Eisbären Berlin

Eisbär Felski hat ein Buch geschrieben

Keiner verkörpert die Eisbären Berlin wie Sven Felski. Im Interview mit Morgenpost Online spricht der 36-Jährige über sein neues Buch, Recherchearbeiten und ein mögliches Abschiedsgeschenk.

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Sven Felski hat sein ganzes Leben für den EHC Eisbären gespielt, in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) sind dabei fast 900 Partien zusammengekommen. In dieser Zeit wurde der gebürtige Hohenschönhauser zum Publikumsliebling. Nun gibt er allen die Möglichkeit, seine Geschichte noch einmal nachzulesen. Seit gestern ist sein Buch „Tore, Spiele, Meistertitel“ im Handel.

Morgenpost Online: Wie fühlen Sie sich denn als Autor, Herr Felski?

Sven Felski: Erst einmal freue ich mich, dass das Buch endlich draußen ist nach über einem Jahr. Aber natürlich bin auch stolz, es ist ja nicht jedem gegeben, dass er ein Buch schreiben kann. Ich lasse mich überraschen, wie es angenommen wird.

Morgenpost Online: Sie sind noch jung, ein aktiver Spieler. Was hat Sie denn dazu bewogen, jetzt schon ihre Geschichte aufzuschreiben?

Sven Felski: Ursprünglich sollte es ganz allgemein darum gehen, was man beim Eishockey so erlebt. Dann führte es immer mehr in die Richtung, meinen Werdegang nachzuerzählen. Ich bin ja auch ein Glückskind gewesen, es gab bei den Eisbären viele Situationen, wo es hätte vorbei sein können. Aber es ging immer weiter, auch für mich. Es tut mal ganz gut, so etwas aufzuschreiben, gerade wegen der vielen kleinen Anekdoten und Hintergrundinformationen, die die Leute gar nicht kennen.

Morgenpost Online: Erzählen Sie doch mal eine.

Sven Felski: Zum Beispiel als mein Vater und ich im Kreuzverhör der Staatsicherheit gesessen haben. Ich sollte rausgeschmissen werden aus dem Verein, von der Kinder- und Jugendsportschule fliegen, weil mir ein Schweizer Trainer zu einem DDR-Jugendturnier mal Handschuhe und Schläger mitgebracht hat. Ich konnte dann doch bleiben, weil sie wohl gesehen haben, dass aus mir mal einer werden kann.

Morgenpost Online: War es schwer, sich an alles zu erinnern?

Sven Felski: Das geht doch mit den Trainern los, wenn du über 20 hattest. Wer war denn nun wann da und vor allem wie lange? Ich hab so viel erlebt und vieles davon liegt so lange zurück, dass ich echt recherchieren musste. Das hat am meisten Zeit gekostet.

Morgenpost Online: Wie würden Sie ihren Stil beschreiben?

Sven Felski: Ich finde sehr gut, dass das Buch einfach geschrieben ist, kurze Kapitel hat und nicht einschläfernd wirkt. Ich habe versucht, authentisch zu sein. Das könnte auch Nicht-Eishockeyfans interessieren.

Morgenpost Online: Was heißt authentisch?

Sven Felski: Dass ich es so niedergeschrieben habe, wie es in meinem Kopf war. Ich hätte ja auch nur die schönen Sachen aufzählen können, aber mein Werdegang war ja ein anderer. Es gab auch die andere Seite. Durch die habe ich aber auch dazugelernt.

Morgenpost Online: In solchen Büchern wird oft mit Kollegen abgerechnet. Bekommt bei Ihnen auch irgendwer etwas ab?

Sven Felski: Es steht schon drin, dass Pierre Pagé kein schlechter Trainer war, aber manchmal eben völlig durchgedreht.

Morgenpost Online: Was haben denn ihre Mitspieler gesagt?

Sven Felski: Die wussten erst in den vergangenen Wochen davon, weil ich das herausgehalten habe. ‚Was, du schreibst ein Buch?', fragten die meisten. Manche auch, ob sie mit drinstehen. Um das zu erfahren, können sie es sich aber kaufen für die paar Taler. Ich verdiene dabei ja kaum was.

Morgenpost Online: Aber Sie werben ein bisschen.

Sven Felski: Das ist eine neue Erfahrung für mich. Über den Sport zu reden, bin ich ja gewöhnt. Aber das ist komplett anders.

Morgenpost Online: Deshalb werden Sie wohl Sonnabend bei der Lesung vor Hunderten von Fans auch aufgeregter sein als vor einem Spiel.

Sven Felski: Ganz bestimmt sogar, ich bin ja nicht darin geübt. Und auch gar nicht der Typ dafür. Aber es gehört dazu.

Morgenpost Online: Wie sieht es denn sportlich aus, haben Sie ihre Bauchmuskelzerrung auskuriert?

Sven Felski: Es wird besser, ist aber noch immer nicht in Ordnung. Beim Antritt habe ich noch Schmerzen. Aber ich muss das hinbekommen, Play-off, das sind meine Spiele. Wenn das nichts wird, flippe ich aus.

Morgenpost Online: Wie bewerten Sie die Situation mit Platz drei nach der Hauptrunde und Ingolstadt als Viertelfinalgegner?

Sven Felski: So wie es ist, finde ich es gut. Obwohl wir natürlich einen starken Gegner bekommen haben. Im Play-off war es nie leicht gegen sie, aber wir haben uns immer durchgesetzt. Die Saison verlief zwar bisher nicht ideal, aber ich hoffe natürlich, dass es ein sehr langes Play-off wird.

Morgenpost Online: Könnte danach Schluss sein für Sie, ist das Buch etwa auch eine Art Abschiedsgeschenk an sie selbst zum Ende der Karriere? Es gab da Andeutungen.

Sven Felski: Ein bisschen sieht es so aus, aber der Eindruck sollte nicht entstehen. Das Problem ist eher, dass ich so lange an dem Buch gesessen habe. Ehrlich gesagt würde ich gern das 20. Profijahr auch noch vollmachen. Jetzt bin ich im 19., wie es weitergeht ist aber noch nicht entschieden.