Eishockey

EHC Eisbären gewinnt gegen Ingolstadt

Die Reihe von Travis Mulock schoss die Berliner Eisbären zum Titel. Zuletzt war er vom Pech verfolgt. Immerhin gelangen ihm am Freitag beim 5:4-Sieg gegen Ingolstadt nun die ersten Vorlagen.

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Zwei gegen eins heißt das Spiel. Und es ist dazu da, die Abläufe vor dem Tor durchzugehen, ein paar Dinge auszuprobieren. Zwei Stürmer treffen auf einen Verteidiger, sie sollen so miteinander arbeiten, dass einer von beiden zum Schuss kommt und den Puck im Netz unterbringt. Kurz bevor das Training des EHC Eisbären beendet ist, kommt Travis James Mulock noch einmal an die Reihe. Er schießt, und noch während die Scheibe fliegt, verziehen sich die Mundwinkel zu einer genervten Miene. Sein Gesicht sieht aus, als hätte er schon vorher gewusst, was passieren würde. Nichts.

Wenn's nur im Training so gewesen wäre, hätte sich das leicht verkraften lassen. Doch Mulock wurde überaus hartnäckig von Pech verfolgt. Nach den acht Spielen, die die Berliner vor der Partie beim ERC Ingolstadt in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) absolviert hatten, stand für den 26-jährigen Nationalspieler weder ein Tor noch eine Vorlage in der Statistik. Lediglich für die Perspektivspieler des EHC waren ebensolche Werte verzeichnet. Nun aber ist das Warten vorüber, immerhin gelangen Mulock beim wilden Spiel in Ingolstadt zwei Vorlagen. Und sein Bruder Tyson sicherte im Penaltyschießen mit seinem Tor das 5:4 (0:4, 4:0, 0:0, 0:0, 1:0) – nach einem 0:4-Rückstand.

Travis Mulock war anzusehen, dass ihn das Warten mitgenommen hat. „Ich kann mich nicht erinnern, irgendwann schon mal so lange ohne Punkt geblieben zu sein“, erzählte er. Er versuchte trotz allem, keine schlechten Gedanken aufkommen zu lassen, „aber das ist gar nicht so leicht, wenn du das als ganz neue Erfahrung erlebst“. Immerhin hatte er das Glück, diese neue und unschöne Erfahrung bei den Eisbären zu machen, denn sie fiel nicht groß ins Gewicht. Mit ihrem ausgeglichenen Kader bieten die Berliner jedem die Option, auch mal eine schwächere Phase durchzumachen, ohne dass es sich signifikant auswirkt. „Es hätte sicher mehr Diskussionen gegeben, wenn wir verloren hätten“, sagte Mulock. Die Berliner gewannen aber meistens. Das machte es leichter, damit umzugehen.

Ein bisschen wenigstens. Denn wer gerade einen solchen Frühling wie Travis Mulock hinter sich hat, musste in Momenten wie zuletzt natürlich daran denken. Nahezu jeder Angriff seiner Reihe mit Stefan Ustorf und André Rankel brachte einem von ihnen im Play-off einen Punkt ein. Sie waren das überragende Trio der Meisterschaftsphase, führten die Berliner zum fünften Titel. Sie belegten mit großem Abstand die ersten drei Plätze der DEL-Scorerliste – selten gelang es bisher einer Sturmreihe, ein Play-off dermaßen zu prägen. „Das wir dieses Tempo nicht halten würden, war aber klar“, sagte Mulock. Es betraf nicht nur ihn, auch Ustorf hatte zu kämpfen, brachte es aber auf drei Vorlagen. Einzig Rankel konnte mit drei Toren halbwegs zufrieden sein.

Aussprache in der Selbsthilfegruppe

Das Play-off hängt ihnen jetzt noch nach. „Wir bekommen ganz sicher mehr Aufmerksamkeit vom Gegner“, sagte Travis James Mulock, das Play-off-Monster, das langsam wieder erwacht. Wie sie besser damit umgehen können, wussten sie lange nicht. Trotz Aussprache in der Selbsthilfegruppe. „Wir haben untereinander schon darüber geredet, was wir anders machen müssen“, so der Deutsch-Kanadier. Einig waren sie sich, dass sie auf jeden Fall noch mehr tun müssten als vorher, um wieder in die alte Rolle hineinzufinden.

Weil sie bislang dazu kaum in der Lage waren, mussten sie mit anderen Dingen Vorlieb nehmen. „Unsere Aufgaben haben sich etwas verändert. Wir machen mehr Arbeit in der Defensive“, sagte Mulock. Das funktionierte zuletzt ganz gut. Es war ein Grund dafür, dass Trainer Don Jackson die Reihe zusammenließ. Für ihn fängt auch bei den Angreifern alles mit einer guten Arbeit nach hinten an. Jackson hatte allerdings öfter überlegt, ob er an den Dreien festhalten sollte.

Nun konnte der Trainer sich das Nachdenken sparen. Die DEL nahm ihm die Entscheidung ab, indem sie Rankel wegen eines Checks gegen den Kopf für vier Spiele sperrte. Froh stimmte es Mulock nicht. „Vielleicht gibt das aber in der Reihe einen Impuls“, sagte der Angreifer. Mit Julian Talbot an der Seite gelangen ihm zumindest gleich die zwei Vorlagen.

Bei Stefan Ustorf hatte es sich schon im Training angedeutet, dass es wieder aufwärts geht. Zwei gegen eins hieß das Spiel, der Verteidiger war mit einem Pass außer Position gebracht, der Weg also frei. Ustorf schoss und hob die Arme, noch während die Scheibe flog. Sie krachte an die Unterkante der Latte und von dort in Netz. Er beendete in Ingolstadt im neunten Spiel seine torlose Zeit.