alles funktioniert. „Wir spielen jetzt das, was wir spielen wollen“, sagt der 23-Jährige, „wir haben unseren Stil gefunden.“

Ohne Busch und Ostorf

Das Erstaunliche daran ist, dass das ausgerechnet in einer Periode der Saison geschah, in der bislang die größten Verletzungssorgen aufgetreten sind. Es fehlen viele Spieler, bis zu sechs pro Partie, zudem meist starke Akteure wie Florian Busch oder Führungspersönlichkeiten wie Stefan Ustorf. Eigentlich sollte das die Mannschaft eher vor Probleme stellen. Offenbar aber tut es das nicht.

Der Grund dafür ist ebenso simpel wie kurios. „Je weniger Spieler im Kader sind, desto einfacher und gradliniger muss man spielen“, erzählt Constantin Braun. Andersherum heißt das also, dass die Berliner mit voller Kapelle dazu neigen, es sich selbst zu schwer zu machen mit all zu kunstvollem Gehabe. Genau davon redete Don Jackson schon öfter in dieser Saison, dass auch gute Spieler bereit sein müssten, einfache Dinge zu tun, selbst wenn das ihrem Talent widerstreben sollte. Umgesetzt wurde es allerdings zu selten.

Chancen für Junge Spieler

Ein vermeintlicher Nachteil musste erst her, um des Trainers Worte mehr in das Spiel der Berliner, die Freitag in Krefeld antreten, einfließen zu lassen. Jackson musste umbauen, er musste einbauen. Junge Spieler wie Vincent Schlenker. Die schickte er mit ganz klaren Anweisungen aufs Eis. „Ich habe ihnen gesagt, dass der Puck immer tief gespielt werden muss und sie immer auf den Puck gehen müssen“, so Jackson. Genau daran hielt sich der 19-Jährige – und er machte ein gutes Spiel, er war auffällig. Auch ohne Schnörkel.

Für die, die nun draußen sitzen müssen, macht das die Sache nicht gerade angenehm. Natürlich sind es wichtige und gute Spieler, aber der Erfolg der Einfachheit zwingt sie jetzt noch mehr, sich dem anzupassen und Jacksons Philosophie zu folgen. „Sie sehen ja zu und werden sich sicher davon mitreißen lassen“, sagt Braun. Es hört sich wie eine Aufforderung an, mehr jedenfalls als nach einer schlichten Hoffnung. Einfach muss ja schließlich auch nicht bieder sein, wie der wunderbare Rückhandtreffer von Jens Baxmann deutlich machte. „Über harte Arbeit klappen auch die schönen Dinge“, so Braun.

Manager Lee sieht alles noch mit ganz anderen Augen. Einige Spieler, die vorher nur wenig oder selten zum Zug kamen, haben nun mehr Chancen. Sie nutzen sie. Was Lee nur zeigt: „Der Wettbewerb in der Mannschaft ist gut. Wir sind auf dem richtigen Weg.“ Den kann er sogar mit ein paar Zahlen unterlegen. Die Eisbären haben mehr Punkte (9) als vor einem Jahr, sie trafen öfter (plus 14 Tore), haben weniger Gegentreffer erhalten (10). Außerdem hat Lee errechnet, dass die fünf Abgänge bis Dezember der vergangenen Saison 30 Tore geschossen haben, die vier Neulinge aber nun 36. Die drei Treffer von Talbot waren da noch gar nicht drin.