Eishockey

Berliner Eisbären zweifeln an Trainer Don Jackson

"Wir sind momentan auf keinem guten Weg", muss Eisbären-Coach Don Jackson zugeben. In dieser Saison wurden mehr aufeinanderfolgende Spiele verloren als gewonnen. Der Trainer kann die Gründe für das inkonstante Agieren der Mannschaft nicht genau orten.

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Nach einer halben Ewigkeit ohne eigenen Treffer hätte sich Frank Hördler natürlich ein bisschen freuen können. Gegen die Krefeld Pinguine gelang ihm ja wieder, was sonst so selten bei ihm passiert: Er schoss ein Tor. Aber es bedeutet eben nicht so wahnsinnig viel, wenn am Ende doch wieder nur eine Niederlage steht, 2:3 nach Penaltyschießen unterlagen die Eisbären und Hördler fand: „Es macht zur Zeit keinen richtigen Spaß.“

Der Verteidiger der Berliner ist nicht der einzige, dem es so geht. Alle fühlen sich irgendwie unwohl, weil sich die Siegesroutine, an die man sich so gewöhnt hatte, einfach nicht einstellen will. „Wir sind momentan auf keinem guten Weg“, gestand auch Trainer Don Jackson ein. In dieser Saison wurden mehr aufeinanderfolgende Spiele in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) verloren als gewonnen. Das kennt man nicht von den Eisbären, und das wiederum hat Nachwirkungen.

So würde Jackson etwa gern seinen Vertrag, der am Saisonende ausläuft, lieber heute als morgen verlängern. „Wir haben schon einige Gespräche darüber geführt“, sagt Manager Peter John Lee. Nachgekommen ist er dem Wunsch des Trainers allerdings nicht. Eine Entscheidung über eine weitere Zusammenarbeit zu treffen, sei schwierig in so einer Phase, so Lee. Denn die Gründe für das inkonstante Spiel der Mannschaft kann er nicht genau orten. Es fehlen ständig viele verletzte Profis. Wie die Mannschaft agieren würde, wären alle an Bord, weiß Lee nicht. Dem Trainer will er das nicht anlasten.

Kein Freispruch für den Trainer

Freisprechen will er ihn aber auch nicht. Lee trägt Zweifel mit sich herum, scheint ein bisschen unsicher zu sein. Jackson ist in seinem vierten Jahr der Cheftrainer der Eisbären. In so langer Zeit können sich Dinge abnutzen. „Wir wissen, wie es bei Pierre gewesen ist“, sagt Lee. Pierre Pagé arbeitete vier Jahre lang erfolgreich, im fünften Jahr kam der Absturz, das Viertelfinale fand ohne die Berliner statt. Das möchte Lee auf keinen Fall noch einmal erleben. Auch dieser Gedanke lässt den Manager zögern. Er geht erstaunlich offen damit um, obwohl er eigentlich nie über Verträge redet, während die Saison noch läuft. Am liebsten würde er erst nach der Saison über Jacksons Kontrakt entscheiden, da lässt sich vieles klarer beurteilen. Nur könnte es dann zu spät sein, einen geeigneten Ersatz zu finden. Die sensible Personalie des Cheftrainers wird den Manager also noch sehr intensiv beschäftigen in den nächsten Monaten.

Natürlich auch den Trainer selbst, auch für ihn ist die Situation nicht angenehm. Die Mannschaft kommt nicht in Schwung, die Verantwortung dafür liegt letztlich bei ihm. „Wir müssen wieder die Dinge machen, die uns erfolgreich gemacht haben“, sagte er nach der Partie gegen Krefeld. Er nutzte die Gelegenheit, um ein paar grundsätzliche Sachen loszuwerden, forderte die jungen Spieler auf, sich mehr zu entwickeln, verlangte mehr Disziplin und keine Racheakte nach Fouls, die wie gegen Krefeld aus einem vermeintlichen Vor- schnell einen Nachteil machen. Jackson sprach von Teams, die in jedem Jahr anders sind, davon, dass man sich mehr um die Schiedsrichter kümmern müsse, wenn Eishockey in Deutschland ein wichtiger Sport sein soll. So viel zu erzählen, ist an sich nicht die Art des Trainers. Manchen kam es daher fast wie eine verfrühte Abschiedsrede vor. Vielleicht lag es aber auch nur an der Weihnachtszeit, in der ja oft mal ein bisschen bilanziert und alles in einem größeren Rahmen betrachtet wird.

Das tut auch Lee, er lässt den Moment aus dem Blick. „Egal, was passiert“, sagt er, „Donnie hat uns viel gegeben.“ Ob noch etwas dazukommt, hängt sehr stark davon ab, ob die Eisbären alsbald den vermissten Spaß wiederfinden.