Negativlauf gestoppt

Eisbären lassen Straubing keine Chance

Das war deutlich: Mit 5:1 demontierten die Berliner Eisbären die Straubing Tigers. Nach zwei Pleiten gingen die Hauptstädter äußerst aggressiv zu Werke. Der beste Berliner landete schon vor Spielbeginn auf der Strafbank.

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Wenn sich zu dieser Jahreszeit größere Menschengruppen gemeinsam in Bewegung setzen, hat das oft mit Feierlust zu tun. Vor allem dann, wenn diese Gruppen bajuwarischer Abstammung sind. München ist ihr Ziel, die Mass im Oktoberfestzelt ihre Motivation. Insofern erstaunte es, dass sich eine stattliche Anzahl von Bayern am Sonnabend in die entgegengesetzte Richtung aufmachte. Nach Berlin. Hier gibt es zwar auch reichlich Oktoberfestivitäten, die dürften einen echten Bayern jedoch eher an einen Kindergeburtstag erinnern.

Aber deshalb fuhr der Sonderzug aus Straubing ja nicht in die Hauptstadt. Die Leute wollten beim Eishockey feiern, mit den Straubing Tigers. Dumm nur, dass die beim Deutschen Meister spielten. Die Eisbären hatten wenig Lust, nach zwei Niederlagen schon wieder zu verlieren. Und so spielten sie auch, fertigten die Straubinger recht trocken ab mit 5:1 (3:0, 1:1, 1:0) . „Das war eine gute Antwort auf die vergangene Woche“, sagte EHC-Trainer Don Jackson.

Die Straubing-Fans erlebten immerhin etwas Kurioses. Natürlich war klar, dass die Berliner das vergangene Wochenende mit null Punkten vergessen machen wollten, aggressiv aufs Eis kommen würden. Mads Christensen trieb das auf die Spitze. Er kabbelte sich schon mit seinem Gegenspieler Karl Stewart, da hatte Schiedsrichter Willi Schimm (Waldkraiburg) noch nicht einmal den Puck zum ersten Bully eingeworfen. Also schickte er beide auf die Strafbank, bevor das Spiel überhaupt losging.

Die Tigers hätten damit gewarnt sein müssen. Zögerlich würden die Berliner nicht zur Tat schreiten. Trainer Jackson hatte unter der Woche die Defizite angesprochen, daran arbeiten lassen. Die Spieler wollten ihm nun offenbar zeigen, dass sie ihn verstanden haben. So dauerte es keine zwei Minuten, bis der Puck im Netz war. Darin Olver traf vom Bullypunkt ins lange Eck. Das gab den Eisbären Sicherheit, sie dominierten die Partie, kombinierten und ließen keinen Widerstand zu. Und hatten auch kein Mitleid mit Tigers-Torhüter Jan Guryca. Dessen Tagwerk endete nämlich beizeiten – weil erst Julian Talbot mit seinem ersten DEL-Tor (8.) und dann André Rankel (18.) auf 3:0 erhöhten. Nach Rankels Treffer kam Barry Brust in Tor.

Und dann war da natürlich noch Christensen. Dass er sehr motiviert war, wussten ja schon alle. Dass er nicht nur schnell auf die Strafbank findet, sondern auch den Weg zum Tor, zeigte er zu Beginn des zweiten Drittels. Nur 38 Sekunden brauchte er, um das 4:0 zu erzielen. Die Berliner unter den 13.900 Zuschauern in der O2 World gerieten darüber phasenweise in Euphorie. Obwohl die auch vorher durchaus schon vorhanden gewesen war. Mit einer großen Meister-Choreographie hatten die EHC-Fans das Team empfangen. Als sei die große Meisterringübergabe-Zeremonie vergangene Woche nicht genug gewesen.

Genug hatte auch Christensen noch nicht. Er fiel am Anfang, in der Mitte und am Ende des Spiels auf, indem er nach dem Straubinger Treffer von Dustin Whitecotton (32.) das letzte Tor der Partie erzielte (47.). „Ein gute Mannschaft schlägt eben zurück, wenn sie muss“, sagte der Däne. Schade für die Straubinger Fans.