European Trophy

Pierre Pagé kehrt zu den Berliner Eisbären zurück

Nach seinem ruhmlosen Abgang 2007 kehrt Pierre Pagé am Freitag zum ersten Mal nach Berlin zurück. Mit Red Bull Salzburg geht es für den Ex-Trainer der Eisbären in der European Trophy gegen sein altes Team.

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Für André Rankel ist es nur ein Spiel, eines wie jedes andere. Das er gewinnen will, wie immer. Andere Dinge rund um dieses Spiel sind nicht interessant für den Stürmer des EHC Eisbären. Dass der Gegner am heutigen Freitag Red Bull Salzburg (19.30 Uhr, O2 World) heißt, egal. Dass deren Trainer Pierre Pagé heißt, egal. Dass dieser Trainer die Erfolgsära des Berliner Eishockey-Klubs begründet hat und Spieler wie Rankel nach vorn brachte, auch egal. „Für mich ist das kein besonderes Spiel gegen Pierre“, sagt Rankel.

Es gibt in der Mannschaft noch eine ganze Reihe von Spielern, die mit Pagé vor über sechs Jahren den ersten Titel der Eisbären in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) feierten. Aber sie alle denken so wie André Rankel. Pagé, inzwischen 63 Jahre alt, gehört zu der Sorte von Trainern, die recht rüde umgehen mit den Angestellten und deshalb nicht gerade beliebt sind. Anders als für die Profis wird die Rückkehr nach Berlin für Pagé dennoch ein sehr emotionales Erlebnis.

In der Stimme des Franko-Kanadiers liegt Traurigkeit. „Ich habe mich nicht gerade nach diesem Tag gesehnt“, sagt er. Seit seinem ruhmlosen Abgang 2007 hat er nie wieder einen Fuß in die Stadt gesetzt. Es hat sich nicht ergeben. Wiederkommen wollte er schon irgendwann, „aber nur, um Freunde zu besuchen, nicht um gegen die Eisbären zu spielen“. Denn das bedeutet für ihn auch viel Schmerz.

Pierre Pagé ist nämlich ein Mann mit großer Leidenschaft, jemand, der gern in großen Dimensionen denkt und oft auch weiter als andere. Berlin war für ihn lange der Ort, an dem er all das umsetzen konnte. „Wir hatten die Chance, andere Dinge zu machen“, sagt Pagé. Er brachte den Eisbären ein Konzept, das auf jungen Spielern und umfassender Ausbildung basierte, das ein schnelles und attraktives Spiel propagierte. Jedes Jahr ging die Entwicklung nach vorn und wurde mit zwei Meisterschaften gekrönt. „Berlin waren mit Abstand die besten Jahre meines Lebens“, sagt der Trainer heute. Sein Traum aber blieb trotzdem unvollendet.

Das ist es, was nun wehtut. Wer große Ideen hat, möchte auch eine große Bühne. Pagé wollte die Eisbären so einzigartig machen, dass sie nach dem Umzug von der kleinen Halle in Hohenschönhausen die O2 World ohne Probleme füllen. Alles kam, wie Pagé es vorhergesehen hatte, nur war er beim Umzug nicht mehr dabei. „Das macht es schwer für mich jetzt zurückzukommen“, sagt er. Seinen Traum leben nun andere.

Aber es ging einfach nicht mehr. Die Gräben zwischen Trainer und Mannschaft waren zu tief, auch auf Klubebene wurden die Differenzen immer größer. Pagé fühlte sich eingeschränkt. In Salzburg gewährte man ihm die Freiheiten, die er wollte. Dafür musste der Kanadier in Kauf nehmen, in einer international eher zweitklassigen Liga zu spielen. Und vor durchschnittlich 3000 Zuschauern, statt 14.000 in Berlin.

In drei seiner vier Spielzeiten in Österreich wurde er Meister. Red Bull ist eben der Krösus dort. „Gewinnen ist aber auch hier schwierig und hat nichts mit Geld zu tun“, sagt er. Stimmt, die New York Rangers bewegen seit vielen Jahren riesige Summen und holen doch nie den Titel in der NHL. Außerdem macht es sich Pagé nicht einfach, er arbeitet am liebsten mit vielen jungen Spielern. „Ich kann hier viel entwickeln“, erzählt er. Er lässt sogar die, natürlich jungen, Ausländer den ganzen Sommer über in Salzburg trainieren. Manchmal treibt er es soweit, dass Kritik aufkommt. Einst etwa, weil er in der Liga zu viele Talente spielen ließ und erfahrene Profis für den ebenfalls zweitklassigen Continental Cup schonte. Aber Pagé gewann diesen Cup.

An seinen einstigen Ansprüchen gemessen ist das nur wenig wert, er wollte die Eisbären zum besten Team Europas machen. Die sind ohne ihn ein gutes Stück des Wegs gekommen. „Die Eisbären sind eine große Erfolgsgeschichte“, sagt er. Mit Salzburg ist es nicht möglich, in solche Sphären vorzustoßen. Aber die Arbeit macht ihm Spaß dort. Und weil Red Bull ein großer Sportsponsor ist und das Finalturnier der European Trophy ausrichtet und bezahlt, ist sein Team dafür auch gesetzt. Die Eisbären mit Pagés Freund und Nachfolger Don Jackson (Pagé: „Wir sprechen öfter und tauschen Ideen aus.“) müssen sich den Platz dafür erkämpfen und brauchen nach zwei Niederlagen zum Auftakt gegen Salzburg unbedingt einen Sieg. Auch gegen Slovan Bratislava am Sonntag (17.30 Uhr, O2 World).

Pierre Pagé mag die European Trophy, sie passt zu seinem großen Denken. Sie gibt ihm auch die Möglichkeit, auf einem Niveau zu spielen, dass er sonst nicht erlebt mit Red Bull. Nun führt sie ihn nach Berlin und zeigt ihm, wo er sich immer gesehen hat mit den Eisbären.