Nach Heim-Debakel

Berliner Eisbären müssen Straftraining absolvieren

Für die Spieler vom EHC Eisbären wäre dieser Montag eigentlich trainingsfrei gewesen. Doch nicht nach dem schlechten Wochenende mit zwei Niederlagen. So ließ Trainer Jackson seine Profis kräftig schwitzen.

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Torhüter haben es ohnehin nicht leicht, ein noch so kleiner Fehler kann schon große Auswirkungen haben. Aber nicht allein deswegen sind sie nicht zu beneiden, vor allem im Eishockey. Kevin Nastiuk etwa und Rob Zepp, die Goalies des EHC Eisbären, konnten einem schon richtig leid tun am Montagmorgen. Gemeinsam mit den anderen Spielern mussten sie Konditionsläufe absolvieren, mit ihrer schweren Ausrüstung schleppten sie sich dabei von Linie zu Linie, verloren Meter um Meter auf die Kollegen und erreichten irgendwann kurz vor dem Zusammenbruch das Ziel. Eine halbe Stunde lang ging das so. Trainer Don Jackson hatte kein Mitleid, er ließ alle laufen, die ganze Zeit. Ihre Schläger nutzten den Profis in dieser Einheit höchstens zu besseren Ausbalancierung ihrer Bewegungen, die Pucks blieben auf der Bank.

Kein Spaß beim Dauerlauf

Eigentlich wäre ja trainingsfrei gewesen, so wie immer, wenn die Berliner in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) nicht gleich am Dienstag wieder spielen. Nach dem schlechten Wochenende aber mit zwei Niederlagen und dem desaströsen Heimauftritt am Sonntag gegen Krefeld (4:6) sah sich Jackson gezwungen, härtere Maßnahmen zu ergreifen. „Ich bin verantwortlich hier“, sagt er. Und so etwas wie am vergangenen Wochenende könne er nicht zulassen. Deshalb also Straftraining, und das in der bittersten aller Varianten. „Spaß macht das nicht, aber wir haben uns das selbst eingebrockt“, erzählt Verteidiger Jens Baxmann.

Es wird spannend sein zu sehen, was sich der Trainer noch alles einfallen lässt in den nächsten Tagen. „Wir werden einiges ändern“, kündigte er an. Die Umstände sprechen dafür, etwas zu tun, zuletzt gab es einige alarmierende Punkte beim Meister. Der befindet sich in einer recht ausgeprägten Schwächephase, die sich wegen ein paar Siegen zwischendurch gar nicht so gravierend anfühlte. In seiner Ansprache vor dem Training erklärte Jackson deshalb die Lage noch einmal sehr deutlich. Nur zehn Punkte holten die Eisbären aus den vergangenen neun Spielen, 27 hätten es sein können. Die Zahlen überraschten einige Spieler. Inzwischen beträgt der Abstand zu Platz zwölf nur noch fünf Punkte, der zu Tabellenführer Hamburg dafür schon acht.

Die Situation ist also durchaus brisant, die Liga viel zu eng, um leichtfertig Punkte zu verschenken. „Wir müssen jetzt alles analysieren und Antworten finden“, sagt Kapitän Stefan Ustorf. Wobei die Grundprobleme augenscheinlich sind. Es fehlt an klarem, gradlinigem Spiel und besonders gegen Krefeld an defensiver Verantwortung. Die Mannschaft lässt sich allein von ihrem Vorwärtsdrang leiten und vergisst dabei alles um sich herum. „Dieses hin und her rennen macht keinen Sinn. Wir versuchen Sachen zu erzwingen, die nicht da sind“, sagt Ustorf. Andere taktische Varianten aber scheint die Mannschaft derzeit nicht zu kennen.

Die Sorgen der Berliner erinnern an die Zeit vor einem Jahr, als sich das Team lange wenig überzeugend durch die Saison hangelte. Es spielt ohne große Inspiration, oft auch mal jeder für sich. Überhaupt scheint der Zusammenhalt auf dem Eis derzeit nicht sehr groß zu sein, weil viele, etwa die Reihe um Ustorf, ihre eigenen Probleme haben und einfach nicht ihre Form erreichen. Das überträgt sich auf die Mannschaft, nimmt ihr die Geschlossenheit und auch den Mut und ihr frühres Selbstverständnis. „Uns ist die Gewinnermentalität etwas abhanden gekommen“, sagt Baxmann. Früher waren Rückstände weniger ein Problem, heute machen sie die Eisbären nervös und unsicher.

Ins Gewissen geredet

Trainer Jackson will seine Spieler nun härter arbeiten sehen, vielleicht trennt er auch einige der Sturmreihen und mischt sie neu. Sicher war er sich da noch nicht. Der US-Amerikaner versuchte es gestern auch mal mit einem psychologisch-moralischen Ansatz, sprach die Spieler vor der Konditionsschinderei darauf an, was sie dem Publikum der Eisbären, das Woche für Woche die Halle füllt, antun würden mit solchen Auftritten wie gegen Krefeld. Ins Gewissen reden nennt sich das wohl.

Eine Veränderung im Spiel der Berliner ist jedenfalls schnell nötig, mit Ingolstadt am Freitag und Wolfsburg am Sonntag stehen schwere Partien bevor gegen Kontrahenten, die sich in der Tabelle vor dem EHC eingeordnet haben. Beide Spiele sind auswärts, die Eisbären werden deshalb sehr viel Zeit miteinander verbringen und nicht nach Hause zurückkehren nach der ersten Partie. „Vielleicht ist das nicht schlecht“, sagt Jens Baxmann. Alle können ein bisschen zusammenrücken.