Eisbären

Coach Jackson trifft auf seinen Schüler Tomlinson

Zehn Jahre war Jeff Tomlinson in verschiedenen Funktionen für die Eisbären aktiv, bevor er 2010 als Trainer nach Düsseldorf wechselte. Nicht nur deshalb ist das Halbfinale gegen Berlin für den DEG-Coach etwas Besonderes.

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Das Spiel gab es doch schon, also auch die Geschichte. Deshalb findet Jeff Tomlinson die ganze Nummer langsam ein bisschen übertrieben. Zehn Jahre war er in Berlin, ging dann im vergangenen Sommer nach Düsseldorf, um seinen ersten Job als Cheftrainer in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) zu übernehmen. Alles, was er dazu brauchte, lernte er bei den Eisbären. Darüber musste Tomlinson viel erzählen in den vergangenen Tagen. Zu viel, für seinen Geschmack. Denn es gehe doch nicht um ihn, wenn die Eisbären ab Sonntag in Düsseldorf in die Halbfinalserie einsteigen (18.35 Uhr, Sky live).

Geht es auch nicht, nur sind die Verflechtungen der handelnden Personen in diesem Fall so stark wie nur selten. Fast fühlt man sich dazu hingerissen, diese Serie als ein Duell unter Freunden zu bezeichnen. Das aber kommt bei keinem gut an. „Wir sind Freunde, aber es ist ein Duell zwischen den Eisbären und der DEG“, sagt Tomlinson. In so einer Situation von Freundschaft zu reden, „mag ich nicht“, sagt Eisbären-Trainer Don Jackson: „Wenn der Puck fällt, sind die Gefühle nebensächlich.“ Dann sind die beiden vor allem eines: Kontrahenten.

Aber eben zwei, die sich verflucht gut kennen. Die auch über die jeweiligen Vereine alles wissen. Jackson (54) trainierte ja selbst mal die DEG, bevor er nach Berlin kam. Tomlinsons Beziehung zu den Eisbären ist trotzdem eine intensivere, weil sie sehr lang war. Und weil er in Berlin alle Voraussetzungen erlangte, um sich selbstständig zu machen.

Umfangreicher hätten die Facetten seiner Ausbildung kaum sein können als bei den Eisbären. Was dem 40-Jährigen offeriert wurde, nachdem er seine Karriere wegen eine Knieverletzung 2003 beenden musste, hatte fast den Charakter eines Studiums. Mit drei Lehrkräften für drei verschiedene Gebiete.

Das eine deckte Eisbären-Manager Peter John Lee ab. Mit ihm fuhr er etliche Kilometer durch Deutschland, um Talente zu sichten. Er zeigte ihm die organisatorische Ebene des Eishockeys, verschaffte ihm Engagements als Helfer bei verschiedenen Nationalmannschaften. Co-Trainer Hartmut Nickel brachte Tomlinson viel über Trainingsmethodik bei. „Und eine Menge deutscher Sprüche“, fügt Tomlinson hinzu. Jacksons Lehrfach war das Spiel an sich. „Wir haben viel über Eishockey-Philosophie geredet“, erzählt der Düsseldorfer. Den offensiven Stil aus Berlin brachte er mit zur DEG.

Zwischendurch ganz unten

Den dort zu etablieren, erwies sich als schwierig. Düsseldorf war vorher eine defensivgeprägte Mannschaft. Die Umstellung auf das neue System verlief nicht reibungslos, zwischenzeitlich Platz 13 war die Folge. Das hätte böse enden können, denn in Düsseldorf ist man traditionell schnell unzufrieden mit dem Trainer.

Genau das war so eine Befürchtung, die Nickel mit sich herumtrug. Ein früher Rauswurf im ersten Cheftrainer-Job wäre der Entwicklung wohl nicht förderlich gewesen: „Jeff hat gute Lehrjahre hinter sich, und das nicht irgendwo. Aber ich fand das etwas verfrüht. Ein Jahr hätte er noch üben sollen.“ Doch umso größer ist nun der Respekt vor seinem Mut und der Leistung. „Er ist das Risiko eingegangen und hat sich freigeschwommen“, sagt Hartmut Nickel.

Weniger skeptisch als Nickel waren Don Jackson und Peter John Lee. „Jeff ist klug, er weiß, was er tut“, sagt der Trainer der Eisbären. Als Eishockey-intelligent bezeichnet der Manager ihn. Aber ein gutes Verständnis des Spiels hätten viele, was Tomlinon auszeichnet ist, dass „er gut kommunizieren kann, er vermittelt seine Vorstellungen gut an die Mannschaft“, so Lee. Die Lehrer stellen ihrem Schüler sehr gute Noten aus. Der selbst sagt: „Ich habe immer gut aufgepasst.“

Es erleichtert ihm in der Serie nun die Arbeit. „Ich muss nicht alles von den Eisbären auf Video analysieren“, sagt Tomlinson. Er kennt ja schon alles. Jackson aber eben auch in Düsseldorf. „Es ist fast eine Pattsituation“, findet Nickel. Tomlinson hält dagegen, dass die Mannschaft der Eisbären viel tiefer besetzt ist und über mehr Play-off-Erfahrung verfügt, das habe er Jackson sogar per Telefon mitgeteilt. So viel weiß halt auch schon ein junger Trainer, dass es sich ohne die Bürde des Favoriten leichter leben lässt, die nach Platz zwei in der Hauptrunde ja eigentlich der DEG gebührt.

Obwohl er da mit den Düsseldorfern vor den Berlinern landete, sieht er die Eisbären weiter als Vorbildklub. Die Konkurrenz im großen Kader, das wünscht er sich auch mal bei der DEG. Genauso wie die starke Ausrichtung auf junge deutsche Spieler. Tomlinson mag es, ihnen etwas beizubringen. Seine Art dabei trägt auch Züge, die er bei Jackson wahrgenommen hat. „Ich schätze an ihm am meisten, dass er ein ehrlicher Typ ist“, sagt Tomlinson. Das gehört zur anderen Seite, zu der, die nicht direkt mit dem Spiel zu tun hat, sondern mit dem Umgang mit Spielern. Es ist ein vertrauter, ein persönlicher. Damit kommt er gut an bei den Profis.

Diese ganzen Verbindungen geben dieser Halbfinalserie eine außergewöhnliche Atmosphäre. Eine aggressive Stimmung wie in anderen Duellen will gar nicht aufkommen. „Ich freue mich, dass einer von uns das Finale erreicht“, sagt Jeff Tomlinson. Obwohl das vielleicht ein bisschen viel der gegenseitigen Sympathiebekundungen ist. Schließlich geht es auch hier darum zu gewinnen. Und der Neuling Tomlinson würde sich sicher noch mehr freuen, wenn er am Ende dem alten Hasen Jackson den Sieg abjagen würde.