Play-off-Halbfinale

Eisbären spielen mit dem Rücken zur Wand

Nach der Niederlage im ersten Play-off-Spiel stehen die Berliner am Dienstag bereits gehörig unter Druck. Eine weitere Schlappe gegen Düsseldorf wäre fatal. Dennoch herrscht im Team gute Stimmung, sogar bei Florian Busch.

Foto: picture-alliance / Eibner-Presse / picture-alliance / Eibner-Presse/picture alliance

Das Eingreifen in die Tagesarbeit mit der Mannschaft gehört eigentlich nicht in das Tätigkeitsfeld eines Managers. Untätig aber wollte Peter John Lee nicht sein, nicht jetzt, nicht in dieser Situation. Also ging er auf Florian Busch zu und versuchte, dessen Sorgen schlicht wegzureden. Einfach „abhaken“ war die Botschaft des Managers. Raus aus dem Kopf mit den trüben Gedanken.

Davon hatten sich bei Busch einige angesammelt. Sein Fehler war es, der bei eigener Überzahl zum Gegentreffer führte und die Eisbären im ersten Duell mit den DEG Metro Stars zum Verlierer machte (2:3 n.V.). „Der Schock sitzt tief“, gab nach dem Halbfinalspiel in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) reumütig zu. Für eine solche Stimmungslage ist jetzt allerdings nicht die richtige Zeit, deshalb griff selbst der Manager ein in die Aufbauarbeit.

Es ist wohl das wichtigste Detail gewesen, mit dem sich die Berliner gestern beschäftigten: „Die Köpfe freikriegen“ (Lee). Mentale Belastungen können sie nämlich gar nicht gebrauchen. So viel steht auf dem Spiel am Dienstag, denn es könnte leicht passieren, dass es die letzte Partie der Saison wird in der O2 World (19.35 Uhr, Sky live). Zwei Siege brauchen die Düsseldorfer nur noch in der „Best of five“-Serie, um ins Finale einzuziehen.

Die Bedeutung dieses Heimspiels erschließt sich besonders eindrucksvoll aus der Geschichte der DEL. Erst ein einziges Mal gelang es einer Mannschaft, eine Serie nach zwei Niederlagen noch zu drehen. Der EV Landshut schaffte es 1995 im Halbfinale gegen die Krefeld Pinguine. „Darüber machen wir uns jetzt aber keinen Gedanken. Wir müssen nicht überlegen, was wäre wenn. Wir wollen dieses Spiel gewinnen“, sagt Lee.

Atmosphärische Störungen im Team sind trotz der Niederlage nicht wahrzunehmen. Busch musste seinen Fehler natürlich verarbeiten, ansonsten aber ist die Gemütslage recht positiv. Wozu das Spiel in Düsseldorf auch Anlass genug gab. „Wir waren zwei Drittel lang die bessere Mannschaft“, sagt Stürmer André Rankel. Nichtsdestotrotz gab es etwas zu für Don Jackson. „Wir mussten ein paar Dinge ändern“, so der Trainer. Er justierte Kleinigkeiten, die im Zusammenspiel große Wirkung entfalten sollen.

Am intensivsten widmete sich der Trainer dem Überzahlspiel. Es brachte keinen Erfolg im ersten Spiel, deshalb holte er sich jeden der Powerplay-Spieler einzeln zum Gespräch mit kombinierter Videoanalyse. Dort ging es um Pass- und Laufwege, Stellungsspiel, auch darum, solche Fehler wie von Florian Busch, der an der Blauen Linie stehend den Gegner anschoss und ihm einen Konter ermöglichte, dringend zu vermeiden.

Körper ins Spiel bringen

Empfohlen hat Jackson seiner Mannschaft auch, konsequenter zu spielen als in Düsseldorf. Denn der Grad des körperlichen Spiels erreichte dort bei weitem nicht jenen der ersten beiden Partien gegen Ingolstadt im Viertelfinale. Das haben auch die Berliner Profis selbst erkannt und hoffen, den Rheinländern damit etwas mehr zusetzen zu können. Als Problempunkt stellte sich bislang auch die dritte Sturmreihe mit Sven Felski, Tyson Mulock und Alexander Weiß heraus. Keiner von ihnen kommt bisher auf einen einzigen Punkt, dafür stehen sie oft bei Gegentoren auf dem Eis. Nicht ausgeschlossen ist, dass Jackson die vierte Reihe, die in Düsseldorf besser war, mehr einbezieht und die dritte dafür etwas weniger aufs Eis lässt oder beide Reihen durchmischt. Handlungsbedarf jedenfalls besteht durchaus.

Taktische Überlegungen spielen ebenso eine Rolle. Die Düsseldorfer verteidigen besonders nachdrücklich direkt vor dem eigenen Tor. „Wir müssen reagieren auf das, was sie machen“, sagt Lee. Diesen kompakten Defensivverband aufzubrechen wird ein wichtiger Schlüssel für die Berliner. Wie genau die taktischen Winkelzüge aussehen, wollen sie allerdings für sich behalten. Damit es auch wirklich eine Überraschung wird für die DEG.

Dort sehen die Düsseldorfer die Eisbären unter Druck, sie selbst dagegen „können befreit aufspielen“, wie Stürmer Daniel Kreutzer sagt. Für Lee hört sich das an, als wäre der Ausgang der Partie für die DEG ein bisschen egal. Was er nicht hinnehmen kann. „Jeder will das Spiel gewinnen. Wir müssen nur herausfinden, wer es am meisten will“, sagt Lee. Sollten es nicht die Eisbären sein, wäre das Saisonende nah und Lee müsste ganz viele trübe Gedanken vertreiben.