Eishockey

Eisbären ohne Biss: Heim-Debakel gegen Pinguine

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Marcel Stein

Manchmal genügt eine einzige Szene, um ein Spiel zusammenzufassen. Um das ganze Unglück zu beschreiben, um zu sehen, dass dieser Tag für diese Mannschaft kein erfreuliches Ende nehmen wird. Die 29. Minute in der Partie des EHC Eisbären gegen die Krefeld Pinguine bot so eine Szene.

Jim Sharrow kämpft an der Bande hinter dem Berliner Tor mit dem Krefelder Patrick Hager um den Puck, verliert ihn, Jens Baxmann kommt hinzu, aber nur als Statist. Der Puck rutscht dann zu EHC-Torhüter Rob Zepp, der ihn unter seiner Fanghand begräbt, doch Mads Christensen haut Zepp den Puck wieder aus der Hand, genau zu Hager, der ihn ins Tor schießt. Ein Krefelder gegen vier Berliner, und der eine setzt sich durch. Ziemlich traurig, genau wie das Spiel der Berliner. Hagers zweiter Treffer war der zum 3:0.

Am Ende las sich das Ergebnis noch halbwegs verträglich, 4:6 (0:2, 2:2, 2:2) ging das Spiel aus. Doch die Darbietung der Berliner war so enttäuschend, dass Trainer Don Jackson ratlos wirkte. Aus dem Publikum hatte es Pfiffe gegeben "Heute war nichts gut genug bei uns", sagte Jackson. In den vergangenen Tagen hatte er öfter die Leistungen seiner Spieler kritisiert und gehofft, damit eine Reaktion zu erzeugen. Sein Mahnen verhallte offenbar ungehört. Der Titelverteidiger der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) blieb in den ersten 30 Minuten vieles schuldig, lediglich Torhüter Zepp zeigte so etwas wie Form. Doch ausgerechnet er musste die Schlampigkeit der Vorderleute ausbaden, nach dem 0:4 nahm Jackson ihn vom Eis und brachte Kevin Nastiuk (34.).

Jackson streicht freien Tag

Üblicherweise erwartet Jackson von seiner Mannschaft stets die richtige Antwort nach einer Niederlage, einen Sieg also. Dieser Anspruch hätte nach dem 2:5 in Wolfsburg am Freitag, der höchsten Saisonniederlage bisher, um so ausgeprägter sein sollen gegen Krefeld, ein Team aus dem Tabellenkeller. Der Trainer hatte sich überlegt, das mit einer kompletten vierten Sturmreihe zu untermauern, die es nur selten gibt bei den Berlinern. Genau dort aber nahm das Unglück seinen Lauf. Beim ersten Wechsel dieser Reihe, in der der 18-jährige Vincent Schlenker sein Heimdebüt gab, fiel der erste Treffer für Krefeld (3.). Nach dem ersten Gegentor wurde es von Minute zu Minute grausiger für Trainer und Fans. Die Eisbären zeigten ein schwaches Zweikampfverhalten, fuhren unkoordinierte Angriffe, die oft zu Gegenstößen führten. "Wir haben ein grottenschlechtes Spiel gemacht", sagte Kapitän Stefan Ustorf, der wie seine Kollegen meist weit weg war von den Gegenspielern. So konnten die Krefelder selbst bei Überzahl der Berliner ein Tor erzielen (13./Hager). Aber auch sonst war das nicht schwer, wie Francois Methot (34./völlig frei nach einem Querpass), Daniel Pietta (44./wieder vier hilflose Berliner vor dem eigenen Tor) und Boris Blank (48./ganz allein vor dem Tor) zeigten.

Zwar schossen die Eisbären selbst auch Tore, verkürzten auf 2:4 (Darin Olver, Richie Regehr) und 4:6 (Angell, Laurin Braun). Doch damit konnten sie ihre Fehler nicht überdecken. Deshalb strich Jackson auch für heute den freien Tag.