Eishockey

Eisbären siegen nach ein paar Schrecksekunden

In den ersten beiden Dritteln sah es im Spiel gegen Ingolstadt nicht gut aus für die Eisbären. Und es kamen auch noch Schrecksekunden hinzu, als der Ingolstädter St. Jacques auf einmal bewusstlos auf dem Eis lag. Doch er erwachte schnell wieder - und die Eisbären kamen zurück.

Play-off-Zeit im Eishockey ist immer auch Zeit für Rituale. Erinnert sei hier zum Auftakt und damit auch abschließend an die Geschichte mit den Bärten. Denn die hat einfach einen zu langen Bart. Als eines der jüngeren Rituale in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) etablierte sich seit Einführung des Pre-Play-off das Philosophieren über die für einige Mannschaften entstehende Pause. Mal bringt sie Vor-, mal Nachteile. Daher nervt diese Diskussion bisweilen und man ist geneigt, in der bayrischen Mundart der alten Berliner Legende Lorenz Funk zu sagen: „Geht’s naus und spuilt’s Eishokkay!“ Letztlich spielten sie dann auch, die Eisbären traten zur ersten Partie der Viertelfinalserie, die am Donnerstag in Ingolstadt fortgesetzt wird, gegen den ERC an und gewannen das erste von maximal fünf Spielen 5:3 (2:3, 2:0, 1:0).

Ihr Ansinnen hatten die Berliner, die vergangenes Jahr noch überraschend im Viertelfinale ausgeschieden waren, in Person von Kapitän Stefan Ustorf vor dem Beginn der K.o.-Runde klar formuliert. Nichts anderes als den Titel habe die Mannschaft im Blick. Als sie am Mittwoch das Eis in der heimischen Arena betrat, wurde dieses Ziel bereits sehr plastisch. Über der Fankurve ließen die Anhänger der Berliner eine überdimensionale Meistertrophäe von der Decke schweben. Genau im Blickfeld der Spieler, die gerade zur Startaufstellung Position bezogen hatten.

Da beide Mannschaften sich direkt für das Play-off qualifiziert hatten, die Eisbären als Dritter der Hauptrunde und Ingolstadt als Sechster, gingen beide mit den gleichen Voraussetzungen in die Partie – und zwar nach neun Tagen Pause. Ein Thema war die spielfreie Zeit trotzdem, zumindest bei den Berlinern. „Eishockey hat viel mit Rhythmus zu tun, der geht natürlich verloren bei so einer Pause“, sagte Ustorf. Im ersten Drittel werde sich zeigen, wer besser damit umgegangen ist. In jedem Fall rechnete er mit einem sehr intensiven Start beider Kontrahenten.

Kaum war der Puck zum Bully eingeworfen, nahm das Spiel Fahrt auf. Bezeichnenderweise mit einem Treffer von Ustorf, der den EHC in Überzahl nach nur 88 Sekunden in Führung brachte. Doch insgesamt schien Ingolstadt schneller wieder in die gewohnte Routine zu finden und übernahm die Regie.

Ustorf spielt überragend

Zu einem Hauptdarsteller wurde dabei allerdings Eisbären-Torhüter Rob Zepp. Bekanntermaßen ist er einer, der im Play-off seine besten Leistungen zeigt, doch der Start in das Spiel missglückte ihm gründlich. Erst ließ er einen Puck, den er schon sicher glaubte, fallen. Christoph Gawlik nutzte dies zum Ausgleich (3.). Nachdem er beim zweiten Treffer der Ingolstädter durch Wyatt Smith machtlos war (10.), schob er sich beim dritten von Bob Wren den Puck selbst ins Tor (16.) und sah auch danach noch einmal schlecht aus.

Nicht durch Zepp, sondern durch das Resultat von 1:3 fühlte sich der eine oder andere wohl an die Hauptrunde erinnert. Alle vier Spiele hatten die Berliner dort gegen Ingolstadt verloren. Und zumal die Berliner im Play-off mit dem ERC-Trainer Rich Chernomaz nie gute Erfahrungen gemacht hatten – zweimal bezwang er mit den Frankfurt Lions die Eisbären – schwante manchem schon Böses. Chernomaz ist ein cleverer Trainer, der weiß, wie er seine Mannschaft auf den Eisbären einstellen muss. Aber wie sagte Ustorf vor der Serie: „Er kennt uns gut, wie ihn aber auch. Die Vergangenheit interessiert mich nicht.“ Als würde er dies unterstreichen wollen, legte er dann den Treffer von Travis James Mulock zum 2:3 auf (17.)

Doch nicht unbedingt die gesteigerte Intensität der Berliner schien ihnen einen Vorteil im Spielverlauf zu verschaffen. Es sah so aus, als würde das Aus von Bruno St. Jacques etwas nachwirken. Der war kurz vor Ende des ersten Drittels nach einem fairen Zweikampf mit André Rankel an die Bande geprallt und musste nach kurzer Bewusstlosigkeit vom Eis (20.). Die erste Drittelpause wurde daraufhin um knapp eine Minute vorgezogen und zum zweiten Abschnitt hinzugefügt.

Allerdings taten die Berliner auch ihrerseits einiges, um zurück in die Partie zu finden. Dass die Hauptrunde nicht viel mit dem Play-off zu tun haben muss, zeigten sie in den Specialteams. Nie waren die Eisbären so schlecht gewesen in Über- und Unterzahl wie in dieser Saison, sie hatten die schwächsten Werte der gesamten Liga. Bedingt jedoch auch durch zahlreiche Verletze. In der Pause konnte Trainer Don Jackson bis auf Denis Pederson (Kreuzbandriss) mit allen Profis arbeiten, Kontinuität in die Formationen bringen. Die Wirkung stellte sich ein. Mulock erzielte mit seinem zweiten Tor den Ausgleich, in Unterzahl (24.), André Rankel traf zur 4:3-Führung (34.) und erzielte bereits das dritte Powerplay-Tor der Eisbären, bei denen der überragende Ustorf seinen vierten Scorerpunkt verbuchte. Bei bis dahin einem Überzahl-Gegentor.

Dabei blieb es auch. Als Frank Hördler nach schönem Solo das 5:3 erzielte (49.) sangen die 14.000 Besucher auf den Rängen nur noch „olé, olé, Super Eisbären olé“. Von Super-Eisbären zu reden, ist zwar noch etwas zu früh, doch sie haben ein Zeichen gesetzt.