Play-off-Viertelfinale

Eisbären verpassen vorzeitigen Halbfinal-Einzug

Sie machen es spannend: Durch ein vermeidbares Gegentor 56 Sekunden vor Schluss verloren die Berliner die dritte Partie gegen Ingolstadt mit 2:3. Besonders in Überzahl waren sie schwach. Noch führen die Eisbären in der Serie aber mit 2:1.

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Er saß da und wollte einiges loswerden. Die Arme vor sich verschränkt auf dem Tisch, entschlossen der Blick. „Ich habe drei, vier wichtige Punkte zu sagen“, hob Rich Chernomaz an. Der erste hatte mit dem EHC Eisbären zu tun, gegen den Trainer Chernomaz mit dem ERC Ingolstadt im Play-off der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) um den Einzug ins Halbfinale kämpft. Der zweite drehte sich um seine eigene Mannschaft. Zwar unterschied Chernomaz noch zwischen dem dritten und vierten Punkt, thematische handelte es sich jedoch um dieselbe Sache. „Das war eine absolute Schande für das deutsche Eishockey“, sagte er und meinte die Strafzeiten, die sein Team hatte hinnehmen müssen. Durch unfähige Schiedsrichter, wie Chernomaz durchblicken ließ.

Seine Beschwerden klangen dabei ein wenig wie die eines Verlierers, ein solcher aber war der Kanadier keineswegs. Die Eisbären waren wegen eines Treffers von Thomas Greilinger zum 2:3 (2:1, 0:1, 0:1) 56 Sekunden vor dem Ende die Unterlegenen. Erstmals im dritten Teil der „Best of five“-Serie verlor der EHC damit gegen den ERC, und statt mit dem dritten Erfolg ins Halbfinale zu rauschen, geht es nun am Dienstag erneut nach Ingolstadt.

Allerdings hätten sie sich das leicht ersparen können, zu leicht dank der Entscheidungen der Schiedsrichter, wie Chernomaz fand. Sechs Minuten vor dem Ende erhielten die Eisbären nämlich eine doppelte Überzahl für fast zwei Minuten. „Das war die Schlüsselsituation des Spiels, die müssen wir nutzen, das haben wir nicht gemacht“, sagte Eisbären-Kapitän Stefan Ustorf. Die verhängten Strafen jedoch empfanden selbst einige Fans der Eisbären als übertrieben, fast sogar am Rande der Benachteiligung des Gegners. „Das war eine Katastrophe heute Abend“, sagte Chernomaz dazu.

Es war bereits das zweite Mal gewesen, dass die Berliner für zwei Minuten mit zwei Spielern mehr auf dem Eis standen. Im ersten Drittel hatten sie diese Gelegenheit noch verwertet. Richie Regehr glich nach dem Überzahltreffer von Rick Girard (9.) zum 1:1 aus (11.). Allerdings waren die Eisbären im ersten Abschnitt insgesamt noch etwas konsequenter, was auch der Treffer von André Rankel zum 2:1 unterstrich (17.), als im weiteren Spielverlauf.

Seltsam aber mutete diese Partie schon nach dem ersten Bully an. Die beiden vorherigen Spiele lebten von so viel Leidenschaft und Dynamik. Diesmal schien das Feuer bei beiden Kontrahenten auf etwas kleinerer Flamme zu lodern. Das Knistern fehlte ein wenig. „Man kann nicht 60 Minuten mit 400 km/h über das Eis rennen“, sagte Eisbären-Angreifer Florian Busch. Trotzdem fand er, dass seine Mannschaft ein gutes Spiel abgeliefert und Ingolstadt im Griff gehabt hat.

Aber es häuften sich auch die Unzulänglichkeiten nach der ersten Pause. Die Pässe liefen öfter ins leere oder der Puck rutschte vom Schläger. „Wir haben viele kleine Fehler gemacht“, hat auch Torhüter Rob Zepp beobachtet. Oft genug musste er diese dann ausbügeln. Als Florian Busch die Scheibe bei einem Angriff für einen Kollegen ablegen wollte, schob er sie in den leeren Raum und gab damit unfreiwillig den Aufbaupass für einen Konter, bei dessen Abschluss durch Peter Schaefer letztlich auch der gute Zepp nichts mehr retten konnte (31.).

Etwas mehr von dem, was in den ersten beiden Partien zu sehen war, gab es dann im letzten Drittel. Die Eisbären kontrollierten den Puck wieder besser, damit auch das Spiel, die Angriffe wurden schneller und gefährlicher – und das Publikum in der mit 14.200 Zuschauern ausverkauften O2 World aktiver. Bis am Ende nur noch der kleine Teil aus Ingolstadt jubelte. Denn einen Moment waren die Berliner Spieler auf dem Eis unsortiert, ließen Greilinger zu viel Platz und ermöglichten damit den entscheidenden Treffer. „Schade für uns. Wir hatten viele Chancen“, sagte Trainer Don Jackson. Er nahm es recht regungslos hin. Und er wollte auch nicht einsteigen in die Schiedsrichterdiskussion. „Wir haben aus unserer Perspektive sehr diszipliniert gespielt, das steht bei uns ganz oben“, erzählte er nur – und dass er sich erst das Video anschauen müsse, um Näheres sagen zu können.

Auch wenn sich Jackson es nicht ansehen ließ, enttäuscht waren auch die Berliner. „Aber das müssen wir jetzt schnell vergessen“, sagt Torhüter Zepp. Wie man das hinbekommt, haben die Ingolstädter vorgemacht. Sie waren nah am Ausscheiden, das hat auch Trainer Chernomaz registriert. „In den ersten 30 Minuten war Berlin besser, da haben wir viele Fehler mit der Scheibe gemacht“, sagte er in seinem ersten Punkt. Aber seine Spieler waren eben im richtigen Moment zur Stelle. Deshalb verkündete er im zweiten Punkt seiner Ausführungen, wie stolz er sei.

Jackson packte derweil seine alten Play-off-Weisheiten aus. „Das nächste Spiel ist immer das größte, und am größten sie die Spiele, die man gar nicht erst spielen muss“, erzählte er und lächelte dabei. Was auch irgendwie so viel heißen sollte, dass er gern auf eine erneute Partie in Berlin verzichten würde. Im Prinzip hätte man sich schon das Spiel am Dienstag in Ingolstadt ersparen können. Den Berlinern bot sich alles, um das möglich zu machen. Sie nahmen die Einladung nicht an. Dafür wird es nun noch einmal eng in dieser Serie, sogar sehr gefährlich. Denn „am Ende eines Spiels setzt man immer auch Zeichen für das nächste in einer Serie“, hatte Ustorf vor dem Play-off gesagt. Das Zeichen der Ingolstädter war deutlich.