Eishockey

Eisbären kassieren vierte Niederlage in Folge

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Marcel Stein

Die Eisbären Berlin reden sich trotz der jüngsten Talfahrt und der 1:4-Pleite gegen Ingolstadt stark. Stürmer Busch verhinderte am Sonntag immerhin eine weitere Blamage. Dennoch schwinden die Chancen auf eine gute Play-off-Ausgangslage.

Wenn es nicht so läuft, wie man es gern hätte, hilft ja manchmal der Blick zurück auf bessere Tage, um die trüben Gedanken zu vertreiben. Bezogen auf den EHC Eisbären bedeutet das, dass ein Blick auf die Tabelle der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) ihnen derzeit wohl ganz gut tun müsste. Dort findet sich die Gesamtheit der Arbeit der ganzen Saison abgebildet, und das wiederum sagt den Berlinern, dass sie in der Vergangenheit einiges richtig gemacht haben. Sonst nämlich wären sie nicht immer noch auf Platz zwei. Obwohl sie derzeit das Tor nicht treffen und permanent verlieren. Am Sonntag beim 1:4 (1:1, 0:2, 0:1) gegen Ingolstadt schon zum vierten Mal in Folge. Unter Trainer Don Jackson hatte es das in dessen fast vierjähriger Amtszeit noch nie gegeben.

Nach dem enttäuschenden Spiel brachte der US-Amerikaner die dringendsten Gedanken bündig zusammen: „Die wichtigsten Fragen bei uns sind: Warum gewinnen wir nicht und warum schießen wir keine Tore?“ Die Auflösung des Rätsels gab Jackson auch gleich selbst. „Meine Antwort: Uns fehlen vier unserer Top-Ten-Scorer.“ Es scheint derzeit tatsächlich so, als würde die Verletzungsmisere die Berliner langsam auffressen. Als hätte der permanente Kompensationszwang, der sich durch die Saison zieht wie ein roter Faden, den Spielern die Frische geraubt.

Im Bemühen jedenfalls, sich gegen die Niederlagen aufzulehnen, geben die Eisbären recht bemitleidenswerte Figuren ab. „Die Arbeit ist da“, sagt Jackson. Sie war auch gegen Ingolstadt da. Besonders nach der frühen Führung der Gäste durch Jakub Ficenec ( 3.). Energisch drängten die Berliner vor das Tor des Gegners, kämpften hart um abprallende Pucks. Gelingen aber wollte ihnen so gut wie nichts. Mal abgesehen von Florian Buschs Ausgleichstreffer (11.).

Im Prinzip hätte es das Aufbruchsignal sein sollen. In den drei Spielen zuvor hatten die Eisbären keinen einzigen Treffer erzielt. Als Busch dann einen Aufbaupass der Ingolstädter an der Blauen Linie abfing, ging er ein paar Meter und holte weit aus. Ein bisschen weiter als sonst, um wirklich sicher zu gehen, dass er seine ganze Kraft auf den Puck übertragen kann. Sein Frust entlud sich, als das Geschoss nach 213 torlosen Minuten vom Innenpfosten ins Netz sprang. Auf den Tribünen in der mit 14.200 Zuschauern ausverkauften O2 World wurden Freudengesänge angestimmt.

Doch der Frust war bald wieder zurück. Die Eisbären kamen kaum gegen das kompakte und einfache Spiel der Ingolstädter, die durch Colin Forbes (33.) und Joe Motzko (36./59.) erhöhten, an. „Wir haben gute Entscheidungen mit der Scheibe getroffen“, sagte ERC-Trainer Rich Chernomaz. Dagegen konnten sich die Berliner entscheiden, wofür auch immer: Es war immer falsch. „Wir haben einfach kein Scheibenglück“, sagte Busch. Untermalungen dafür hatte es reichlich gegeben während der Partie. Tyson Mulock etwa hätte den Puck nur kurz zur Seite ziehen müssen – unbedrängt, versteht sich –, und das Tor wäre frei gewesen. Er haute über den Puck. Florian Busch illustrierte es so: „Wenn du nach rechts gehst, geht der Rebound nach links. Stellst du dich links hin, geht er nach rechts.“ Trotzdem fand der Stürmer, dass seine Mannschaft noch ganz gut gespielt habe. Er räumte allerdings auch ein: „Ich weiß nicht, wie es von außen aussieht.“ Es sah meistens eher ernüchternd aus. Angesichts all dieser Fakten drängt sich zwangsläufig ein Wort auf: Krise. Nach nun vier Niederlagen und 1:10 Toren wäre alles andere wohl eine Verharmlosung – trotz des Verletzungspechs. Ungünstig allerdings ist der Zeitpunkt. Nur noch vier Spiele, dann beginnt das Play-off in der DEL. Sollte sich nicht bald Besserung einstellen, könnte sogar die direkte Qualifikation für das Viertelfinale, für die Platz sechs notwendig ist, noch einmal in Gefahr geraten. Busch bleibt gelassen. „Ich denke, wir haben keine Krise. Wenn andere das behaupten, greift uns das nicht an“, sagte er. Denn die Einstellung stimme, das mache ihn zuversichtlich. Zumindest abseits des Eises zeigen die Berliner noch viel Selbstvertrauen.