Eishockey

Trainer Jackson - mit Coolness zum Sieg

Der Sieg gegen Wolfsburg zeigt: Coach Don Jackson kann den Eisbären noch wichtige Impulse im Play-off geben. "Der coole Don" macht's vor - ohne Jammern kommt man weiter.

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In Pavel Gross brodelte es. Während des Spiels hatte sich etwas bei ihm angestaut. Als die Partie vorbei war, zögerte er dann nicht lange, das alles rauszulassen. Er regte sich auf über die Schiedsrichter, die seiner Meinung nach ein unterschiedliches Maß ansetzten und den Grizzly Adams aus Wolfsburg damit Chancen nahmen, die sie dem EHC Eisbären eröffneten. Während nun Gross seine Wut in Worte kleidete, stand gut anderthalb Meter entfernt Don Jackson. Der stieß zunächst, ganz leise aber, ein englisches Schimpfwort mit vier Buchstaben aus, als er hörte, was sein Trainerkollege da sagte. Dann grinste er bloß noch, ein bisschen sarkastisch, ein bisschen aber auch amüsiert.

Jackson lamentiert durchaus selbst gern einmal, in den vergangenen Monaten gehörten auch bei ihm die Schiedsrichter öfter zum Gegenstand der nachspielerischen Betrachtungen. Doch das hat sich gelegt, im Play-off der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) sind ihm andere Dinge, vor allem die eigene Mannschaft, wichtiger als Nebenkriegsschauplätze. „Wir könnten auch jammern“, sagte er lässig, „das ist doch in jedem Spiel das gleiche.“ Also lässt er es lieber.

Wie der Trainer des EHC Eisbären in den jüngsten Tagen auftritt, fasziniert schon. Eine Plaudertasche oder ein Entertainer war der 54 Jahre alte US-Amerikaner noch nie, er wird es auch nicht mehr werden. Das hat ihm seitens des Boulevards den Spitznamen „der stille Don“ eingebracht. Eigentlich müsste man ihn nun umtaufen, vielleicht in „der coole Don“, denn so viel Souveränität wie in diesen Tagen strahlte der Übungsleiter selten aus. Ein gutes Stück hängt das natürlich mit der Präsentation seiner Mannschaft zusammen. Erst erteilte sie den DEG Metro Stars im fünften Spiel in Düsseldorf eine Lektion. Gerade ließen die Eisbären die Wolfsburger im ersten Finalspiel eiskalt auflaufen. „Das war noch einen Zacken schneller als vorher und auch noch sehr viel körperlicher“, sagte Kapitän Stefan Ustorf. Der Vortrag der Berliner beim 4:2 war dabei so abgezockt, dass viele in der Wolfsburger Arena aus dem Staunen nicht mehr herauskamen. Nun sind plötzlich die Eisbären im Vorteil, mit dem Heimspiel heute können sie der „Best of five“-Serie schon eine vorentscheidende Richtung geben (14.35 Uhr, O2 World – ausverkauft, Sky live). Dass die Mannschaft so auftritt, wie sie es tut, liegt wiederum mit an Jackson. Jede Entscheidung, die er derzeit trifft, ist richtig. Sein Coaching von der Bank ist aktiver als je zuvor, er greift ins Spiel ein und lenkt es. Als „Trainer-Eiche“ wurde er daher schon betitelt. Als Mann, der seine ganze Erfahrung ausspielt und den Weg zum fünften Titel der Berliner weist. Lange sah es danach aus, als würde es gar nicht mehr dazu kommen, dass Jackson seine Titelsammlung erweitern kann. Er erlebt ein Jahr der Extreme, selbst der Fakt, der erfolgreichste aller EHC-Trainer zu sein, schützte ihn nicht vor harscher Kritik. An der sich sogar Spieler hinter vorgehaltener Hand beteiligten. „Im Sport geht es immer rauf und runter“, lautete ein Kommentar von Jackson dazu. Gewinnst du, wirst du gefeiert – verlierst du, wirst du gefeuert. Mit dem Gedanken, letzteres zu tun, beschäftige sich Manager Peter John Lee zuweilen. Im Spiel der Mannschaft hatten sich zu viele Baustellen ergeben, die nicht beseitigt werden konnten. Das führte zu einer Krisensitzung im November, wie es sie noch nicht gegeben hatte bei den Berlinern. Eine Stunde lang sagten sich in der Kabine alle die Meinung. Doch kaum etwas änderte sich. Als plötzlich Anfang Januar der Augsburger Trainer Larry Mitchell nach einem Spiel in Berlin in Anwesenheit von Jackson verkündete, er stehe in Kontakt mit Lee, merkte der US-Amerikaner, wie eng es für ihn war. Mit seiner stoischen Ruhe nahm er es hin, allein konzentriert auf seinen Auftrag.

Den zu erfüllen erleichterte sich deutlich durch die Rückkehr aller Spieler, von denen zuvor immer viele verletzt gewesen waren. Mit jedem Spiel nähern sich die Berliner ebenso wie ihr Trainer nun etwas mehr ihrer Hochform. Als hätten sie sich das Beste bis ganz zum Schluss aufgehoben. „Don leistet hervorragende Arbeit“, sagt Ustorf. Was diese am Ende bringt? Den Titel? Klar ist, Jackson hat das Theater in dieser Saison getroffen. Wie es heißt, habe er sich in der Schweiz nach einem neuen Job umgesehen. Ohne aber fündig zu werden. Über seine Perspektiven in Berlin redet er nicht öffentlich, auch Manager Lee verweist nur darauf, nach der Saison alles klären zu wollen. Erklären könnte er den Verlust eines Meistertrainers allerdings nur schwer.

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