Nordamerikanische Profis

Die Eisbären bitten zur Deutschstunde

Eigentlich kommt man in der DEL mit Englisch ganz gut aus. Trotzdem bieten die Eisbären jetzt einen Deutschkurs für ihre nordamerikanischen Spieler an. Das Ziel: mehr Nähe zu den Fans und ein besseres Bild in der Öffentlichkeit.

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An sich ist es ein Reflex, eine Art instinktives Verhalten. Wer länger unterwegs ist in einem Land, in dem eine andere Sprache gesprochen wird, versucht recht bald, sich dieser Sprache zu nähern. Oft genügt schon ein Aufenthalt von ein paar Monaten, um dieses Interesse zu forcieren. Nur bei nordamerikanischen Basketball- oder Eishockeyprofis scheint dieser Mechanismus meist außer Kraft gesetzt zu sein. Die können gut zehn Jahre etwa in Deutschland verbringen – und sind am Ende nicht mal in der Lage, drei deutsche Sätze am Stück zu reden.

Beim deutschen Eishockey-Meister soll sich das möglichst ändern. Seit ein paar Wochen trainieren elf Spieler des EHC Eisbären nicht mehr nur bei Don Jackson, wie man sich in Überzahl verhält oder wie man defensiv stabil steht, sondern sie üben in einer Sprachschule auch deutsche Vokabeln und Grammatik. Zweimal die Woche, je 90 Minuten lang. „Ich freue mich sehr darüber“, sagt Manager Peter John Lee. Aber er könne niemanden zwingen. Er hat es auch diesmal nicht getan. Alles läuft freiwillig, darauf legt der Manager großen Wert. Dass es plötzlich in dieser Form funktioniert und so viele Profis Deutsch lernen wollen, hat mit den Umständen zu tun. „Früher waren bei uns viele ältere Spieler mit Kindern, da war das schwierig. Jetzt sind die Spieler jünger, meist ohne Kinder“, sagt Lee.

Das Thema ist schwierig für den Manager, er möchte niemanden verurteilen wegen seiner Sprachkenntnisse. „Steve Walker war auch so ein Super-Leader“, schmunzelt Lee. Auch Denis Pederson ist es, der einzige, der nun nicht teilnimmt an den Kursen, weil es kurz vor dem Karriereende kaum Sinn machen würde. Ein Spieler braucht die deutsche Sprache aber eben auch nicht zwingend, um seinen Job zu erledigen. Aufgrund der hohen Ausländeranzahl in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) wird ohnehin sehr viel englisch geredet in der Kabine. Viele Nordamerikaner trainieren die Teams, im Umfeld beherrscht fast jeder die Sprache. „Man kommt überall mit Englisch aus. Das macht es schwer, sich zu motivieren“, sagt EHC-Torhüter Rob Zepp. Er selbst hat es immerhin schon öfter versucht, mal allein, mal mit Unterstützung. Gespräche auf Deutsch sind für ihn dennoch nichts.

Aber gerade er gehört zu denjenigen, denen die Sprache wirklich gut stehen würde. Er ist einer von vier Nordamerikanern im Team, die einen deutschen Pass besitzen. Und einer von drei, die in Deutschlands Nationalteam spielen. „Das macht es schon wichtig, Deutsch besser zu beherrschen“, sagt Zepp. Wer es nicht kann, wird immer ein bisschen argwöhnisch beobachtet. Und steht auch etwas am Rand; das Fernsehen beispielsweise bevorzugt für Interviews Profis, die deutsch sprechen. Für Klubs, die ihre Spieler öffentlich positionieren wollen, ist das durchaus ein Problem.

Dessen ist sich auch Lee bewusst. Zum einen möchte er, dass sich die Spieler hier selbst freier bewegen können. „Den Eisbären gelingt aber auch eine weitere Bindung an die Stadt, wenn die Spieler deutsch reden können. Für Außendarstellung und Integration ist das besser“, sagt er. Es schafft ein Stück mehr Nähe zu den Fans. Deshalb bietet er jede Saison seine Unterstützung an.

Richie Regehr und die neue Lernform sorgten jetzt für viel Zuspruch. „Es hilft uns doch allen, wir sind hier, also sollten wir es versuchen“, sagt der Verteidiger. Er warb bei den Kollegen, erklärte, dass es gemeinsam mehr Spaß machen würde als allein. Jetzt sitzen sie in zwei Gruppen zusammen, eingestuft nach den Vorkenntnissen. „Ich hatte in Englisch schon genug Probleme mit der Grammatik. Aber das ist jetzt noch schwerer“, erzählt Regehr. Doch er hat Lust und will nicht aufgeben. Vielleicht gelingt es ihm, irgendwann mehr in sein kanadisches Zuhause mitzunehmen als nur das verdiente Geld.