European Trophy

Eisbären starten in neue Europa-Saison

In Schweden stellt sich der deutsche Eishockeymeister der internationalen Konkurrenz. Mit der European Trophy ist der Eishockey einen Schritt weiter, einen Wettbewerb auf europäischer Ebene auszutragen.

Foto: Massimo Rodari

Es ist schwierig, Peter John Lee von der Arbeit abzuhalten. Ein Nierenstein jedenfalls ist da nicht genug. Einen dreitägigen Aufenthalt im Krankenhaus bescherte ihm das lästige und vor allem schmerzhafte Ding, erst gestern früh wurde er entlassen. Auf dem Laufenden war er dennoch, seine Kommunikationshilfen hatte er ja schließlich dabei.

Ein bisschen blass um die Nase sah der Manager des deutschen Eishockeymeisters EHC Eisbären trotzdem aus, als er sein Team beim Vormittagstraining beobachtete. Lange stehen konnte er auch noch nicht. Doch an seinen Reiseplänen wird das nichts ändern. Er fährt am Mittwoch mit nach Schweden, den Auftakt der zweiten Saison der European Trophy will Lee nicht verpassen. Der Europapokal ist ja auch ein bisschen mit sein Kind. Und das ist ganz schön gewachsen. Waren vor einem Jahr noch 18 Mannschaften am Start, so sind es nun 24 Teams. „Das Interesse wird immer größer“, erzählt Lee.

Ein Schritt weiter

Seit Jahren denken er und viele seiner Kollegen darüber nach, wie im Eishockey auf europäischer Ebene geeignete Formen für ligaübergreifende Wettbewerbe aussehen könnten. Die vom Weltverband IIHF aufgelegte Champions Hockey League scheiterte ja nach nur einer Saison grandios. Mit der sachlicher und vor allem wesentlich kostengünstiger angelegten Variante der European Trophy sind die Klubs, die die Veranstaltung in Eigenregie ausrichten, nun einen Schritt weiter.

Vor allem dabei, dem Ganzen mehr Bedeutung zu geben. Bislang fand das Einladungsturnier, an dem aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) neben den Eisbären auch die Adler Mannheim teilnehmen, ausschließlich in der Vorbereitung auf die nationalen Ligen statt. „Jetzt wird das Finalturnier im Dezember ausgetragen. Damit konnten wir die Trophy etwas weiterentwickeln“, so Lee. Ein Äquivalent zu den kontinentalen Wettbewerben nach dem Vorbild anderer Sportarten ist damit zwar noch nicht geschaffen, die Verlagerung des Finalturniers soll aber mehr Aufmerksamkeit in der Eishockeykernzeit bringen – und Anstoß sein für eine weitere Ausdehnung des Spielplans. „Aber das alles ist ein Prozess, der Zeit erfordert“, erzählt Lee. Doch der Weg sei der richtige. Der Berliner Manager sagt: „Die Trophy ist eine gute Plattform, um unsere Sportart voranzubringen.“

Sportliche Qualität nicht ganz so hoch

Vorerst aber findet der überwiegende Teil der Trophy noch vor der Saison statt. Damit verbunden ist natürlich der Makel, dass die sportliche Qualität noch nicht ganz so hoch ist wie bei austrainierten Mannschaften.

Die Herangehensweise der Berliner, die am Donnerstag in Schweden bei Frölunda Göteborg antreten und am Sonnabend beim Meister Färjestads Karlstad, hat dennoch nichts mit Vorbereitung zu tun. „Wir betrachten das als Saisonbeginn“, sagt Lee. Der deutsche Meiste r würde zudem seinen Titel aus der Premierensaison gern verteidigen. „Die Motivation ist groß, für uns sind das keine Freundschaftsspiele. Für mich ist die Qualität ähnlich wie sie es in der Champions League war“, erklärt EHC-Stürmer André Rankel. Allein der Reiz, sich mit vielen der besten Mannschaften des Kontinents zu messen, sorge für hohe Leistungsbereitschaft. Aus den sechs teilnehmenden Nationen sind vier Meister dabei. Etwas verdrießlich ist, dass Mannschaften aus Russland und der Schweiz fehlen. Wobei die russischen Klubs mit ihren exorbitanten Etats ohnehin in einer anderen Liga spielen. Teilnehmer aus der Schweiz soll es im nächsten Jahr wieder geben.

Schwierig genug wird es für die Berliner aber schon diesmal, nach acht Gruppenspielen – weitere Gegner sind Red Bull Salzburg, Slovan Bratislava, TPS Turku, Tappara Tampere, Sparta Prag und Bili Tigri Liberec – müssen sie in ihrer Division mindestens Zweiter sein, um das Finalturnier in Salzburg und Wien zu erreichen. Vergangenes Jahr kamen bei weniger Teams noch die ersten vier aus zwei Gruppen weiter. „Diesmal wird auch niemand von unserem Spiel überrascht sein so wie im vergangenen Jahr“, sagt Manager Lee. Die Berliner werden also auf internationalem Niveau mehr gefordert sein. Das kann sich später in der DEL als hilfreich erweisen.

Ein Drittel der Spiele im Fernsehen

Unabhängig davon, ob die Eisbären im Dezember dabei sind, wird Lee das Finalturnier besuchen. Denn es wird nicht nur gespielt, sondern auch wieder viel über die Zukunft geredet, über weiteres Wachstum und mehr Spiele in der Saison. Die Akzeptanz ist jetzt schon deutlich gestiegen, ein Drittel aller Partien werden im Fernsehen übertragen, wenn auch vorerst nicht in Deutschland. Lee denkt aber, dass bereits die erste Teilnahme spürbare Auswirkungen hatte: „Sicher hat sie dazu beigetragen, dass die mediale Aufmerksamkeit bei unserer fünften Meisterschaft im Frühjahr so hoch wie noch nie war.“

Ob eine weitere Expansion überhaupt möglich ist, hängt derweil von mehreren Faktoren ab. Die IIHF sieht die Trophy mit Misstrauen, da sie nicht unter ihrem Dach organisiert ist. Die Zusammenarbeit gestaltet sich schwierig. Zudem will die pan-russische KHL mehr europäische Klubs aus den nationalen Ligen herauslösen und in den eigenen Spielbetrieb integrieren. „Davor haben alle bei uns die größte Angst. Das würde das europäische Eishockey kaputt machen“, sagt Lee, dessen Klub selbst regelmäßig mit der KHL in Verbindung gebracht wird. Eine nach und nach sich entwickelnde European Trophy hält der Manager für das beste Modell, nationale und internationale Wettbewerbe zu kombinieren.