Eisbären sind Meister

"Es ist ein Hammer, dass ich das erleben durfte"

Bei jedem Verein gibt es sie, die gute Seele des Klubs. Ohne Zweifel nimmt Hartmut Nickel diese Stelle ein beim EHC Eisbären. Mit Morgenpost Online spricht er über eine schwierige Saison, den Geist des Meisterteams und seine Zukunft.

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Der EHC-Assistenztrainer Hartmut Nickel kann auf fast 50 Jahre bei diesem Verein zurückblicken, er hat wirklich alles miterlebt bei den Berlinern und feiert nun seinen insgesamt 20. Meistertitel. Marcel Stein sprach mit dem 66-Jährigen über alte Ankündigungen, Erwartungen und Erleichterungen.

Morgenpost Online: Herr Nickel, haben Sie schon mal darüber nachgedacht, was Sie nach dem Sommer machen?

Hartmut Nickel: Müssen Sie gleich auf die Wunde drücken?

Morgenpost Online: Nun ja, Sie sagten mal, Sie würden nach fünf Meistertiteln, inklusive der aus DDR-Zeiten sogar 20, in Rente gehen. Der fünfte DEL-Titel ist nun da. Und Sie? Weg?

Nickel: Da gab es letztens einen lustigen kleinen Dialog zwischen meinem Schwiegersohn und meiner Enkeltochter. Nachdem mein Schwiegersohn sagte, dass ich aufhören würde mit dem Titel, überlegte sie und sagte dann: 'Nein, der Stefan Ustorf hat gesagt, solange er spielt, muss Opa auch weiterarbeiten.' Ich weiß ja, dass Stefan ein Jahr verlängert hat.

Morgenpost Online: Also geht es weiter?

Nickel: In gewisser Weise ist damit die Antwort gegeben. Ich kann den Stefan ja jetzt nicht in die Pfanne hauen.

Morgenpost Online: Nach dem vergangenen Jahr war so ein Finale nun nicht unbedingt zu erwarten, oder?

Nickel: Ich wusste, dass das Ausscheiden im Viertelfinale nicht unser Level war. Die Saison lieferte aber wenig Hinweise, dass am Ende der Titel herauskommen würde. Es war ein ziemliches Auf und Ab, da hat vieles nicht gepasst. Aber jeder in der Kabine, wirklich jeder, ist hier einen Schritt auf den anderen zugegangen. Daraus entwickelte sich ein exzellenter Teamgeist. Wenn das nicht da ist, dann kannst du 20Trainer haben, dann hast du keine Chance auf die Meisterschaft. Die Spieler haben so zusammengehalten, dass im Play-off überhaupt keine Unruhe aufkam. Das ist sehr charakterstark.

Morgenpost Online: Für die Gefühle bot diese Saison die ganz große Palette.

Nickel: Vergangene Saison haben wir lange viel durch Glück gewonnen. In dieser Saison war das nicht so, da hatten wir viel Pech und vor allem viele Verletzungen. Es war immer eine gewisse Unruhe da, es wurde nur improvisiert. Diese Saison war eine Achterbahn.

Morgenpost Online: Was ging Ihnen denn durch den Kopf, wenn immer wieder neue Probleme auftauchten?

Nickel: Was Gutes war es nicht, weil ich immer an das Saisonende zuvor denken musste. Wir hatten viel Stress, viel Druck, da fragte ich mich öfter, ob ich mir das noch antun muss. Dabei wollte ich doch nur noch einmal Spaß haben. Der war aber lange Zeit nicht zu erkennen.

Morgenpost Online: Doch er kam zurück. Wann haben Sie ihn wieder bemerkt?

Nickel: Mit dem Start des Play-off wurde ein neuer Geist geboren. Sicher auch durch den Erfolg. Die Mannschaft ist in eine Konzentrationsphase eingetreten, die so in der langen Saison gar nicht abzurufen ist.

Morgenpost Online: Welcher der Erfolge wird denn bei Ihnen in besonderer Erinnerung bleiben?

Nickel: Alle haben ihren besonderen Reiz. Den ersten Titel im Welli werde ich nie vergessen. Wir sind vorher so oft hingefallen und immer wieder aufgestanden, waren fast pleite, und dann holen wir den ersten Pott mit NHL-Profis wie Erik Cole. Genauso werde ich immer an den ersten Titel in der O* World zurückdenken, den wir direkt nach der letzten Meisterschaft im Welli gewonnen und damit eine Brücke gebaut haben zwischen Hohenschönhausen und Friedrichshain. Die fünfte Meisterschaft hat nun mit einem Jubiläum zu tun, auch damit, dass ich schon im Pensionärsalter bin.

Morgenpost Online: Aber das schreckt Sie ja wie gesagt nicht ab, noch etwas dabei zu bleiben.

Nickel: Ein paar kleine Faktoren gibt es schon noch. Zuerst mache ich das von der Gesundheit abhängig. Magische Zahlen ergeben sich ja dauernd. Ich könnte sagen, ich mache bis 2013 weiter, weil ich dann 50 Jahre im Leistungssport bin. Oder ich mache bis 2015, weil ich dann 70 bin. Aber das wäre Quatsch. Jetzt kommt der Sommer und dann schauen wir. Wenn ich weitermache, werden viele glücklich sein, andere werden mich für bekloppt halten. Aber es macht eben noch Spaß.