Eishockey

Uwe Krupp betreibt Wiederaufbau bei Kölner Haien

Der ehemalige Trainer der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft soll das Team der Kölner Haie zurück an die Spitze bringen. Doch dazu müssen sie erst einmal die Berliner Eisbären schlagen.

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Versuchen wir es einmal mit der sentimentalen Ebene. War Heimweh dabei, ein kleines bisschen vielleicht? Mit 21 Jahren verließ Uwe Krupp Köln, seine Heimatstadt, er baute sich ein Leben in Nordamerika auf. Erst als er den Trainerjob bei der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft übernahm, erfolgte eine neue Annährung an die alte Heimat. Erst langsam, als Klinsmann-Pendant viel aus der Ferne agierend, dann mit Wohnsitz in Köln intensiver. Bis er im Sommer sein Amt gegen das bei den Haien, seinem Stammverein, tauschte. Zurück zu den Wurzeln also, mit 46 Jahren. Und, war nun Heimweh dabei? „Das würde ich nicht komplett ausschließen“, sagt Uwe Krupp.

Zumindest fühlt es sich oft genug wie eine Heimkehr an. Krupp, der auszog mit zwei deutschen Meistertiteln im Gepäck und wiederkam mit dem Stanley Cup, muss nur durch die Trainingshalle der Haie gehen und kann dabei Erinnerungen leben. „Da laufen Leute rum, die waren schon dagewesen, als ich zehn Jahre alt war“, erzählt er. Trotzdem gehört er zu jener Sorte Männer, die sich von solchen Gefühlen nicht leiten lassen. Rationale Erwägungen bestimmen sein Denken. „Wir sind alle Profis. Köln war einfach das attraktivste Angebot, das in den meisten Bereichen zu meinen Vorstellungen gepasst hat“, so Krupp. Für die Haie ist das nicht ausschließlich ein Kompliment.

Die Zeiten sind andere als damals, als Krupp noch für den Klub spielte. Die Haie gehören nicht mehr zur Spitze der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Krupp soll sie wieder in ein solides Fahrwasser bringen, mehr erst mal nicht. In den vergangenen drei Jahren stand der KEC lediglich einmal im Viertelfinale, dafür er zweimal kurz vor der Insolvenz. Allein die Personalie Krupp, der zum ersten Mal als Klubtrainer bei einem Profiverein beschäftigt ist, wäre interessant genug gewesen. Doch der „Wiederaufbau“ der Haie, wie Krupp es nennt, besitzt noch stattlichere Dimensionen. Aber es läuft, die Haie, die an diesem Freitag beim EHC Eisbären antreten (19.30 Uhr, O2 World), liegen im Mittelfeld.

Mit solchen Vorgaben kennt sich Krupp ja auch aus. Die Bedingungen waren ähnlich, als er 2005 das Nationalteam übernahm. Es gelang ihm, seine Vorstellungen weitgehend umzusetzen. Letztlich übergab Krupp eine Mannschaft, die mit Platz vier bei der Heim-WM 2010 eine Sensation vollbrachte und nun nach langen Jahren wieder zu den besten Acht der Welt zählt. Er bastelte dort an seinem Mythos.

Jetzt also Köln, alles auf Anfang und am besten noch einmal so. Viele erwarten das von ihm. Krupp tat im Sommer einiges, damit der Messiasfaktor nicht zu groß wird. „Ich habe sehr viel Zeit damit verbracht, unseren Fangruppen unsere Philosophie zu kommunizieren“, erzählt Krupp. Zur Philosophie gehört ja nicht nur die Spielweise, sie muss auch zu den finanziellen Bedingungen passen. Eine große Herausforderung. Weil das Geld knapp ist, wurden viele junge Spieler geholt. Solche, die entwicklungsfähig sind, formbar. Eine Aufgabe, auf die sich Krupp besonders freut. Hier kann er viel mehr Einfluss nehmen als im Nationalteam.

Sein neuer Job in Köln hat sogar einen familiären Aspekt. Uwe Krupp verpflichtete seinen Sohn Björn für die Haie. Das erinnert etwas an die Sache mit dem Heimweh. Krupp kann nicht ausschließen, dass sein Herz erfreut ist über diese Fügung. Für Björn sprach letztlich aber etwas anderes: „Der Hauptpunkt ist, dass er ein guter Spieler ist. Das wird professionell gehandhabt.“ Wir lassen das lieber mit der sentimentalen Ebene.