Sieg in Wolfsburg

Eisbären machen ersten Schritt zum fünften Titel

Der EHC Eisbären ist erneut auf Titelkurs. Die Berliner gewannen in Wolfsburg trotz zweimaligem Rückstand mit 4:2. Vor allem Stürmer Andre Rankel sorgte mit einem Doppelpack für den Erfolg.

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Mit diesen Vorurteilen müssen sie leben, die Wolfsburger. Außer denjenigen, die sich dort vielleicht mal ein Auto abgeholt haben und die daher ein besonderes Glücksgefühl in Wolfsburg erlebten, weiß eigentlich niemand etwas richtig Erwärmendes über diese Stadt und ihre Bürger zu erzählen. Etwas steril, heißt es, sei es dort, die Leute zurückhaltend, nur schwer zu euphorisieren. Doch ganz so schlimm ist es eigentlich gar nicht. Wer in diesen Tagen einfährt in Wolfsburg, der wird an einer Brücke mit einem Plakat begrüßt, das von der Finalteilnahme der Grizzly Adams in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) kündet. Sogar Fahnen sind zu sehen in der Stadt. Und in die kleine Eisarena kamen so viele Zuschauer, dass sie ausverkauft war beim ersten Spiel gegen den EHC Eisbären.

Seltener als eine Hand Finger hat, ist das erst eingetreten, obwohl lediglich 4700 Besucher in die Halle passen. Das zeigt, dass sich die Wolfsburger durchaus begeistern lassen und sie ihren Eishockeyklub nun endlich ins Herz geschlossen haben. Selbst mit dem Pathos sind sie auf Augenhöhe. „Helden seid ihr schon! Jetzt werdet zu Legenden!“ hieß es auf einem Plakat in der Halle. Mit der Legendenbildung könnte es aber noch etwas dauern. Denn zunächst versetzten die Eisbären den Wolfsburgern ihre erste Niederlage in diesem Play-off, 4:2 (1:1, 1:1, 2:0) gewannen sie und liegen nun vorn in der „Best of five“-Serie, die morgen in Berlin fortgesetzt wird (14.35 Uhr, Sky live). „Wir haben es geschafft, immer wieder zurück zu kommen“, analysierte Sven Felski. „Das war der Schlüssel zum Sieg.“

Das Spiel zwischen den beiden Mannschaften bot mal wieder Anlass, über ein paar Dinge nachzugrübeln, die sich immer ergeben im Play-off und auf die eine Antwort vor allem eine Frage der Sichtweise ist. Während die Grizzly Adams den kurzen Weg gewählt hatten, um den größten Erfolg der Klubgeschichte mit dem Einzug ins Finale zu realisieren, mussten die Eisbären den langen nehmen. Das bedeutete sechs Spiele gegen neun Spiele oder eine Woche Pause gegen zwei Tage Pause. Wie sah es also aus mit Kraft und Rhythmus bei beiden? Und wie würde sich die Erfahrung von vier Meisterschaften des EHC auswirken gegen die Finalneulinge, die überhaupt erst seit vier Jahren in der DEL spielen?

Erst einmal überhaupt nicht. Genauso wenig, wie sich die unterschiedlichen Wege ins Finale bemerkbar machten. Weder hatten die Wolfsburger Probleme, in die Partie zu finden, noch hatten die Eisbären Mühe, das hohe Tempo der laufstarken Niedersachsen mitzugehen. Aufgrund dessen ergab sich ein Spiel auf enorm hohem Niveau, in dem beide Kontrahenten sich nie Zeit zum Durchatmen gönnten.

Die Eisbären agierten jedoch auch wieder mit der Ruhe ihrer Erfahrung. Wie zuletzt jedes Auswärtsspiel, begann auch dieses mit einem frühen Gegentor. Christopher Fischer überwand Torhüter Rob Zepp (3.), der trotz des Verlustes seiner Großmutter, die gerade verstorben ist, spielte. Schon da begannen die Fans der Wolfsburger, die wegen der Trikotfarbe der Grizzlies ein bisschen wirken, als wären sie eine Abordnung der Berliner Stadtreinigung auf Betriebsausflug, unentwegt von der Meisterschaft zu singen. Die gut 1000 Berliner Anhänger verschafften sich trotzdem Gehör. Besonders im Anschluss an das 1:1 durch André Rankel, nachdem Stefan Ustorf den Puck im Forechecking erkämpft hatte (14.).

Große Vorteile konnte sich aber niemand erarbeiten. Zwar waren die Grizzlies in der Hauptrunde am konstantesten und deshalb auch Erster. Das Leistungsvermögen jedoch ähnelt dem des Dritten ebenso wie die Spielweise. Nur in Nuancen unterscheiden sich beide. Weshalb letztlich nur winzige Fehler genügen, um dafür bestraft zu werden. Als etwa die Abwehr der Eisbären einen Moment unkonzentriert war und Tyler Haskins etwas Platz ließ, traf er zur erneuten Wolfsburger Führung (33.). Doch die konterten die Berliner ebenso. Nachdem Travis Mulock vom Wolfsburger Blake Sloan auf dem Weg zum Tor gefoult worden war, verwandelte Mulock den anschließenden Penaltyschuss (37.).

Seinen Charakter änderte das Spiel auch danach nicht. Noch nicht. Nach dem zweiten Treffer von Rankel zum 3:2 (46.), wurde es hitzig, die Faustgefechte nahmen zu. Sloan musste mit einer Spieldauerstrafe in die Kabine. Dann auch Rankel, weil Paul Traynor sich unfair mit ihm auseinandersetzte. Die Fans der Wolfsburger verloren trotz des Spielstandes und Ustorfs 4:2 (59.) nicht den Mut, sie lärmten bis zum Ende. Obwohl die Eisbären nun schon das neunte Spiel in Serie gegen die Grizzlies gewannen. Soll noch einer sagen, die Wolfsburger seien zu reserviert.