Play-off-Halbfinale gegen DEG

Walker rettet die Eisbären vor dem Ausscheiden

Eigentlich hatten die Eisbären das vierte Halbfinalspiel gegen die Düsseldorfer EG schon gewonnen. Doch zwei Gegentore in drei Minuten bedeuteten Verlängerung – in der sich die Berliner auf Oldie Steve Walker verlassen konnten. So kommt es am Dienstag in Düsseldorf zum Showdown.

Längst waren die Kollegen aufs Eis gestürmt, vollzählig näherten sie sich Steve Walker, jeder in der festen Absicht, den Kanadier als Erster zu umarmen. Bis sich die Schiedsrichter endlich bemerkbar machen konnten und dem Jubel die Substanz nahmen. Ungläubig drehten die Spieler des EHC Eisbären ihre Köpfe in Richtung der Referees, die sich noch einmal genau anschauen wollten, ob bei Walkers Treffer alles korrekt war. Statt feiern hieß es nun warten. Eine Minute, die sich anfühlte wie eine kleine Ewigkeit. Bis die Schiedsrichter nach dem Videobeweis wieder zurückkehrten auf das Eis und zur Spielfeldmitte zeigten. Der Jubel kam noch einmal durch, kurz nur, dann ging es in die Kabine. Vor allem aber geht es weiter, denn Walker bescherte den Eisbären mit seinem Tor zum 4:3 (0:0, 1:0, 2:3, 1:0) in der 74. Minute der Verlängerung ein fünftes Spiel im Halbfinale der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) gegen die DEG Metro Stars.

Als Held des Abends wollte sich Walker, so war er schon immer, nicht hinstellen lassen.

„Wir haben jetzt eine neue Chance auf ein neues Spiel. Das ist das Wichtigste“, sagte der Oldie im Team. Spät erst in der Saison war der inzwischen 38-Jährige nach Berlin zurückgekehrt, um ein letztes Mal mit den Eisbären um den Titel zu kämpfen. „Allein für dieses Tor hat es sich schon gelohnt“, so Walker. Es wahrte den Berlinern die Möglichkeit, ins Finale einzuziehen. Die Entscheidung darüber fällt am Dienstag in Düsseldorf im letzten Spiel der „Best of five“-Serie (19.35 Uhr, Sky live), die nun beim Stand von 2:2 nur noch eine „Best of one“-Serie ist.

Bisher war Walker nicht so sehr in Erscheinung getreten in diesem Play-off, wie man es von ihm gewohnt war in zehn Jahren mit den Eisbären. Sein Alter ist offenbar nicht ganz ohne Spuren an ihm vorbeigegangen. Erfahrung besitzt der Angreifer dafür umso mehr; er weiß, wann er wo zu stehen hat, wenn es eng wird. Eben wie in dieser Szene, als die Eisbären in Überzahl waren und damit die große Chance hatten, die Partie nach 74 aufreibenden Minuten zu beenden. „Das war wieder mal ein big goal von Steve Walker, wie er es schon oft gemacht hat in seiner Karriere“, sagte DEG-Trainer Jeff Tomlinson. Er wirkte gar nicht sonderlich enttäuscht, obwohl seine Mannschaft vor 14.200 Zuschauern in der O2 World sehr nah daran war, den Schritt in das Finale zu vollziehen.

Nicht zuletzt deshalb bezeichnete Eisbären-Trainer Don Jackson den Erfolg als „großen, emotionalen Sieg“. Denn es war ein Spiel, in dem die Vorteile zwischen beiden Mannschaften hin und her wogten, das die Nerven sowohl bei den Spielern als auch beim Publikum arg strapazierte. Letztlich war es eine Partie, die eine Mannschaft – besonders, wenn sie mit dem Rücken zur Wand steht wie die Eisbären, für die eine Niederlage das Saisonende bedeutet hätte – auch verzweifeln lassen kann.

Anfangs da taten sich die Eisbären schwer. Zweifelsohne hatte die Lage, in der sie sich befanden, den einen oder anderen im Team mehr beschäftigt, als er zugeben würde. Doch der verhaltene Beginn war nur ein Indiz dafür, dass etwas Angst durchaus dabei war bei den Berlinern. Ein anderes, noch deutlicheres war die schnelle Folge von Kontern, denen sich EHC-Torhüter Rob Zepp in den ersten Minuten gegenübersah.

Neben dem Können des Goalies gehörte auch Glück dazu, um nicht in Rückstand zu geraten. Es war eine heikle Phase, in der die Eisbären nicht viel mehr Erwähnenswertes hinbekamen als einen gewaltigen Schuss von André Rankel, der an die Latte krachte (6.).

Mit der Zeit aber fassten die Berliner, auch durch die gute Arbeit des Torhüters, mehr und mehr Selbstvertrauen. Sie traten sicherer auf, kontrollierten das Spiel und belagerten das Tor der Düsseldorfer. Entmutigen ließen sich die Eisbären nie, sie spielten nach vorn. Und fingen sich weiter Konter der schnellen Gäste ein. „Die Anspannung ist ständig gestiegen“, sagte Verteidiger Frank Hördler.

Sie löste sich kurz, nachdem Rankel den Puck mit einem Beinschuss bei DEG-Goalie Jean-Sebastien Aubin (37.) endlich im Tor unterbringen konnte. Für die emotionale Achterbahnfahrt blieb das aber nur eine Zwischenstation. Nach dem Ausgleich durch Andy Hedlund (44.) traf Rankel zum 2:1 (47.). In der Halle veranstaltete das Publikum nun so etwas wie ein Rankel-Mania, denn der Stürmer absolviert ein hervorragendes Play-off und war wieder der beste Spieler der Berliner. Doch die Stimmung litt auch schnell wieder, trotz des 3:1 durch den Kanadier Jeff Friesen (51.), der nach feinem Pass von Tyson Mulock traf. Denn nur drei Minuten später stand es 3:3. „Der glückliche Anschlusstreffer hat uns aus dem Rhythmus gebracht“, sagte Rankel.

Dass der sicherer Sieg so leicht aus der Hand gegeben wurde, machte auch Jackson nachdenklich. „Wir müssen mental besser werden“, sagte der Trainer.

Andererseits zeigten die Eisbären trotz ihres oft zu komplizierten und manchmal vor dem Tor zu wenig entschlossenen Spiel, was sich gerade in Überzahl als wenig hilfreich erweist, dass sie mit schwierigen Situationen umgehen und diese für sich entscheiden können. „Jeder hat seinen Teil beigetragen. Das ist ein Zeichen für ein großes Team“, sagte Steve Walker. Wie groß es wirklich ist, wird sich am Dienstag zeigen. Dann müssen die Berliner auch gegen die Heimstärke, die diese Serie bislang so prägte, ankämpfen, um ins Finale zu kommen.