Am Samstag

Eisbären feiern ihren Meistertitel mit Autokorso

Nachdem die Eisbären sich zum fünften Mal den deutschen Eishockey-Titel gesichert haben, gab es nicht nur Pfiffe der enttäuschten Wolfsburg-Fans, sondern auch eine Party auf dem Eis. Jetzt soll der Triumphzug am Samstag mit einem Autokorso durch Berlin fortgesetzt werden.

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Das beste deutsche Eishockey-Team des neuen Jahrtausends hat nach einem Jahr Pause seinen Beutezug fortgesetzt: Die Eisbären Berlin sind nach 2005, 2006, 2008 und 2009 zum fünften Mal Deutscher Meister.

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Es war gegen halb vier, als Don Jackson ein bisschen frische Luft brauchte. Also ging er vor die Tür, da war alles ruhig, während in der O2 World noch das meisterliche Unterhaltungsprogramm für die Fans des EHC Eisbären lief. In der Hand hielt der Trainer eine Flasche Wasser, er lächelte über das ganze Gesicht und schüttelte immer wieder den Kopf, permanent ein Wort wiederholend: „Unglaublich.“

Zum dritten Mal in seinen vier Jahren bei den Berlinern hatte der 54 Jahre alte US-Amerikaner die Ehre, den Meistertitel in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) zu feiern. Und als wollte er genau auf diese Zahl hinweisen, wurde Jackson in Wolfsburg direkt nach dem 5:4 gegen die Grizzly Adams im dritten Finalspiel mit drei Bierflaschen auf einmal im Arm gesichtet. Doch um ihn selbst ging es ihm gar nicht. „Ich freue mich für die Spieler, dass sie Erfolg haben“, sagte der Trainer.

Schlechte Wolfsburger Verlierer

Feiertechnisch war dieser Erfolg durchaus eine Herausforderung. In Wolfsburg, beim Finalneuling, mussten die Berliner, die ihren insgesamt fünften Titel in der DEL errangen und den Rekord der Adler Mannheim einstellten, viele hässliche Schmährufe der gegnerischen Fans ertragen, als sie die Trophäe überreicht bekamen. „Das ist oberpeinlich. So etwas wie hier habe ich noch nie erlebt“, sagte EHC-Stürmer Sven Felski. Wirklich gestört hat das aber niemanden bei den Eisbären, denn nach dieser Saison voller Schwankungen fühlte sich die Meisterschaft einfach zu schön an, um sich mit Enttäuschten herumzuärgern. „Das ist einfach überragend, charakterlich war das ganz groß“, erzählte Stürmer André Rankel, der bei den Eisbären einer der herausragenden Spieler war.

Erst als er den Schläger mit dem Mirkofon tauschen musste, wirkte er unbeholfen. „Ich bin kein Mann der großen Worte. Sven ist es“, sagte Rankel und überließ es Sven Felski, dem Publikum die Nacht zu verschönern.

Gegen drei Uhr erst tauchte der Feiertross aus Wolfsburg in der Berliner Arena auf. Dort harrten noch immer gut 1000 Fans aus, um den Meister zu feiern. „Ganz nebenbei, es ist zehn vor drei. Das ist ganz großer Sport“, sagte Kapitän Stefan Ustorf. Mit Bier und Zigarren stand die Mannschaft da auf dem Eis und bespaßte die Anhängerschaft noch eine Stunde lang. Zum Showprogramm gehörte auch eine Frisöreinlage von Constantin Braun, dem Schützen des Meisterschaftstreffers, der den Kopf seines langhaarigen Bruders Laurin mit einer Schermaschine bearbeitete. Doch wie Rankel schon sagte, am besten mit dem Publikum umgehen kann immer noch Felski, der Ur-Eisbär, der in seinen 36 Lebensjahren nie für einen anderen Verein spielte. „Der Pott ist wieder da, wo er hingehört“, schrie er und löste allgemeines Gegröle aus auf den Rängen.

Die Erfahrung war das Erfolgsrezept

Vermutet hätten den Pott dort die wenigsten nach zuvor durchwachsenen Monaten voller Kritik. Doch die Erfahrung der Berliner, die wie niemand sonst auf eine nachhaltige Teamentwicklung achten, zahlte sich im Play-off aus. „Die Jungs haben alles gegeben, sind immer mehr zusammengewachsen in der Saison. Jeder war ein richtiger Profi“, sagte Jackson anerkennend. Seine Jungs spielten in den entscheidenden Momenten ruhiger, cleverer, abgezockter als ihre Gegner. Sie wussten auf jede Situation eine Antwort.

Dahinter steckte aber auch sehr harte Arbeit. „Ich kann mich kaum noch bewegen“, sagte Florian Busch kurz nach dem Ende des Spiels und sah den Grund dafür weniger in der körperlichen als in der geistigen Beanspruchung in den vergangenen Wochen. Vielleicht war es sogar das bislang schwierigste Play-off überhaupt für die Eisbären, die als erste als Mannschaft ohne Heimvorteil eine Finalserie mit 3:0 für sich entschieden. „Wir mussten gegen den Ersten und den Zweiten spielen. Das hatten wir noch nie“, sagte Steve Walker. Trotzdem fiel der Jubel bei ihm und einigen anderen Eisbären-Profis, die am Ostersonnabend wieder im Autokorso durch die Stadt ziehen werden, nach fünf Meisterschaften schon ein wenig routinierter aus als in früheren Jahren.

Während die Berliner jetzt vor allem viel Spaß haben, stehen nun aber auch einige wichtige Entscheidungen bevor. Treffen muss sie Manager Peter John Lee. In manchen Punkten herrscht sogar schon Klarheit. Verteidiger Derrick Walser verlässt die Eisbären und geht in die Schweiz nach Rapperswil. Stürmer Alexander Weiß zieht es nach Köln, wo Noch-Bundestrainer Uwe Krupp die Regie übernimmt. Es waren noch einige Abgänge angekündigt. Felskis Plan war, mit dem fünften Titel aufzuhören, Walker (38) hatte ebenfalls vor, seine letzte Saison zu spielen. Doch beide haben es sich nun wieder anders überlegt. Selbst der Abgang von Jeff Friesen, der als nahezu sicher galt, ist es nun nicht mehr.

Olver und Tallackson kommen

Für Lee keine einfache Sache, Felski und Walker sind überaus verdiente Spieler. „Ich muss nachdenken, was gut ist für die Mannschaft“, sagt Lee, „es kommt auch darauf an, welche Rolle sie spielen wollen.“ Exklusive Ansprüche, gibt der Manager damit zu verstehen, wird er nicht akzeptieren. Zu wichtig ist es, den Umbruch, der mit der Übernahme von Führungspositionen zum Beispiel durch André Rankel (25) und Florian Busch (26) eingeleitet wurde, trotz des ganzen Jubels um die erneute Meisterschaft zu forcieren. Mit der Verpflichtung der Topscorer Darin Olver (26), der auch deutscher Nationalspieler ist, und Barry Tallackson (28) von den Augsburger Panthern tut Peter John Lee das auch.

Weniger absehbar ist dafür, wie sich die Frage um die Position des Cheftrainers entwickelt. Don Jackson, dessen Vertrag jetzt ausläuft, hatte viel Erfolg mit den Eisbären, so viel wie kein anderer Trainer vor ihm. Dennoch verlief die Saison so, dass sogar ein Schlussstrich seinerseits denkbar wäre. Obwohl der US-Amerikaner grundsätzlich gern in Berlin bleiben und Lee den Trainer auch gern halten würde – aber eben auch nicht um jeden Preis. „Wir können nicht jedes Jahr zehn Prozent mehr zahlen“, sagt er. Beide werden sich nun austauschen. Vielleicht stellt Jackson dabei fest, dass er nach den grandiosen Jahren mit den Eisbären einfach noch viel mehr frische Luft braucht.