Play-off-Finale

Eisbären stehen kurz vor der Meisterschaft

Nach dem zweiten Sieg im zweiten Finalspiel (5:4) gegen Wolfsburg müssen die Berliner von den verbleibenden drei Partien nur noch eine gewinnen. Don Jacksons Team wirkt nervenstark - und das stimmt optimistisch.

Einen der Grundgedanken des Mannschaftssports erläuterte Florian Busch noch einmal sehr deutlich, als er nach dem zweiten Finalspiel ein bisschen darüber plaudern sollte, wie denn alles so gewesen war beim 5:4 (1:1, 2:1, 2:2) gegen die Grizzly Adams Wolfsburg. Ob er sich denn über seine beiden Tore ganz besonders freuen würde, zumal sein letzter Treffer der entscheidende war und dem EHC Eisbären den zweiten Sieg brachte in der „Best of five“-Serie. „Wenn ich beim Tennis vier Asse geschlagen hätte, würde ich mich darüber freuen“, sagte Busch. Mit anderen Worten: Seine Tore waren zwar schön, zuallererst aber für das Team und nicht für ihn selbst. „Wer die Tore schießt, ist doch egal“, so Busch.

Wichtig ist aus Sicht der Eisbären vor allem, dass sie einen Treffer mehr erzielen als der Gegner. Das gelingt ihnen gerade so zuverlässig, dass sie nur noch einen Sieg davon entfernt sind, sich den fünften Titel in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) innerhalb der vergangenen sieben Spielzeiten zu holen. Vier Spiele in Folge haben sie gewonnen, seit sie im Halbfinale gegen Düsseldorf noch mit 1:2 Siegen mit dem Rücken zur Wand standen. Dass die Frage der Torschützen dabei eine sekundäre ist, zeigte gerade diese Partie. Drei der vier Sturmreihen trafen, dazu ein Verteidiger. „Das war ein großer Teamsieg“, lobte dann auch Trainer Don Jackson die Darbietung seiner Profis.

Im Vergleich zu den beiden zurückliegenden Partien war der Erfolg diesmal allerdings glücklicher. „Es hätte auch andersherum laufen können“, gestand Sven Felski, der mit seinem ersten Play-off-Tor in dieser Saison zum wichtigen 4:3 traf (51.). In den Auswärtsspielen, das erste davon noch in Düsseldorf, bestachen die Berliner durch ihre über die gesamte Spielzeit konzentrierte Vorstellung und ließen dem Gegner kaum eine Chance. Es war der Grundstein für den Finaleinzug und die nun hervorragende Position im Kampf um die Meisterschaft. Gestern allerdings mühten sich die Eisbären ein wenig.

Schon beim Einlaufen klappte nicht alles wie gewohnt. Während der Hallensprecher Torhüter Rob Zepp als ersten Berliner ankündigte, hatte sich die Mannschaft noch gar nicht unter dem großen aufblasbaren Eisbärenkopf aus Plastik eingefunden. Zurückhaltung war auch danach angesagt. Außer natürlich bei Bernd Römer, dem Gitarristen der Ostrockband Karat, der wie seit Jahren beim EHC üblich auch diesmal einen auf deutschen Jimi Hendrix machte und die beim Finale verbindliche Nationalhymne gewohnt ausdrucksstark intonierte. Auf dem Eis dagegen tasteten sich die Kontrahenten erst einmal ab, bedacht vor allem darauf, nicht den ersten bösen Fehler zu machen. „Mental ist das ganz schön anstrengend, denn es ist viel Taktik, die da mitspielt“, sagte Sven Felski.

Die Taktik der Berliner wurde zunächst durchkreuzt, als Ken Magowan in Überzahl für die Wolfsburger Führung sorgte (8.). Postwendend jedoch nutzten auch die Berliner ihr Überzahlspiel durch Busch (9.), so dass die Abtastphase ihre Fortsetzung finden konnte. Ein ungewohnt ruhiges Play-off-Spiel war die Folge, in dem die Berliner optisch leicht dominierten. Größer wurde der Unterschied zu Beginn des zweiten Drittels, als die Eisbären erneut ein Mann mehr waren auf dem Eis. Verteidiger Jim Sharrow erzielte dabei von der blauen Linie aus sein erstes Play-off-Tor in der DEL (23.). Kurz darauf traf André Rankel, wie gewohnt zuverlässig mit seinem mittlerweile neunten Treffer im Play-off, zum 3:1 (27.) – und alles sah nach einem lockeren Nachmittag aus in der mit 14.200 Zuschauern ausverkauften O2 World.

Dazu hätten die Berliner jedoch genauso konsequent weiterarbeiten müssen wie in den Partien zuvor. Daran hakte es diesmal aber ein stückweit. Einen Tick zu passiv wurden sie, obwohl Chris Schmidt schnell den Anschluss herstellte (28.). Wolfsburg hatte nun ein wenig mehr Platz und kämpfte angesichts der Situation auch stärker. Schließlich hat sich auch bei den Grizzly Adams herumgesprochen, wie gering die Chancen sind, wenn man erst einmal 0:2 zurückliegt in einer Serie. Nur ein einziges Mal gelang es einer Mannschaft, das noch zu drehen. Dafür machte Trainer Pavel Gross nach dem Spiel allerdings einen noch sehr zuversichtlichen Eindruck. „Meine Mannschaft ist gelaufen, sie hat alles gegeben. Noch ist nichts entschieden. Es geht weiter“, sagte er. In seiner Stimme schwang dennoch mehr Enttäuschung mit als Optimismus. Seine Mannschaft besaß nämlich gute Möglichkeiten, die Partie zu gewinnen, war zeitweise etwas besser.

Anscheinend aber befinden sich die Eisbären wieder in dieser Art von Siegermodus, der sie auch in ihren früheren Meisterjahren zu den Titeln getragen hat. Unbeirrt halten sie an ihrem Spiel fest, lassen sich auch von Rückschlägen wie dem 3:3 durch Norm Milley (41.) nicht vom Kurs abbringen. Ihr Selbstbewusstsein wirkt fast schon wieder einschüchternd auf den Gegner. „Das liegt sehr an der Erfahrung“, sagte Busch. Aber auch daran, dass die Berliner keine großen Experimente machen. „Wir spielen einfach: Scheibe tief und hinterher“, so Busch, dessen Mannschaft kurz vor Schluss in Unterzahl noch einmal ohne große Probleme heikle Minuten überstand. „Die Specialteams waren hervorragend“, sagte Jackson und wies damit auf einen der entscheidenden Faktoren des Spiels hin.

Nur noch eine Randnotiz ist, dass eben jene Specialteams in der Saison lange Zeit suboptimal agiert hatten. Im nächsten Aufeinandertreffen können die Eisbären nun bereits Meister werden. Das wäre morgen in Wolfsburg (19.35 Uhr, Sky live) und somit partytechnisch alles andere als ideal. Aber derart feiertaktisch denkt natürlich kein Spieler. „Also ich habe keinen Bock mehr auf ein viertes Spiel“, sagte Florian Busch. Die Serien zuvor waren anstrengend genug, da müsse das Finale nun nicht unnötigerweise in die Länge gezogen werden.