Play-off-Halbfinale

5:1 - Eisbären melden sich gegen Düsseldorf zurück

Nach der Niederlage im Kampf um den Einzug ins Play-off-Finale haben die Berliner wieder Meisterqualitäten gezeigt: Der EHC gewann das zweite Halbfinal-Spiel gegen die Düsseldorfer EG mit 5:1.

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Sie mussten genau hinschauen, der Fall war äußerst schwierig zu entscheiden. War der Puck drin oder nicht? Mit dem bloßen Auge ließ sich darüber keine sichere Aussage treffen. Selbst auf der Videoaufzeichnung brauchten die Schiedsrichter gut fünf Minuten. Die Spieler des EHC Eisbären hatten ihre Arme zwar hochgerissen, doch der Puck lag seitlich außerhalb des Tores der DEG Metro Stars. In der Zeitlupe aber erkannten die beiden Referees, dass André Rankel den Puck so hart abgefeuert hatte, dass er die Maschen des Netzes durchschlug. Tor also, damit stand es 4:1. Alle Zweifel, dass die Eisbären am Sonntag erneut daheim antreten, waren verflogen.

Auf den Rängen der O2 World konnten die Fans das letzte Drittel des zweiten Spiels zwischen dem EHC und der DEG in der Halbfinalserie der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) relativ entspannt verfolgen. Die Eisbären mussten sich nicht mehr mühen, um die Partie 5:1 (2:1, 2:0, 1:0) zu gewinnen. Die „Best of five“-Serie, die morgen in Düsseldorf weitergeht, ist nun ausgeglichen, es steht 1:1.

Manchmal geht es nicht so sehr darum, ob die spielerischen Fähigkeiten ausreichen, um eine Partie zu gewinnen. Da sind die Nerven viel entscheidender. Ob der Kopf unter dem Druck der Situation es zulässt, dass die Fähigkeiten abgerufen werden können, zeigt sich dann. Besonders an solchen Tagen wie gestern. Denn die Gegebenheiten wollten es, dass die Berliner nach der Niederlage in Düsseldorf fast schon um jeden Preis einen Sieg brauchten, um nicht sehr bald den Urlaub antreten zu können.

Das kann auch durchaus motivieren, Adrenalin freisetzen. Davon schienen die Eisbären mit einem Überfluss auf das Eis gekommen zu sein. Der Puck war gerade eingeworfen, da trieb Verteidiger Constantin Braun ihn nach vorn. Nach einem Pass auf Jeff Friesen landete die Scheibe wieder bei Braun und er drückte sie ins Tornetz – nach nur 13 Sekunden. „Das frühe Gegentor hätte ein Weckruf für uns sein müssen. Doch das Gegenteil trat ein“, sagte Düsseldorfs Teamleiter Walter Köberle. Mindestens genauso überraschend wie das schnelle Tor war, dass Friesen in der Startformation stand. Aber Trainer Don Jackson hatte nach der ersten Partie angekündigt, ein paar Dinge ändern zu wollen. Dazu zählte, dass er die bisher glücklosen Sven Felski, Tyson Mulock und Friesen aus der dritten und vierten Sturmreihe in die erste beorderte. Sicher mehr ein psychologischer als ein taktischer Zug. Den Dreien jedenfalls verlieh er einen Schub, sie präsentierten sich besser als in den Spielen zuvor.

Einen Beitrag zur Beruhigung der Spiels konnten sie aber anfangs ebenso wenig leisten wie die frühe Führung. Auf dem Eis spielte sich ein hektisches Treiben ab, an dem sich beide Mannschaften lebhaft beteiligten. Statt Struktur und Ordnung gab es Fehlpässe und Missverständnisse zuhauf. Was zumindest bei den Berlinern wohl doch der Drucksituation geschuldet war. Um so mehr nach dem Ausgleich durch Simon Danner (13.).

Allerdings bekamen die Eisbären ihre Nerven wieder in den Griff – und auch die Düsseldorfer. Das lag vor allem daran, dass Derrick Walser noch vor der ersten Pause zum 2:1 traf (18.). Diesmal brachte die Führung Sicherheit,. Die Eisbären begannen, das Spiel gestalten. Sie liefen gut, schafften sich mit ihren Kombinationen Raum und erzeugten so Druck auf das Düsseldorfer Tor. Wie Stürmer Florian Busch, der hinter dem DEG-Gehäuse den Puck eroberte und schließlich zum 3:1 (30.) traf. Zurück auf der Bank legte Assistenz-Trainer Hartmut Nickel seinen Arm um Busch und flüsterte ihm ein paar Worte ins Ohr. Busch sah erleichtert aus.

Er konnte es auch deshalb sein, weil sein Team seine Linie nicht verlor. Die Eisbären hatten keine Mühe mehr, den Gegner in Schach zu halten. Zwar wehrte sich die DEG nach Rankels Treffer (38.) noch einmal etwas heftiger. Doch um wieder Ruhe hineinzubringen, nahm Trainer Jackson taktisch clever eine Auszeit (40.) und erzielte damit genau die gewünschte Wirkung. Für die weitere Serie dürfte diese Partie den Eisbären, bei denen Mads Christensen noch das 5:1 erzielte (48.), viel Selbstvertrauen bringen.