Eishockey

Bei den Eisbären wächst der Konkurrenzkampf

Der Eishockey-Meister ist auf Rekordjagd und will in dieser Saison den sechsten DEL-Titel holen. Der Kader ist mehr als gut besetzt und so ist der Konkurrenzkampf auch größer als je zuvor.

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Das erste Opfer gibt es schon, bevor die Saison überhaupt angefangen hat. Im Sommer wurde Toni Ritter als einer der Zugänge des EHC Eisbären präsentiert. Doch zwei Tage vor dem Start der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) schickte der Meister den Stürmer schon wieder weg. Vorübergehend zwar nur, der 21-Jährige wird für ein knappes Dutzend Spiele nach Krefeld ausgeliehen. Die Tendenz jedoch ist deutlich. Es wird schwer, in der neuen Saison seinen Platz zu finden im Kader der Berliner.

Nach den ersten Wochen der Vorbereitung ergibt sich beim EHC der Eindruck, dass der interne Konkurrenzkampf ein neues Niveau erreicht hat. „Der Druck innerhalb der Mannschaft hat sich noch einmal erhöht“, sagt Kapitän Stefan Ustorf. Der Mannschaft kann das nur gut tun, kein Spieler kann sich Pausen gönnen, nicht einmal im Training. „Auch dort ist die Qualität gestiegen“, hat Ustorf festgestellt. Es kommt dem schon ziemlich nah, was Trainer Don Jackson sich wünscht. Seine Spieler, sagt er, müssten den Willen haben, jeden einzelnen Tag die Besten zu sein. „Das ist für mich die wichtigste Voraussetzung, um erfolgreich zu sein“, so Jackson. Und nichts anderes als Erfolg wird nun mal erwartet bei den Eisbären.

So beginnt die Saison mit dem Spiel am Freitag gegen die Nürnberg Ice Tigers (19.05 Uhr, O2 World und Sky live) zwar neu, das Ziel aber bleibt das alte. „Ich will Meister werden“, sagt Ustorf. Die Eisbären peilen den sechsten Titel in der DEL an, es wäre der alleinige Rekord. Und in der ganzen Liga glaubt man, dass die Berliner in der Lage sind, ihn aufzustellen. Weil wieder sehr konsequent gearbeitet worden ist. „Manager Peter Lee hat wie immer sehr talentierte Spieler geholt“, erzählt Jackson, „ich muss ihnen jetzt nur beibringen, gut defensiv zu spielen.“ Und was es bedeutet, bei den Eisbären zu spielen. „Sie müssen diese Einstellung hier übernehmen“, so der Trainer.

Wer das nicht schnell mit seinem Talent in Einklang bringen kann, für den wird es schwer. Denn das Gedränge im Kader ist größer als sonst. Nominell stehen den fünf Abgängen bei den Eisbären dabei zwar nur fünf Zugänge von außen entgegen, von denen Darin Olver und Barry Tallackson aus Augsburg die prominentesten sind. Doch die Verwerfungen mit der Zweiten Liga, die nicht in den neuen Kooperationsvertrag zwischen Verband und DEL einbezogen ist, machen Probleme. Die Zweitligisten verweigern die Zusammenarbeit, Perspektivspieler, die aus dem Nachwuchs nachrücken, können nicht mehr „geparkt“ werden und müssen im DEL-Team untergebracht werden. „Es wird schwer für mich, für alle Eiszeit zu finden“, sagt Jackson. Selbst ein Denis Pederson, der nach seiner Knieverletzung zu Beginn des Jahres in der nächsten Woche erstmals wieder aufs Eis zurückkehren soll, kann nicht automatisch einen Platz in den gewohnten ersten beiden Reihen beanspruchen. Und das auch in der Abwehr einsetzbare EHC-Urgestein Sven Felski wird wohl öfter hinten spielen müssen, als dem Stürmer lieb ist.

Neben dem großen Konkurrenzdruck, der ebenso mit einer großen qualitativen Balance einhergeht, „noch ausgeglichener als zuvor“ sei die Mannschaft laut Kapitän Ustorf, wurde auch ein weiterer Schritt zur Verjüngung der Mannschaft vollzogen. Über 30-Jährige sind nur noch selten zu finden im Kader. Ebenso folgerichtig verlief die Entwicklung auf einer anderen Ebene. Die jahrelange Aufbauarbeit mit deutschen Spielern führt nun erstmals dazu, dass das gesamte Kapitänstrio aus einheimischen Profis besteht. Zwei davon, die Nationalspieler André Rankel und Frank Hördler, bildete der Verein selbst aus. Aus den einstigen Lehrlingen sind Lehrmeister geworden. Genau das war immer ein Traum von Manager Lee und ein Ziel des Klubs gewesen.

Die Frage ist jetzt nur, wie schnell es gelingt, die neuen Spieler, die zahlreicher sind als gewohnt, zu integrieren. „Die anfänglichen Probleme waren etwas größer als normal“, sagt Ustorf. Sorgen macht ihm das nicht, die Mannschaft sei „intelligent verstärkt“. Glaubt man dem Manager, war das unabdinglich, wenn der nächste Titel wahr werden soll. Denn, so empfindet es Peter John Lee: „Viele Teams sind besser als vergangene Saison.“