Eishockey

Eisbären starten mit klarem Sieg in die Saison

| Lesedauer: 5 Minuten
Marcel Stein

Foto: dpa

Der deutsche Meister EHC Eisbären hat einen Start nach Maß in die neue Saison der Deutschen Eishockey-Liga hingelegt. Die Berliner untermauerten mit einem 5:2 gegen Nürnberg ihre Favoritenrolle.

Eigentlich ist es ja so, dass die Eisbären aus Berlin ein Klub sind, der Glück nicht wirklich nötig hat. Die sportliche Arbeit wird so ordentlich erledigt, dass sie ganz gut ohne Fügungen des Schicksals auskommen. Fünf Titel in den vergangenen sieben Jahren in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) belegen dies eindeutig. Doch nun, in der neuen Saison, gilt es, den Titelrekord in der Liga allein zu übernehmen. Vielleicht, so dachte man sich das wohl bei den Eisbären, wäre da ein bisschen Beistand doch nicht schlecht. Also wurden vor dem Auftaktspiel gegen die Nürnberg Ice Tigers Glücksbringer in Form von Schornsteinfegern auf das Eis gebeten. Um ganz sicher zu gehen, waren es gleich vier.

Wie sich das nun auf die Saison auswirkt, muss sich erst noch zeigen. Für das Spiel gegen Nürnberg funktionierte es am Freitagabend jedenfalls. Der Titelverteidiger setzte sich gegen die Franken mit 5:2 (0:0, 3:0, 2:2) durch, der Start ist gelungen.

Schweigeminute für Absturzopfer

Es war aber auch ein Beginn mit traurigen Momenten. In Berlin und allen anderen Arenen der Liga gedachten Fans und Mannschaften dem in der vergangenen Woche durch einen Flugzeugabsturz ausgelöschten Team von Lokomotive Jaroslawl, dem auch der deutsche Nationalspieler Robert Dietrich angehörte. Bilder der Opfer waren auf dem LED-Würfel der O2 World zu sehen, Berliner Anhänger hielten die Rückennummern der verunglückten Spieler hoch, alle schwiegen eine Minute lang. Dann fiel der Puck.

Das konnten die 14.200 Zuschauer in der Arena diesmal viel intensiver erleben. Das, aber auch jedes Kratzen der Kufen auf dem Eis, jedes Krachen an der Bande, jedes Knallen, wenn die Schläger den Puck berühren. Denn die Eisbären ließen in der Arena vier spezielle Mikrofone anbringen am Plexiglas, um die Aktionen auf dem Eis besser bis in den letzten Winkel der riesigen Halle transportieren zu können. Es wird ja immer als Makel in diesen modernen Stadien betrachtet, dass die Zuschauer weit weg sind vom Eis und den Sport nicht mehr so hautnah erleben können, wie sie es aus den kleinen Hallen wie dem Wellblechpalast gewohnt waren. Diese Atmosphäre lässt sich nun wieder mehr nachfühlen.

Aber was noch viel mehr zählt, ist letztlich, dass die eigene Mannschaft gut spielt. Das taten die Eisbären. Und zwar mit Kevin Nastiuk im Tor. Der 26-Jährige hatte von Trainer Don Jackson den Vorzug erhalten vor dem langjährigen Stammtorhüter Rob Zepp. Der hatte in der Vorbereitung nicht den besten Eindruck hinterlassen, alle Spiele verloren, während Nastiuk sich in starker Form zeigte. Er enttäuschte den Trainer auch gestern nicht.

Im Prinzip traf das auch auf Darin Olver zu. Der war im Sommer zusammen mit seinem Augsburger Sturmpartner Barry Tallckson als Topscorer der DEL nach Berlin gewechselt. Und einen besseren Einstand, als der Schütze des ersten Saisontores der Berliner zu sein, hätte er sich kaum wünschen können. Er schob den Puck ins Netz, nachdem der Dritte in der Reihe, nämlich Florian Busch, zuvor gescheitert war (28.).

Eigentlich aber hätte man die Punktefabrik Olver/Tallackson als erste Sturmreihe der Eisbären erwartet. Nominell agierten sie jedoch als zweite, weil die Harmonisierung ihres Stils mit dem der Eisbären in der Vorbereitung noch etwas stockte. Auch gestern ließen sie noch Potenzial nach oben. Was anderen durchaus entgegenkam. So durfte die vierte Reihe der Eisbären, die Don Jackson normalerweise eher sporadisch bringt, sehr viel aufs Eis. Sie dankte es mit engagiertem Spiel, Sven Felski etwa war einer der aktivsten, er hatte Freude am Spiel, das schnell war, in dem die Berliner die älteste Mannschaft der Liga auch oft alt aussehen ließen mit ihrem Tempo. Es war meist ein Spiel auf ein Tor. Und Felski bereitete dabei den zweiten Treffer des Abends von Laurin Braun vor (37.).

Busch verwandelt Penalty

An sich hätten die Eisbären allerdings viel häufiger treffen müssen, doch vor dem Tor des guten Patrick Ehelechner wirkten sie ein bisschen einfallslos. Besonders, wenn sie mit einen Mann mehr auf dem Eis standen. Da Florian Busch jedoch eine ruhige Hand hatte und gute Nerven zeigte, als er nach einem Foul zum Penaltyschuss antrat, konnten die Berliner das Spiel dennoch frühzeitig entscheiden (40.).

Das sahen auch die Fans so, sie feierten den Sieg bereits zu Beginn des letzten Drittels. Nürnberg war einfach zu schwach, um sich effektiv zu wehren, daran änderten auch die beiden späten Treffer nichts. Dafür wurden Olver und Tallackson stärker, auch der zweite Ex-Augsburger traf noch am ersten Spieltag für sein neues Team, auf Vorlage von Olver. Wahrscheinlich könnten sich auch die Fans der Eisbären, für die André Rankel den fünften Treffer erzielte (58.), daran gewöhnen, Olver und Tallackson fleißig punkten zu sehen.