Eisbären

Wie Kapitän Ustorf die Entwicklung des EHC sieht

Die Meisterschaft ist ausgiebig gefeiert worden. Rückblickend haben sich die Eisbären vorbildlich weiterentwickelt. Nicht zuletzt wegen dem mutigen Aufbau der Nachwuchsspieler, meint Stefan Ustorf in einem Gastbeitrag für Morgenpost Online.

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In dieser Saison kam oft das Thema Umbruch auf. Grundsätzlich können sich die Eisbären dem nicht verschließen, der muss ja irgendwann passieren. Wir Älteren können ja nicht ewig weiterspielen. Nur wird dieser Umbruch mit Sicherheit nicht so gravierend ausfallen, wie jeder sich das denkt oder vorstellt. Denn im Endeffekt passiert er doch sowieso schon über Jahre hinweg sehr kontinuierlich. Spieler wie Florian Busch, André Rankel, Jens Baxmann und Frank Hördler bilden schon jetzt den Kern der Mannschaft.

Wenn man schaut, wo sie angefangen haben, dann ist das eine großartige Entwicklung. Der beste Weg, um die Arbeit des Vereins in dieser Hinsicht richtig zu würdigen, ist zu sagen, dass alles einfach vorbildlich war. Ich meine damit zum einen den Mut zur konsequenten Ausbildung und Einbindung des Nachwuchses, aber auch die gute Auswahl der erfahrenen Spieler und das Ziel, das alles wachsen zu lassen. So baut man eine Mannschaft auf, die lange eine Chance hat, oben mitzuspielen. Es geht nur so, du kannst nicht jedes Jahr 15 neue Leute holen und erwarten, dass du ständig eine funktionierende Einheit in der Kabine sitzen hast. Das braucht Zeit. Und es läuft auch nicht immer ohne Probleme.

Aber das Schöne ist, dass wir mit Peter John Lee einen Manager haben, der ganz klare Vorstellungen und Pläne hat. Diese lässt er seine Angestellten auch verfolgen, er lässt einen einfach arbeiten, weil er Ahnung hat vom Eishockey. Der Erfolg gibt ihm Recht. Deshalb überrascht es mich sehr, dass lange niemand versucht hat, den Weg der Eisbären zu übernehmen. Ich habe bei den ganzen Vereinen, für die ich in meiner Karriere gespielt habe, nirgends so einen konsequenten Aufbau erlebt.

Mit vielen jungen Spielern in einer Mannschaft gestanden habe ich dagegen in Nordamerika schon. Da wechseln die Gesichter ziemlich schnell. Eine Zeit lang war es bei uns ähnlich. Da hat Trainer Pierre Pagé viel probiert. Oft auch viel zu viel. Teilweise hatten wir Jungs dabei, die für fünf Spiele im Kader standen und nicht einen einzigen Wechsel auf dem Eis hatten. Das hilft auch keinem weiter. Ebenso wenig wie 60 Spieler im Kader zu haben, von denen viele nur Namen auf dem Papier sind. Was immer gut funktioniert hat, waren die Kooperationen mit den Eisbären Juniors oder auch den Zweitliga-Teams. Spielern wie Dominic Bielke, Patrick Pohl und Laurin Braun half es, sich zu entwickeln, wenn sie bei uns nicht richtig zum Zuge gekommen sind.

Gerade von Pohl erwarte ich Riesensprünge nächstes Jahr, weil er ein sehr talentierter Junge ist. Die Voraussetzungen stimmen, zumal durch die hohe Qualität in der Mannschaft auch die Leistungsbereitschaft im Training schon höher ist als anderswo. Zudem waren wir Älteren immer welche, die gern trainiert haben, die sogar etwas extra gemacht haben. Da haben die Jungs auch etwas lernen können – und hart arbeiten, das tun sie wirklich. Wenn sie es weiter so machen, werden auch Spieler wie Daniel Weiß und Laurin Braun mal tragende Rollen spielen. Ob sie mal in die Kategorie von Busch und Co. aufsteigen, weiß ich nicht. Denn die sind einfach Extraklasse.

Das ist etwas, dass man wirklich einmal so sagen muss. Es wäre nicht klug, jeden Nachwuchsspieler nun mit Rankel, Hördler oder Baxmann – die alle aus diesem 85er Jahrgang, von dem viel gesprochen wird, stammen – zu vergleichen. Diese vier sind außergewöhnliche Eishockeyspieler. Da brauche ich nicht Pierre Pagé anzuschauen, dass er das so toll gemacht hat. Da brauche ich auch nicht Don Jackson anzuschauen. Die vier sind deshalb da, wo sie sind, weil sie so gut sind. Die Organisation, auch die Trainer, hatten einfach viel Glück, dass sie solche Spieler bekommen haben. Denn junge Spieler werden immer irgendwo ausprobiert – und immer kommt es vor, dass einer ein tolles Jahr hat, aber drei Jahre später wie vom Erdboden verschwunden ist. Diese Jungs aber sind etwas Besonderes, und das werden sie auch noch ganz lange bleiben. Als Aushängeschilder im deutschen Eishockey, die auf Jahre hinweg diese Liga beeinflussen werden.

Ich glaube auch, dass sie das noch lange für die Eisbären tun werden. Sie hätten alle längst weg sein können, denn nach ihnen lecken sich die anderen Vereine die Finger. Die will jeder haben, denn sie sind fünfmal Meister, Führungsspieler und stehen in wichtigen Situationen auf dem Eis. Tatsache ist aber auch, dass alle wissen, was sie an Berlin haben. Sie werden hier immer mit einem schlagkräftigen Team spielen können. Das ist wichtig, denn du spielst ja auch, um etwas zu gewinnen. Da ist Geld nicht immer alles. Klar, es ist auch wichtig. Aber ginge es ihnen nur darum, wären sie vielleicht schon weg.

Doch es gibt ja nicht nur die vier, Rob Zepp und T.J. Mulock sind weitere Spieler, die diese Liga prägen können, Constantin Braun nicht zu vergessen. Irgendwann fragt keiner mehr nach Ustorf oder Denis Pederson, wir sind dann einfach weg. Aber auch danach geht es weiter, da brauchen sich die Fans hier in Berlin keine großen Gedanken zu machen. Die Organisation und die Mannschaft sind in guten Händen.