Play-off-Viertelfinale

Eisbären-Stürmer Christensen findet seine Form

Die halbe Hinrunde war der Berliner Mads Christensen verletzt, schoss nur fünf Tore. Rechtzeitig zum Play-off kommt er in Tritt: Nicht nur seine zwei Treffer gegen Ingolstadt machen Hoffnung auf mehr.

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Etwas war anders in diesem Spiel. Mads Christensen hatte das gespürt. Verzweifelt wirkten die Spieler des ERC Ingolstadt auf ihn beim zweiten Aufeinandertreffen, nachdem sie die erste Partie des Viertelfinales in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) gegen den EHC Eisbären verloren hatten. Diese Verzweiflung trieb sie an, fast unermüdlich in Richtung des Berliner Tores zu stürmen. Linderung erfuhr die Ingolstädter Seele dadurch nicht. Die Berliner gewannen auch dieses Spiel in der „Best of five“-Serie, 4:3 hieß es am Ende. Und Mads Christensen hatte mit zwei Toren kräftig mitgeholfen, dass der Gegner sein Gefühl der Verzagtheit nicht loswurde.

Im Prinzip hatten sich die meisten schon darauf verständigt, dass es keinen Sinn ergibt, die Saison von Mads Christensen beim EHC Eisbären einer näheren Betrachtung bezüglich seines spielerischen Einflusses zu unterziehen. Oft genug nämlich war er es, der das durchmachte, was nun die Ingolstädter erleben. Er wollte so viel, konnte das aber nicht zeigen. Er durfte nicht, weil sein Körper nicht mitmachte. „Das war sehr frustrierend. Ich musste immer wieder neu anfangen und versuchen in Form zu kommen“, sagt Christensen. Nun hat er seine Form gefunden, gerade noch rechtzeitig.

Wie es aussieht, wenn der Däne groß aufspielt, ließ sich also nur erahnen. An ihm musste aber etwas dran sein, deshalb war er ja geholt worden. Mit seinen 23 Jahren hat er immerhin schon an vier Weltmeisterschaften teilgenommen, in der Saison zuvor sammelte er in Iserlohn fleißig Punkte. Doch in Berlin lief für ihn einfach nichts zusammen. Bis zum Samstag.

Es fing schon früh an in der Saison mit dieser eigenartigen Anhäufung von Missgeschicken. Christensen zog sich eine Gehirnerschütterung zu. Kaum war er zurück, folgte die zweite. Danach dauerte es nicht lange, bis es in Mannheim ein kleines Blutbad gab. Christensen riss sich die Nase ein und fiel wieder aus. Nur die Hälfte der Spiele konnte er bestreiten in der Hauptrunde. „So etwas habe ich noch nie erlebt“, sagt er. Gerade neun Punkte, fünf davon durch Tore, kamen so zusammen.

Inzwischen fühlt sich Mads Christensen endlich wohl. „Schon vor dem Play-off hatten wir eine gute Phase, das hat es für mich leichter gemacht, in die Mannschaft hineinzufinden“, sagt er. Langsam beginnt der Däne zu demonstrieren, was in ihm steckt. In Ingolstadt fiel er nicht nur durch seine beiden Tore auf, sondern auch mit Durchsetzungsvermögen, mit Hartnäckigkeit und Kampfeswillen. „Ich freue mich, dass er jetzt Spaß hat“, sagt Manager Peter John Lee.

Mit seiner Schnelligkeit und technischen Begabung wächst der junge Stürmer nun in eine Position, die der Manager ihm von Anfang an zugetraut hat, nämlich die eines wichtigen Spielers im Gefüge der Mannschaft. Dieses Vertrauen hat auch Trainer Don Jackson in Christensen, er lässt ihn in der ersten Reihe für den verletzten Denis Pederson an der Seite von Florian Busch und Steve Walker spielen. Recht einfach findet Christensen das, denn die beiden „können viele gute Sachen machen mit dem Puck“. Er selbst jedoch auch. „Mads ist jemand, der gute Spieler sehr gut unterstützt“, sagt Jackson über den Angreifer. Lee schätzt an ihm auch den großer Eifer und seinen Ehrgeiz, für die anderen jungen Spieler der Eisbären sieht er in dem Dänen ein gutes Beispiel. „Er hat hart gearbeitet, um jetzt so zurückzukommen“, sagt der Manager. Lee betont das gern, denn er würde sich wünschen, dass auch andere der Talente in der Mannschaft ein bisschen mehr wie der Däne wären.

Der selbst würde sich wünschen, nur noch ein einziges Spiel gegen Ingolstadt machen zu müssen. In der dritten Partie am Sonntag könnten die Eisbären bereits ins Halbfinale einziehen (14.35 Uhr, O2 World und l ive im Ticker von Morgenpost Online ). „Aber das wird nicht leicht werden“, sagt er. Das Spiel in Ingolstadt war schon von einer unglaublichen Intensität geprägt, nun könnte sich das noch einmal steigern. Zumindest dürften die Bayern noch ein bisschen verzweifelter sein als vor zwei Tagen.