Play-off-Viertelfinale

Thomas Greilinger ärgert die Eisbären Berlin

Dreimal trat der EHC Eisbären gegen den ERC Ingolstadt an im Viertelfinale der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), und immer setzte dieser Thomas Greilinger ihnen einen Puck ins Netz.

Foto: Bongarts/Getty Images

Jedes Spiel ein Treffer – so lautet die Bilanz von Thomas Greilinger. Dreimal trat der EHC Eisbären nun gegen den ERC Ingolstadt an im Viertelfinale der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), und immer setzte dieser Greilinger ihnen einen Puck ins Netz. Zweimal war es egal, beim dritten Mal aber erzielte der Stürmer den Siegtreffer zum 3:2 und sorgte dafür, dass die Berliner am heutigen Abend (ab 19.30 Uhr, hier im Live-Ticker von Morgenpost Online) noch einmal in Ingolstadt zum vierten Spiel der „Best of five“-Serie vorbeischauen müssen.

Peter John Lee stößt einen Seufzer aus, es ist eine Mischung aus Anerkennung und aus der etwas hilflosen Frage, was man gegen so einen Typen machen soll. „Den kann man nicht über 60 Minuten ausschalten“, sagt der Manager der Eisbären. In dem 29-jährigen Niederbayern aus Deggendorf steckt eben so viel Talent wie in nur wenigen Spielern in dieser Liga.

Erkannt wurde das schon früh, der Stürmer durfte bereits in jungen Jahren im Nationaltrikot auflaufen. Die ganz große Karriere, die ihm alle prophezeiten, die ergab sich für Thomas Greilinger trotzdem nie. Obwohl er so einen hohen Grad an Fähigkeiten in sich vereint, kam er nie dort an, wo ihn viele sahen: in der nordamerikanischen Profiliga NHL.

Zu sehr aufs Talent verlassen

Es ist ein Spruch, den man häufig hört im Sport: Mit Talent allein wird es niemand weit bringen. Greilinger weiß, wie viel Wahrheit diesen Worten anhaftet. „Ich habe mich damals zu sehr auf mein Talent verlassen“, hat er mal eingestanden, „ich war faul und schon ein Hallodri.“ Fitness, Leistungswillen und auch die Lust, sich zu schinden, all das war bei ihm nicht wirklich vorhanden. Dafür feierte er gern und ausgiebig.

Als der Körper dann auch noch Mätzchen machte, wurde es bitter. Nach einer schweren Knieverletzung hörte Greilinger im Alter von 24 Jahren auf mit dem Sport, nicht mit dem Feiern. Das ließ ihn aufgehen wie einen Hefekloß, gut 30 Kilogramm mehr – etwa 90 wiegt er normal – schleppte er mit sich rum. Kugelrund war er. Aus der Geschichte des großen Talents wurde eine Tragödie. Nach einiger Zeit aber auch ein Hollywood-reifer Stoff mit der Wandlung des Helden und einem Happy End. Irgendwann habe er ein „bisschen nachgedacht. Es ging um die Frage Büro oder Eishockey“, sagte er damals. Fortan unterzog er sich einem harten Konditionsprogramm, das Talent entdeckte die Arbeit und fing in der vierten Liga neu an.

Ein Fan des Konditionstrainings ist er immer noch nicht. Inzwischen aber weiß er, was alles dazugehört, um ein erfolgreicher Profi zu sein. „Es ist schade, was passiert ist, aber jetzt hat er alles im Griff“, sagt Lee, der ihn früher gern zu den Eisbären geholt hätte. Vor drei Jahren hätte der Manager den Mut aber wohl nicht gehabt. „Ingolstadt hat eine Chance gesehen, es hat sich für beide Seiten ausgezahlt“, erzählt Lee. Vergangene Saison war Greilinger der beste Torschütze der ganzen Liga.

Bei der WM im eigenen Land ließ ihn Bundestrainer Uwe Krupp trotzdem nicht mitmachen. Zu eindimensional fand er ihn, nur nach vorn orientiert. Es war ein erneuter Knick in seiner Vita, in die auch in dieser Saison Rückschläge einflossen. Nur 24 Partien konnte Greilinger in der Hauptrunde bestreiten. Auch deshalb dürfte der ERC Ingolstadt mit Platz sechs nicht so gut abgeschnitten haben, wie zuvor eigentlich erwartet worden war.

Aus dem Gleichgewicht geworfen hat ihn die Pause nicht. Greilinger kam zurück und traf wieder. „Er ist einfach ein Superspieler“, sagt Lee. Begeistert von seiner Trefferserie ist er deshalb noch lange nicht, schließlich wollen die Eisbären das Halbfinale erreichen. Um dorthin zu kommen, wäre es eine sehr erstrebenswerte Sache, Thomas Greilinger aus dem Spielfluss heraushalten zu können. Möglichst 60 Minuten lang. Auch wenn das eigentlich nicht geht.